Sieben Jahre geplant - jetzt baut ein anderer den Simonsplatz

Preisträger Peter Obbelode fühlt sich vom Rat verschaukelt - Vom Ursprungsentwurf wird am Ende nichts mehr übrig bleiben

 

Oerlinghausen (Piet). 1979 bekam er den ersten Preis in einem Gutachterwettbewerb für die Neugestaltung des Simonsplatzes. Sieben Jahre lang hat er seitdem Vorstellungen entwickelt, diese nach Änderungswünschen der Stadt wieder verworfen, neue Ideen vorgestellt und Investoren gesucht. Doch jetzt guckt Diplom-Ingenieur Peter Obbelode (Bielefeld) offenbar in die Röhre: Den Simonsplatz soll ein anderer bauen. Die Stadt hat Verträge mit der Firma Gildehaus in Bielefeld abgeschlossen und in deren Auftrag hat die Architektengemeinschaft Gronemeyer und Kielbasse (Bielefeld) in kürzester Zeit neue Entwürfe gemacht. Gestern abend wurden sie zum ersten Male im Bauausschuß vorgestellt. Wir werden noch darüber berichten.

Doch weitaus interessanter als die Beratung im Fachausschuß ist die Vorgeschichte. Sie fängt mit einem Gutachterwettbewerb im Jahre 1979, an dem sich acht namhafte Architekten der Region beteiligten. Peter Obbelode, der unter anderem für die hervorragend gelungene Restaurierung der alten Ravensberger Spinnerei in Bielefeld verantwortlich ist, ging als Sieger aus diesem Wettbewerb hervor.

Doch der Oerlinghauser Fachausschuß war mit Details seiner Pläne, die im übrigen den Erhalt der Trauerbuche vorsahen, anfangs nicht ganz einverstanden. Obbelode überarbeitete den ursprünglichen Plan und verringerte die Höhe des Projektes um eineinhalb Geschosse.

„Vier bis sechs Investoren standen damals zur Debatte. Doch zugreifen wollte und konnte keiner, weil die Stadt es versäumt hatte, den Bebauungsplan rechtzeitig zu ändern. Und ohne rechtskräftigen Bauplan wollte niemand auch nur eine Mark in das Projekt stecken. Auch waren damals, als das Haus Gehrenberg Nr. 1 noch stand, ‚Grundstücksschwierigkeiten‘ aufgetreten. Kenner der Szene machen der Stadt den Vorwurf, ihre Angestellten hätten die Katasterpläne nicht richtig gelesen und Grundstücke verkaufen wollen, die der Stadt gar nicht gehören.“

In den folgenden Jahren setzte dann eine verstärkte Diskussion um die Trauerbuche ein. Auch Diplom-Ingenieur Peter Obbelode sieht heute ein, daß der von der Stadt und den Investoren geforderte Großraumladen von tausend Quadratmetern nur dann gebaut werden kann, wenn die Buche gefällt wird. 1986 legte Obbelode einen neuen Entwurf, diesmal ohne Baum, vor. Und er fand auch einen Investor, nämlich Rektor Schreiner von der Firma Gildehaus in Bielefeld.

Doch dann hatte Obbelode einen Unfall, der ihn 71 Tage lang ans Krankenbett „fesselte“. Diese Zeit nutzte der Investor, um ihm - wie Obbelode heute meint, nicht gerade gentlemanlike - aus dem Vertrag zu drücken.

Zwar bot Schreiner dem Bielefelder Obbelode nach dessen Aussage an, er solle doch mit der Architektengemeinschaft Gronemeyer und Kielbasse kooperieren, doch das lehnte Obbelode ab: „Ich habe Herrn Schreiner erklärt, daß ich fristgerecht überarbeitete Pläne vorlege. Selbstverständlich war ich auch im Krankenhaus nicht untätig. Sollte ich es tatsächlich allein nicht schaffen, so habe ich zugesagt, die Ausführung mit seinen Plänen fortzusetzen.“ Doch darauf ging Schreiner nicht ein.

Nach dem derzeitigen Stand ist Obbelode „draußen“. Schreiners Geldgeber, ein Bielefelder Rechtsanwalt, dem die ganze Angelegenheit offenbar höchst peinlich ist, hat inzwischen eine fünfstellige Abstandssumme angeboten. Obbelode will jedoch vorerst die Entwicklung abwarten und sich weitere Schritte vorbehalten. Er hat inzwischen seine preisgekrönten Pläne zurückgefordert und zur Auflage gemacht, daß „vom Entwurf Obbelode bei der Simonsplatzplanung auch nicht ein Stück mehr übrig bleibt“.

Am neuen Entwurf läßt er kein gutes Haar: „Was da hinkommen soll, finde ich zum Kotzen. Damit tut man dem Gesamtstadtbild keinen Gefallen.“ Darüber hinaus fordert der Architekt, daß der neue Entwurf von einer Gutachterkommission geprüft wird: „Warum hat man damals einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, wenn heute ein anderer den Auftrag bekommt?“

[Bild: Das neue Modell für die Gestaltung des Simonsplatzes wurde gestern abend von der Architektengemeinschaft Gronemeyer und Kielbasse dem Bauausschuß vorgestellt. Foto: Burkamp]