Für die SPD waren sie optimal, für die CDU „eine Nummer zu groß“
Architektenteam stellte neue Simonsplatzpläne im Ausschuß vor - Kein Chance für die Trauerbuche - Auch Grüne waren dagegen
Oerlinghausen (?). Der Simonsplatz wird bebaut, die Trauerbuche muß fallen. Das ist das Fazit eines Beschlusses aus dem Bau- und Planungsausschuß. SPD und FDP sorgten mit ihrer Mehrheit dafür, daß die „Pläne der Architektengemeinschaft Gronemeyer und Kolbassa aus Bielefeld weiterverfolgt werden“. Das heißt im Klartext: „Die vorgelegten Entwürfe sollen, von geringfügigen Änderungen einmal abgesehen, in dieser Form verwirklicht werden.“ Der vor sieben Jahren preisgekrönte Entwurf von Diplom-Ingenieur Peter Obbelode, der bis zuletzt seine ursprünglichen Pläne immer wieder nach den Wünschen des Ausschusses überarbeitet hatte, stand Mittwochabend nicht mehr zur Diskussion. Obbelode ist nach eigenen Angaben vom Investor, der Firma Gildenhaus, aus dem Vertrag „gedrängt“ worden. Der Geldgeber der Firma hat ihm inzwischen eine fünfstellige Abfindungssumme als Entschädigung angeboten.
Über den Obbelode-Entwurf, der 1979 als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen war, wurde im Ausschuß nur am Rande gesprochen. Als Vorsitzender Günter Weise (CDU) die Frage aufwarf, wie denn die „vertraglichen Dinge zu regeln seien“, erklärte Architekt Gronemeyer: „Es ist leider immer so, daß Architekten miteinander konkurrieren. Man reißt sich nicht um einen Auftrag, um andere kaputt zu machen.“ Auf den konkreten Fall angesprochen, meinte der Architekt: „Das ist Sache des Bauträgers.“
Während die Entwürfe von Peter Obbelode bereits seit sieben Jahren vorliegen, beschäftigt sich die Architektengemeinschaft Gronemeyer und Kolbassa erst seit zwei Monaten mit dem Simonsplatz. Gronemeyer über sein Konzept: „Lösungen, die vom Gefühl her entwickelt werden, sind oft die richtigen. Bei Wettbewerben steht man immer unter Stress und Druck. Dies hier ist ein hoffnungsvoller Arbeitsstand.“
Nach den Vorstellungen der Bielefelder Architekten gründet sich der Gebäudekomplex - siehe Foto in unserer gestrigen Ausgabe - auf eine teilweise bis zu neun Meter hohe Mauer im Bereich der Howe. Hinter dieser Mauer ist eine Tiefgarage mit 40 Stellplätzen verborgen. Darüber liegt ein Lebensmittelmarkt mit einer Nutzfläche von 1.000 Quadratmetern und Nebenräumen von 200 Quadratmeter Größe. Im ersten Obergeschoß sind Arzt- und Anwaltspraxen bzw. Wohnungen vorgesehen. Im zweiten Wohnungen und Büros. Das Dachgeschoß dient ausschließlich Wohnzwecken.
Bauamtsleiter Friedel Podthast sprach von einem „schmerzhaften Eingriff“, als er darauf hinwies, daß die Trauerbuche diesen Plänen geopfert werden müsse. „Aber der Investor hat uns zugesichert, einen Ersatzbaum mit mindestens 1,20 Meter Umfang zu pflanzen.“
Diether Raupach (Grüne) lehnte für seine Fraktion den Entwurf ab. Der Bedarf an Wohnungen „- vorgesehen sind acht bis zwölf - sei „gleich Null“. Und was die Artpraxen angehe, habe er auch keine allzu großen Hoffnungen: „Für die Ansiedlung eines Augen- oder Hals-Nasen-Ohren-Arztes ist ein Bereich von 21.500 Einwohner notwendig und die werden nicht erreicht.“ Auch habe er Bedenken, daß dieser Gebäudekomplex eine „Magnetwirkung“ für die Bebauung der Innenstadt haben könne. Raupach: „Das Ganze ist eine Nummer zu groß für uns.“
Diese Auffassung vertrat auch Heinrich Biere (CDU). Sein Fraktionskollege Günter Weise ergänzend: „Wenn der Lebensmittelladen von unten angefahren werden kann, wird keiner mehr über die Treppen des Ostrenbergs in die Hauptstraße marschieren.“
Optimistischer dagegen war Gerhard Richtersmeier (SPD): „Architektonisch ist das für uns eine der besten Lösungen. Wenn es denn nicht anders geht, können wir auch vor einem Baum, dessen Lebensdauer niemand abschätzen kann, nicht halt machen.“ Auch die FDP stimmte für die Pläne, obschon Hans-Jürgen Deilaff „eine zusätzliche Lärmbelastung für die Anlieger der Howe durch an- und abfahrende Fahrzeuge befürchtete“. Dazu Bauamtsleiter Podthast: „Das Ziel der Planung war, Geschäfte zu beleben und zugleich Ruhe hineinzubringen.“ Potthast fügte hinzu, daß die Pläne bereits mit dem Regierungspräsidenten abgestimmt und als zuschußfähig anerkannt worden seien. Auch mit dem Denkmalschutz sei bereits vor Ort gesprochen und in mehreren Detailpunkten Einigkeit erzielt worden.