Wenn der Planer keine Phantasie hat, muß man andere beauftragen

Professor Dr. Grathoff will Trauerbuche am Simonsplatz erhalten - SPD, CDU, FDP lehnten Bürgerantrag ab / Nur fünf Stimmen dafür        

 

Oerlinghausen (Piet). Ein Bürgerantrag von Professor Richard Grathoff, die Trauerbuche am Simonsplatz nicht nur zu erhalten, sondern auch unter Schutz zu stellen, wurde von der Mehrheit des Rates gegen die Stimmen der Grünen und das Votum von Klaus Dzialoszynski (fraktionslos) abgelehnt. Sprecher von SPD, CDU und FDP verwiesen dabei auf „bestehende Verträge“. Bürgermeister Steinkühler: „Diese Frage ist bereits mehrfach diskutiert worden. Wir haben keinen Einfluß mehr darauf, weil die Stadt nicht mehr im Besitz des Geländes ist.“

In diesem Punkt vertrat Jürgen Hartmann (Grüne) allerdings eine andere Auffassung. Er bezog sich auf das Landschaftsgesetz, das der Stadt ein Recht gebe, auch solche Bäume unter Schutz zu stellen, die auf Grundstücken privater Bürger stünden. Diether Raupach (Grüne) verwies auf mehrfach vor-gelegte und geänderte Pläne und meinte: „Auch das jetzige Projekt ruht ja schon seit einiger Zeit.“ Klaus Dzialoszynski meinte, es müsse „ein neues Denken um den Baum einsetzen“.

Richard Grathoff hatte von der Stadt in seinem Antrag gefordert, nur solche Baumaßnahmen am Simonsplatz zuzulassen, die gewährleisteten, „daß dieser Baum lebensfähig und für seine Umwelt sozial attraktiv bleibt“. In seiner Begründung wies der Soziologe darauf hin, daß es inzwischen internationaler Usus sei, „derart wertvolle Naturvorgaben zu architektonischen Auflagen zu machen“. Wörtlich heißt es in dem Antrag weiter: „Fehlt dem planenden Architekten die Phantasie, sollte man andere mit dieser Aufgabe beauftragen.“

Die städtebauliche ästhetische Funktion des Simonsplatzes, bislang etwas verkümmert, muß durch diese Auflage erneuert werden. Kurzfristige Termine müssen langfristigen Interessen untergeordnet werden. Ein gartenarchitektonischer Plan, der die einzigartige Buche auf die Südhänge in Richtung Bielefeld sichert und dessen Kernstück die Trauerbuche ist, sollte mit dem Bebauungsplan vorgelegt werden.

Für die SPD erinnerte Martin Weber daran, daß sich der Rat bereits jahrelang mit dem Simonsplatz und der Trauerbuche beschäftigt habe. Zuletzt sei dies im Juli 1986 geschehen. Weber: „Die Meinungsbildung ist abgeschlossen.“ Auch die Haltung der FDP, so Regina Kettner, habe sich „nicht geändert“. Dr. Hasse (CDU) meinte, der Investor habe sich „korrekt verhalten“ und „inzwischen auch den Kaufpreis bezahlt“. „Jetzt dürfen wir nicht mit einem Vertragsbruch hineinfunken.“

Stadtdirektor Fritz Bollhorst machte darauf aufmerksam, daß inzwischen gegen die Vorabgenehmigung Rechtsmittel eingelegt worden seien. Man müsse jetzt den Widerspruch abwarten, doch könne gegebenenfalls auch noch eine Klage gegen das Projekt anhängig werden.

[Bild: Soll der Bauplanung geopfert werden: die Trauerbuche am Simonsplatz. Foto: Klingebiel]