Die Pläne einer Eisenbahn nach Oerlinghausen Dorf sind uralt
85 Jahre Eisenbahn Oerlinghausen - Bielefeld - Werner Höltke fand Pläne in alten Akten des Stadtarchivs: Doch realisiert wurden sie nie / Erste Bemühungen schon 1873
Oerlinghausen (Pfe). Die Bundesbahnlinie Bielefeld - Oerlinghausen feiert, wie hinreichend berichtet, ihren 85. Geburtstag. Rechnet man zurück, dann wird man feststellen, daß die Bahn den Betrieb im Jahre 1904 ihren Betrieb aufgenommen hat. Bemühungen, Oerlinghausen an das Bahnnetz anzuschließen, gab es allerdings bereits 91 Jahre zuvor. Der Oerlinghauser Werner Höltke, der sehr an historischen Fragen interessiert ist, suchte im Stadtarchiv Bielefeld etliches nach etwas ganz anderem. Dabei stieß er jedoch auf die äußerst interessante Vorgeschichte, die letztendlich um die Jahrhundertwende zur Bauausführung der Eisenbahn in Oerlinghausen führte.
Schon 1873 unternahm die Deutsche Eisenbahngesellschaft erste Versuche, von Hamm über Oerlinghausen nach Hameln eine Bahnlinie zu installieren. Darüber gibt es sogar einen handschriftlichen Briefwechsel. 1875 reduzierten sich diese Pläne dann auf eine Linie von Bielefeld über Oerlinghausen nach Detmold und Bergheim, wobei der Bahnhof Oerlinghausen mittels drei Kilometer Luftlinie von der Melmschen Hirschapotheke entfernt sein sollte. Ausgeführt wurde damals lediglich die Strecke zwischen Herford, Detmold und Bielefeld, zu der das Fürstentum Lippe 450.000 Mark bereitgestellt hatte. Zur gleichen Zeit, so fand Werner Höltke heraus, gab es Verhandlungen über den Bau einer Bahnstrecke von Brackwede nach Dalbke, Augustdorf, Schlangen und Paderborn. Auch hier sollte eigentlich Oerlinghausen einbezogen werden, doch als es 1885 soweit war, wurde die Strecke über Schloß Holte verlegt. Der Bahnhof Schloß Holte wurde damals vor allen Dingen vom Fabrikanten Tenge gewünscht, da dieser Transportmöglichkeiten für die Produkte seiner Holter Hütte brauchte. Auch Pläne, eine Kleinbahn von Oerlinghausen über Augustdorf nach Schlangen zu verlegen, zerschlugen sich.
1887 machte die Norddeutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft noch einmal Überlegungen für eine Bahnlinie von Bad Salzuflen, Schötmar nach Oerlinghausen. Ein Jahr zuvor waren bereits Überlegungen für eine Kleinbahn von Lage nach Oerlinghausen angestellt worden. Dabei sollte das Unternehmen sogar als Aktiengesellschaft geführt werden.
Erst um die Jahrhundertwende jedoch konnten die Pläne der Bahnlinie Lage - Oerlinghausen realisiert werden. Von 1902 bis 1904 wurde die Strecke gebaut, die dann anschließend nach Bielefeld weitergeführt wurde und deren 85-jähriges Bestehen man in diesen Tagen gefeiert hat. Die Fürstlich Lippische Regierung genehmigte am 9. Dezember 1902 die Strecke mit folgendem Brief, der sogar den Vermerk „Eilt“ trägt:
„Nach der uns auf unsere Erkundigung gewordenen Auskunft tragen wir kein Bedenken, den Betrieb einer gelebten elektrischen Bahn auf der Strecke Oerlinghausen Dorf - Oerlinghausen Bahnhof im Prinzip zuzulassen und soweit die Landesstrasse in Betracht kommt, die Aufstellung von Oberleitungsmasten u. dergl. zu genehmigen. Wegen der einzelnen Bedingungen, die sowohl im Interesse des Verkehrs wie der Instandhaltung der Landesstrasse vorzuschreiben sind, behalten wir uns Weiteres vor; bemerken jedoch, dass wir die Ausschließung jeder anderen gleichartigen Zwecke nicht zugestehen werden.“
Auch damals bestanden immer noch Pläne, die Bahn in Form einer „elektrischen Maschinen“ von Oerlinghausen Dorf zu führen, schließlich brauchte das 1901 fertiggestellte E-Werk Stromabnehmer. Die Firmen Carl Weber und Lindemeier waren damals auch brennend interessiert, zumal sie neue Transportmöglichkeiten für ihre Produkte sahen. Das Projekt wurde jedoch endgültig 1903 fallengelassen. Eine vergleichbare Anlage in Grevenbrück hatte keinen Erfolg und da wollte man in Oerlinghausen kein Risiko eingehen.