Grünes Licht für neuen Entwurf zur Bebauung des Simonsplatzes
Architektenteam
präsentierte nach Denkpause eine „neue Lösung“ - SPD, CDU und FDP stimmten
dafür / Die Grünen waren dagegen
Oerlinghausen (tom). Nach jahrelangem Hin und Her scheint jetzt
festzustehen, wie der Simonsplatz bebaut werden soll. Der vom Bielefelder
Architektenbüro Kielbasse und Gronemeyer nach sechsmonatiger Denkpause
vorgestellte zweite Entwurf (siehe Foto oben) wurde am Mittwochabend vom Bauausschuß mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP gebilligt.
Die beiden Architekten wurden beauftragt, die präsentierten Vorstellungen „so
weiter zu verfolgen“. Damit gab ihnen der Bauausschuß
grünes Licht, baureife Pläne zu erarbeiten. Wenn diese Pläne - wie erwartet -
genehmigt werden, ist spätestens im Frühjahr nächsten Jahres mit dem Baubeginn
zu rechnen.
Die „neue Lösung“ für
die Bebauung des Simonsplatzes wurde möglich, nachdem
die Bielefelder Marktkette Jibi-Markt erklärt hatte, an einem Lebensmittelmarkt
im Simonsplatz-Projekt kein Interesse mehr zu haben. Damit entfiel die
bisherige Vorgabe, eine 1.000-Quadratmeter-Ladenfläche in den Gebäudekomplex
einzuplanen. Diese Vorgabe hatte unter anderem die durchgehende, bis zu neun Meter
hohe Betonmauer im Bereich der Howe notwendig gemacht, an der sich viele
Gemüter erhitzten.
„Jetzt können wir eine
Gliederung der Gebäude vorsehen, die viel eher dem städtebaulichen Charakter
Oerlinghausens entspricht“, erläuterte Peter Gronemeyer den neuen Entwurf,
den die beiden Architekten in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege in
Münster erstellten.
Danach wird das natürliche
Gefälle jetzt durch die Gebäude eher betont und nicht mehr durch eine hohe
Betonmauer nivelliert; die Häuser oberhalb der Howe sind stufig gegliedert, so daß die Südwestseite einen mehr aufgelockerten Charakter
bekommt; der immer noch notwendige, jetzt 4,50 Meter hohe Mauersockel entlang
der Howe soll aus Bruchstein gebaut werden und optisch sowie in die Höhe des
bereits bestehenden Mauerwerks unterhalb der Pfarrstraße fortsetzen; die
Dachhöhe bleibt jetzt knapp einen Meter unter dem bestehenden Dachniveau; die
Dachgiebel bislang 45 Grad und sollen sich dadurch besser dem Stadtbild
anpassen; zudem werden die Dächer an der Hangseite bis auf Fußbodenhöhe des
Erdgeschosses hinuntergezogen; die geforderte Durchsicht von der Hauptstraße
auf den […..] soll ein trichterförmiger Verbindungsgang garantieren, der von
der Hauptstraße terrassenförmig, mit dreistufigen Treppen, zu einer
Aussichtsplattform hinunterführt.
Und so sollen die Gebäude
genutzt werden: Unterhalb der Aussichtsterrasse soll eine Gaststätte
untergebracht werden, dahinter liegt die Tiefgarage mit 28 Stellplätzen; die
Aussichtsterrasse soll mit einem Café zusätzliche Attraktivität erhalten; 600
Quadratmeter außerhalb der Ladenfläche sind für das Erdgeschoß; im ersten
Obergeschoß sind hauptsächlich Arzt- und Anwaltspraxen sowie Wohnungen
vorgesehen; das Dachgeschoß soll ausschließlich Wohnungen vorbehalten bleiben;
insgesamt sind zehn Wohneinheiten geplant.
„Wir stimmen diesem
Entwurf grundsätzlich zu“, erklärte Waltraud Bartsch (SPD). Besonders die
Mitwirkung des Amtes für Denkmalpflege habe sich positiv ausgewirkt. Es sei
eine „gute optische Lösung“ erreicht worden.
Dietmar Raupach (Grüne)
lehnte „wieder einmal“ den Entwurf „vom Grundsatz her“ ab. Ohne
den Supermarkt, auf den lange Zeit bestanden worden sei, bleibe von der „Magnetfunktion“
des Simonsplatzes wenig über.
Friedrich Wilhelm Hamel (CDU)
machte die Zustimmung davon abhängig, „daß
der Vertrag mit dem Investor aufgebessert wird“. Die Stadt trage bislang
noch ein „erhebliches Risiko“.
Die ganze Sache sei
tatsächlich mit „großem Risiko“ behaftet, meinte auch Ausschußvorsitzender Günter Weiser (CDU). Mit beschwörender
Miene richtete er auch Schluß das Wort an „Investor“
Wolfgang Sander, der als Zuschauer im Sitzungssaal Platz genommen hatte. „Wir
wollen alle hoffen“, sagte Weiser, „daß
eine erwünschte Belebung in diesem Gebiet auch wirklich einsetzt.“ „Ja“,
sagte Sander, „das sei“, in beiderseitigem Interesse.
[Bild: Die Trauerbuche auf
dem Simonsplatz muß auch nach den neuen Entwürfen dem
Bagger weichen. Foto: Pieper]