Die Germanen können wiederkommen
Cheruskersiedlung in
Oerlinghausen soll wiederaufgebaut werden - Im Juli „bezugsfertig“
Die alten Germanen, die vor
zweitausend Jahren ausgezogen sind, um die Römer das Fürchten zu lehren, können
nun getrost wieder in ihre Behausungen zurückkehren, denn bald werden ihre
Häuser an alter Stelle wiederaufgebaut sein, genauso, wie sie vor zweitausend
Jahren gestanden haben. Fünf Häuser und zwei Stallungen der vor dem Kriege
durch Rektor Diekmann bei Oerlinghausen ausgegrabenen zwölf Häuser einer alten
Germanensiedlung sollen auf Beschluß des Vereins für
germanische Vorgeschichte auf der Randterrasse am Barkhauser Berg neu erstehen.
Diese Germanensiedlung ist
das einzige bisher bekannte Zeugnis aus dieser Zeit. Die Siedlung hat nicht nur
ihre Vorgeschichte, sondern auch ihre „Vorgeschichte“. Es hat damit angefangen,
daß Rektor Diekmann aus Oerlinghausen durch seinen
Sohn der Dummheit bezichtigt wurde, weil er über den Steinzeitmenschen mehr
erzählen konnte als von den doch wesentlich jüngeren Germanen.
Tacitus hat es verraten
Vom 16. Kapitel aus dem
Tacitus inspiriert, wo man lesen kann, daß die
Germanen dort zu meten pflegten, wo sie „eine
liebliche Au“ und anderes fanden, ging er mit einem Spaten an die Arbeit
und war nach einer „Behrlefe“ [FSj: eine Tiefe von 2 Spatenstichen] von 50
Zentimetern bereits „mitten in einem altgermanischen Kochtopf“.
Kalkstein und der eisenhaltige Stein des Tönsberges waren scheinbar die Gründe
dafür, daß die Germanen den Barkhauser Berg bei
Oerlinghausen, in der Nähe des heutigen Kastanienkruges, für eine liebliche Au
hielten.
Die Ausgrabungsarbeiten
dauerten zunächst zehn Jahre. Für jeden gefällten Baum mußte Rektor Diekmann
drei Mark zahlen. Die Grundrisse der zwölf freigelegten Häuser wurden
säuberlich fortgehalten. Die alten Haushaltgegenstände und Waffen fanden
Aufnahme in einem Freilichtmuseum. Nach dem Zusammenbruch 1945 und unter den
Nachwirkungen des Krieges wurde das so wertvolle Freilichtmuseum, bestehend aus
zwei Häusern und einem Schmelzofen, vernichtet. Nur ganz allmählich erwachte
bei den Schülern und Studierenden des Raumes Oerlinghausen wieder das Interesse
an der germanischen Vorgeschichte. Schließlich häuften sich aus dem ganzen
Bundesgebiet die Anfragen nach dem Schicksal und eventuellen Aufbau der
Germanenhäuser. Jugendgruppen verbrachten ihre Ferien im Freilichtmuseum, um
sich über die Ausgrabungsergebnisse zu unterrichten.
In der jetzt durchgeführten
gemeinsamen Sitzung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins e. V. und des
Vereins für germanische Vorgeschichte e. V. in Oerlinghausen wurde der Plan zum
Wiederaufbau vorgelegt. Der Lichtbildervortrag von Herrn Diekmann über das alte
Freilichtmuseum und über den geplanten Wiederaufbau der geschichtlichen Häuser
fand regen Interesse.
In einem zuvor auch an die
Schulen verteilten Flugblatt hatte Direktor Diekmann bereits angekündigt, daß das ganze Projekt einen Aufwand von 60.000 DM erfordert.
In dem Flugblatt ruft Direktor Diekmann alle auf, durch Spenden am Aufbau
dieses großartigen Werkes mitzuhelfen. Man hofft, den Bau durch Spendenkarten,
das Stück zu 50 Pfennig, finanzieren zu können. (Spenden auf Konto 3446 der
Kreissparkasse Oerlinghausen.)
Auf derselben Randterrasse,
wo vor 2.000 Jahren einst die Cheruskerhäuser standen, sollen die Häuser in
einer Länge von 8,80 Meter mit der gesamten Inneneinrichtung - allerdings etwas
näher zusammengefügt - wiedererstehen, um einen Einblick in die hohe Kultur
unserer Vorfahren zu geben.
Es sollen aufgebaut werden:
ein Wohnhaus, ein Gästehaus, ein Küchen- und Weberhaus, ein Schmiedehaus, zwei
Nebengebäude (Töpferei und Stall), ein Schmelzofen und ein Töpfereiofen. Mit
dem Aufbau soll im Mai begonnen werden. Man hofft, das große Werk dem Publikum
noch im Juli dieses Jahres zugänglich machen zu können. Zunächst muß allerdings das inzwischen wieder aufgeforstete Gelände
auf einer […..].