Aus der Geschichte des Dorfes Lipperreihe

Von Hermann Diekmann       

 

Wie alle Sennedörfer, so ist auch das heutige Lipperreihe noch sehr jung. Vor 1700 war außer dem am Hellwege gelegenen Jakobskruge die ganze Fläche noch mit Heide bewachsen und Eigentum der Kammer zu Detmold. Zu jener Zeit regierte in Lippe der über seine Verhältnisse lebende Graf Friedrich Adolph. Er war der Begründer der ersten stehenden Truppe in Lippe. Sein Regiment kostete jahraus, jahrein beträchtliche Summen, hinzu kamen die Ausgaben für kostbare Bauten, Festlichkeiten und Reisen. Die Staatskasse war stets leer. Um den Staatssäckel etwas zu füllen, wurde die Heidefläche südlich des Hellweges zur Besiedlung freigegeben. Aber wie konnten die Neusiedler dort Ackerbau und Viehzucht treiben, wenn kein Wasser vorhanden war?

Aus vielen mir vorliegenden Dokumenten werden immer zwei oder drei Nöte der Sennebauern hervorgehoben: Die Wassernot, die Dürre und der weite Schulweg nach Oerlinghausen. Um die Wassernot zu beheben, nahm man schon frühzeitig eine Wasserregelung am Stauhof vor, und zwar dergestalt, daß die Hälfte des Wassers vom Schopkebach unmittelbar zum Dalbker Teich und die andere Hälfte durch ein künstliches Bachbett quer durch die Siedlung läuft. Nur langsam erfolgte die Ansiedlung. 1721 werden folgende Kolonate in der Senne genannt: Friedhof (heute zu Oerlinghausen), Jakobskrüger, Bartholdskrüger (Grote), Linnenbrügger, Kindsgrab, Kopp, Lüking, Pollmann, Schlingheider (Buschmann). Viele dieser Kolonate bestehen heute noch, andere sind erloschen oder haben ihren Besitzer gewechselt. – Schulisch gehörte das Sennedorf zu Oerlinghausen. Dieses hatte nach dem 30jährigen Kriege nur noch 13 Kolonate. Nur ganz allmählig erholte es sich. Damit die Oerlinghauser Schule einigermaßen lebensfähig war, mußten die Kinder der benachbarten Senne zum Orte am Tönsberge kommen. Nicht allen war das angenehm. Der Wissensdrang wird bei vielen auch nicht besonders stark gewesen sein. Man stöhnt über den weiten Schulweg und über den Groschen, den die Kinder allwöchentlich beim Kantor Boß über den empfangenen Unterricht bezahlen sollen. Lieber wünscht man die Einrichtung einer eigenen Schule. Man wendet sich in einem Schreiben, das mir im Original vorliegt, zunächst an den Vogt in Oerlinghausen. Es ist bezeichnend für jene Zeit und hat folgenden Wortlaut: „Wohl geborener, wie auch hochehrwürdiger, gestrenger Vogt und hoch-gelehrte, hochgräfliche Lipp. zum Consistorio hochverordnete Herren Commissari generalis hochgebietende Herren.

Wir sind 14 Arme Einwohner, wohnend in der Senne und gehören zu der Kirche zu Oerlinghausen. Unsere Häuser sind von Oerlinghausen 1 Stunde entfernt, so daß die kleinen Kinder, den Winter über durch Berge und Thal und bei schlechtem Wetter und Schnee ohnmöglich den Weg dahin zur Schule thun können, und zur Sommerzeit müssen wir selbige bei dem Vieh gebrauchen (?). Wir haben sonsten wohl jemand gehabt, der bei uns gewohnet und die kleinen Kinder in den Anfängen unterwiesen. Seit 10 Jahren (!!) ist solches, weil sich niemand dazu angegeben, nicht mehr geschehen. Nunmehro hat sich unser Nachbar Bernd Henrich Tölke bereit erkläret, die kleinen Kinder in den Anfängen zu unterweisen, wann ihm nur das Schulgeld, sowir bishero nach Oerlinghausen bezalet, entrichtet werden könnte. Und da wir als Arme Unterthanen in der Dürren Senne zur Bezahlung eines gleichmäßigen Schulgeldes an den Kantor zu Oerlinghausen nicht imstande sind. Dieser hingegen ohne dem sehr gut fertig werden kann, indessen wir und unsere Kinder hierbei allzu sehr leiden würden.“

Es folgt dann die Bitte, in der Senne die geplante kleine Nebenschule zu gestatten. Das Schreiben stammt vom 27. Januar 1777. Wie nicht anders zu erwarten, wird der Inhalt des Schreibens widerlegt und abgelehnt (18. März 1777). Noch 103 Jahre dauerte es, bis Lipperreihe eine eigene Schule erhielt. Als erster Lehrer wird Wilhelm Bruns genannt, 1890 (der spätere Landtagsabgeordnete), 1900 kam Meyer, der bald nach Nordamerika auswanderte. Es folgen dann Begemann, 1902, Herman Jürgemeyer, 1905, Erhard Gronemeyer, 1912 (dieser war fünf volle Jahre in russischer Gefangenschaft in Wladiwostok), 1915 Niederkrüger (heute Rektor in Schmalenberg), 1916 Schulleiter Dreier aus Oerlinghausen zur Vertretung, dann Frau Dreier zur Vertretung, 1918 H. Diekmann, 1921 trat Gronemeyer, nach seiner Rückkehr aus russischer Gefangenschaft seinen Dienst wieder an. 1921 wurde Paul Stecker an die Schule berufen. Nach dem zweiten Weltkriege erhielt die Schule zunächst eine Lehrerin und dann einen zweiten Lehrer. Die Schülerzahl war gewachsen, so daß ein Anbau notwendig wurde.

H. Dkm.