Was einst am Schmuggelkrug passierte ...

Von Hermann Diekmann       

 

Hart am Sennerande, umgeben von alten Föhren, auf einer Anhöhe gelegen, war der Schmuggelkrug. Den Schmugglern wohlbekannt. Sonst merkte man dem mächtigen Bau von 50 m Länge und 30 m Breite nicht an, was hier sich zutrug. Die zwischen den Grundmauern liegenden Keller und Aufbewahrungsräume konnten von außen nicht wahrgenommen werden. Kein Fenster verriet das. Keine Treppe führte zu den Schatzkammern. Im Fußboden waren getarnte Klappen vorhanden, und mit Leitern konnte man in die Finsternis hinabsteigen.

Ein Schmuggler erschien hoch zu Roß. Er begehrte einen Sack Kaffee, den er bereitwilligst nach Bezahlung vom Krüger erhielt. Der Reiter legte ihn auf sein Roß, schwang sich aufs Pferd und trabte davon. Was konnte ihm schon geschehen! Nur noch zweihundert Meter trennten ihn von der preußischen Grenze. Ein Lied lallend, passierte er den „Wellenkrug“, nur noch 30 m trennten ihn von der Grenze. Doch, o Schreck, wer kam ihm entgegen? Der Oberzollkontrolleur von Brackwede. Blitzschnell arbeitete sein Gehirn. Wie konnte er sich aus der Patsche retten? „Guten Tag, Herr Kontrolleur“, grüßt er höflich. „Was hat er denn in dem Sack?“ – „Da drin ist Schmuggelware. Die hat der Unterkontrolleur den Schmugglern abgenommen, und ich soll sie nach Brackwede zum Oberkontrolleur schaffen.“ „Recht so, mein Sohn, da geb er sie bei meiner Frau ab.“ „Ja, aber Herr Oberzollkontrolleur, da ist doch ausgemacht, daß ich dafür eine Belohnung kriegen soll“, drückt er verlegen seine Mütze. „Die kann er sich auch bei meiner Frau holen.“ „Ach, Herr Oberzollkontrolleur, mit den Weibsleut will ich nicht gern zu tun haben. Kann mir der Oberzollkontrolleur das Sümmchen nicht selbst geben?“ Und der Beamte, human und generös, wie er in und außer Dienst stets war, drückt dem Schmuggler die Belohnungsgroschen in die Hand. Roß und Reiter sah man niemals wieder ...

Dkm.