40 Jahre Arzt in Oerlinghausen

Dr. med. Paul Rieso feiert am 1. August ein seltenes Jubiläum

 

Oerlinghausen. Am 1. August 1920 ließ sich Dr. med. Paul Rieso als Arzt in Oerlinghausen nieder. 40 Jahre sind vergangen, seitdem er hier seine Praxis eröffnete. Wahrlich eine lange Zeit, eine Zeit der Unruhe und der Mühsal.

Paul Rieso wurde 1887 in Düsseldorf geboren. Er besuchte dort das Hohenzollern-Gymnasium und erhielt Ostern 1907 das Zeugnis der Reife. Seine Studienzeit verbrachte er in Bonn, München und Berlin. 1912 legte er die medizinische Staatsprüfung ab und war anschließend vier Jahre als Assistenzarzt in Duisburg am Krankenhaus Bethesda tätig, bis er zum Heere eingezogen wurde. Von 1916 bis zum Ende des ersten Weltkrieges war er Bataillonsarzt bei einem Infanterieregiment, machte an der Westfront die schweren Schlachten mit und wurde u. a. mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Es ist bezeichnend für den Mann, daß wir erst 43 Jahre nach Beendigung des Krieges von dieser Ordensverleihung erfahren. Man muß Peter Bamms „Unsichtbare Flagge“ lesen, um ermessen zu können, was Paul Rieso als Bataillonsarzt durchgemacht hat.

Nach Kriegsende war er kurze Zeit als Militärarzt beim Grenzschutz Ost eingesetzt.

Als er 1920 nach Oerlinghausen kam, traf er hier auf eine starke Wohnungsnot, die erst nach mehreren Jahren behoben wurde. Für Dr. Rieso begann nun eine Zeit anstrengender Arbeit, die sich bald auf die benachbarten Gebiete (Stukenbrock und Liems-Hagen) ausdehnte. Neben seiner Praxis war er auch der Arzt für das Rote Kreuz und leitete als solcher alle Kurse für „Erste Hilfe“. Während des zweiten Weltkrieges lag die Verantwortung der ärztlichen Betreuung der gesamten Bevölkerung von Oerlinghausen und Umgebung zeitweise allein auf seinen Schultern. Die Geburtshilfe, der er stets sein besonderes Interesse gewidmet hatte, nahm ihn während der letzten Kriegsjahre so sehr in Anspruch, daß er seine eigenen Kräfte oft weit über Gebühr einsetzte.

Ein altes Leiden zwang ihn im Frühjahr 1958, seine kassenärztliche Tätigkeit einzustellen. Aber er steht heute noch seinen alten Patienten und allen, die ihn darum bitten, mit Rat und Tat helfend zur Seite. Möge dem hochverdienten Arzt noch ein sorgloser Lebensabend beschieden sein.