Das Geld ist da - der Aufbau kann beginnen
Rektor i. R. Diekmann
hofft, bis zum Herbst Cheruskersiedlung bei Oerlinghausen wiederherzustellen
Oerlinghausen. Noch in diesem
Jahre hofft Rektor i. R. Hermann Diekmann seinen Lieblingsplan, den
Wiederaufbau und Ausbau der Cheruskersiedlung bei Oerlinghausen, in die Tat
umsetzen zu können. Wenn er in der kommenden Woche seinen 69. Geburtstag
feiert, sollen bereits die Kiefern und Fichten gefällt sein, die jetzt das
Plateau bedecken, auf dem Diekmann in den Jahren 1936 und 1937 die Überreste
einer prähistorischen germanischen Siedlung entdeckte, worüber wir bereits
mehrfach berichteten.
Es hat lange gedauert, ehe
der Gedanke eines Wiederaufbaus der Siedlung greifbare Formen annahm. Vor allem
war es die Frage der Finanzierung, die erste Überlegungen erforderte, nachdem
bereits Prof. Dr. Hans Reinerth, Überlingen am
Bodensee, bekannt durch die von ihm rekonstruierte Pfahlbausiedlung
Unteruhldingen am Bodensee, auch die wissenschaftliche Oberleitung des
Oerlinghausener Projektes übernommen hatte, das nach seiner Fertigstellung
eines mit der interessantesten Objekte zur Darstellung
der germanischen Vorgeschichte sein dürfte.
Professor Dr. Reinerth erstellte die Pläne, nach dem der Aufbau vonstatten gehen soll, der insgesamt das Rathaus, die
Schreine und das Wohnhaus des Eisen-Schmiedes, das Weberhaus, das Küchenhaus,
die Töpferei und das sogenannte „Cellarium“
umfassen soll. Unter diesem „Cellarium“ haben
wir eine Art Vorratskeller zu verstehen, der allerdings nicht unterirdisch
ausgehoben, sondern über der Erde durch Lehm und Lehm mit
Lehm-Witterungseinflüssen geschützt war.
Der Bauplatz muß, wie Rektor Diekmann erklärt, von Kiefern und Fichten
gesäubert werden, die diese Bäume vor rund 2.000 Jahren - für so alt hält man
die gefundenen Siedlungsüberreste - noch nicht in unserer Heimat zu finden
waren. Stattdessen soll die Cheruskersiedlung wieder wie ehedem mit Laubbäumen
bepflanzt werden, wobei in erster Linie an Birken und Ebereschen gedacht ist.
Rund um die fertige Siedlung soll dann ein Zaun gezogen werden, der nach
außerhalb des Germanenwalls verläuft, mit dem die ursprüngliche Siedlung
nachweislich umgeben war. Auch dieser Zaun soll nach germanischen Vorbildern
angelegt werden.
Rektor Diekmann, der die
Gesamtkosten seines Planes auf etwa 40.000 DM beziffert, ist nicht wenig stolz
darauf, daß es gelang, die Finanzierung allein durch
den vor einem Jahre gegründeten „Verein für germanische Vorgeschichte e. V.
Oerlinghausen“ sicherzustellen. „So sind wir nicht von öffentlichen Mitteln
abhängig und keiner kann uns in unser Vorhaben hineinreden“, bekennt er mit
Genugtuung. Die Finanzierung erfolgte über Darlehen von Vereinsmitgliedern bzw.
durch die Übernahme von Bürgschaften. Auch konnte der Verein namhafte Spenden
verzeichnen, zumal seine Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt
anerkannt wurde.
Nach der Beseitigung von etwa
50 Bäumen sollen zunächst eine Zufahrtsachse und ein Treppenaufstieg angelegt
werden, damit dann im Mai die eigentlichen Aufbauarbeiten in Angriff genommen
werden können. Professor Dr. Reinerth ist zur Zeit dabei, die benötigten Holzmengen zu berechnen.
Gedeckt werden die sechs Cherusker-Häuser allerdings nicht wie ihre
prähistorischen Vorgänger mit Stroh, sondern - die größeren Lebensdauer wegen -
mit Schilf, das von der Insel Fehmarn bezogen wird. Bis zum kommenden Herbst
hofft man dann das Gesamtprojekt der Öffentlichkeit zugänglich machen zu
können.
-Kve-
[Bild: Die Erfolge
Diekmanns auf dem Gebiet der Heimatforschung haben die Oerlinghauser Jugend
nicht kaltgelassen. Fast jeden Tag suchen ein paar Jungen den Rektor in seiner
Wohnung in der Holter Straße auf, um sein Urteil über gefundene Steine zu
hören, in denen sie prähistorische Werkzeuge entdeckt zu haben glauben. Meist
trügt diese Hoffnung. Dafür zeigt der erfahrene Fachmann seinen jüngeren
Heimatforscher-„Kollegen“ ein echtes Kleinteil aus
seiner reichhaltigen Sammlung prähistorischer Funde.]