Segelflugzeuge stießen zusammen - Ein junger Flieger stürzte in den Tod
Ursache des Unglücks
ist bisher noch ungeklärt
Kurz vor 12 Uhr startete
gestern der 20-jährige Segelflieger Heinz Marre mit
einer „Ka 8“ auf dem Flugplatz Oerlinghausen. Wenige Minuten später lag
die Maschine zertrümmert in einem Waldstück, etwa einen halben Kilometer neben
dem Flugplatz. Der Pilot wurde mit schweren Verletzungen ins Städtische
Krankenhaus Bielefeld gebracht. Auf dem Weg dorthin verstarb er. Der
Verunglückte stammt aus Essen und befand sich seit etwa zwei Wochen in
Oerlinghausen, wo er an einem Ferienlehrgang seines Luftsportverbandes
teilnahm. Lehrgangsleiter Dr. Beckendorf konnte sich das tragische Unglück
nicht erklären: „Heinz Marre war ein bedachter und
erfahrener Segelflieger. Er sollte in Kürze seine Fluglehrerprüfung ablegen.“
Wie kam es zu dem tragischen
Zwischenfall? Bis in die Abendstunden stand lediglich fest, daß
zwei Segelflugzeuge durch ein falsches Landemanöver kurz vor der Landebahn
zusammengestoßen waren. Während das eine Flugzeug mit einem Loch im Rumpf noch
den rettenden Flugplatz erreichen konnte, wurde das Segelflugzeug von Heinz Marre so schwer getroffen, daß es
eine Tragfläche verlor. Aus einer Höhe von etwa 80 bis 100 Metern sackte die
Maschine weg und schlug in eine Kiefernschonung.
Die Trümmer der „Ka 8“
lagen weit im Gehölz verstreut. Die Gegend wurde von der Staatsanwaltschaft
sofort abgeriegelt. Das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig wurde benachrichtigt
und ein Sachverständiger angefordert. In der Zwischenzeit wurden von der
Staatsanwaltschaft die ersten Vernehmungen angestellt.
An dem Lehrgang des
Luftsportverbandes Essen beteiligten sich 32 Segelflieger. Die meisten sind
bereits in den letzten Tagen abgereist. Die Lehrgangsteilnehmer starteten mit
zwei Maschinen, die aus Essen mitgebracht worden waren.
Heinz Marre
war gestern zu einem Flugplatz aufgestiegen. Der Start klappte - wie immer,
wenn Heinz Marre hinter dem Steuerknüppel saß. Dass
jedoch beobachteten die Freunde des jungen Segelfliegers, daß
er offensichtlich keinen Aufwind fand, um sich in die Lüfte zu schrauben. Kurz
danach setzte die Maschine zum Landen an. Dabei geschah das Unglück.
Auf dem Flugplatz in
Oerlinghausen können zwei Maschinen gleichzeitig landen. Es gehört zur
Platzordnung, daß sie auf der gleichen Bahn landen,
auf der sie gestartet sind. Gestern war noch nicht zu ersehen, ob einer der
Piloten eine falsche Landebahn angeflogen hat.
Während Staatsanwaltschaft
und anschließend der Sachverständige ermittelten, wurde die traurige Nachricht
von dem tödlichen Absturz der Vereinsleitung des Luftsportverbandes Essen
übermittelt. Vermutlich wird der Lehrgang, der eigentlich noch eine Woche
dauern sollte, kurzfristig abgebrochen werden.
-eis-
[Bild: Mit dieser
Maschine, deren Trümmer auf unserem Bild zu sehen sind, fand der 20jährige
Essener Segelflieger Heinz Marre gestern in
Oerlinghausen den Tod. Vermutlich durch ein falsches Landemanöver stieß er mit
einem anderen Segelflieger zusammen. Die Unglücksstelle wurde von der
Staatsanwaltschaft abgesperrt. Mehr als vier Stunden mußten
die Pressevertreter warten, bis das Gelände zum Fotografieren freigegeben
wurde. Fotos: FP (Surowka)]
Frau Gisela Harke
berichtet: „Ich hörte ein Splittern“ FP
unterhielt sich mit einer Augenzeugin des Unglücks
Frau Gisela Harke wurde
Zeugin des Absturzes am Oerlinghauser Flugplatz. Kurz vor 12 Uhr befand sich
Frau H. - wie sie gestern in einem Gespräch mit der FREIEN PRESSE berichtete -
in ihrer Wohnung und hörte plötzlich ein lautes Splittern und Bersten. Als sie
daraufhin zum Fenster eilte, konnte sie noch einen stark beschädigten
Flugzeugrumpf erkennen, der Sekunden später in einem Kiefernwäldchen verschwand.
Ein anderes Segelflugzeug flog in Richtung Flugplatz.
Auf dem schnellsten Wege
suchte Frau Harke Verbandszeug zusammen und nahm ein Gefäß mit Wasser, um sich
unverzüglich zur Unfallstelle zu begeben. Sie wollte dem abgestürzten Piloten
Erste Hilfe leisten. Zur gleichen Zeit kamen mehrere Helfer vom Flugplatz zur
Unglücksstelle geeilt.
Der 20-jährige Pilot wurde
durch den Aufprall in den Trümmern seiner Maschine eingeklemmt. Er mußte aus
dem Halbgarten Wrackteil geschafft werden. Anschließend brachte ein
Krankenwagen den Verunglückten nach Bielefeld.
[Bild: Während Heinz Marre aus Essen bei dem Zusammenstoß tödlich verunglückte,
gelang es dem anderen Segelflieger, noch die Landebahn zu erreichen. Seine
Maschine wurde am Rumpf beschädigt. Wir trafen den Piloten neben seinem
Flugzeug. Auf unsere Frage „Wollen wir sprechen?“ erhielt wir die höfliche,
aber bestimmte Antwort: „Nein, Sie dürfen nicht.“]