Am Weg zurück in die Gemeinschaft

Johanneswerk weihte „Heidequell“ als Heim für schwererziehbare Jungen ein

 

Ein neues Heim des Johanneswerkes Bielefeld wurde am Sonnabendnachmittag im „Heidequell“ am Rande des Flugplatzes Oerlinghausen eingeweiht. Architekt Klusmann überreichte Präses D. Wilm den Hausschlüssel, der ihn an Pastor Pawlowski als den Betreuer des gesamten „Heidequell“-Komplexes weitergab. Mit diesem lichten, zweckmäßig eingerichteten Haus wurde für 50 schwererziehbare Jungen ein Heim geschaffen, in dem sie den Weg zu einer positiven Haltung gegenüber dem Leben, der Arbeit und der Gemeinschaft finden sollen, wie Pastor Pawlowski in seiner Ansprache sagte.

Seit der Einweihung dieses Jungenheimes verfügt das „Heidequell“ über insgesamt 158 Betten. Der Platzmangel war bisher ein großes Problem gewesen, da die Zahl der Schwererziehbaren in den letzten Jahren gewachsen ist, während sich die Gebäude für ihre Unterbringung nur langsam ausdehnen konnten. Auch beim Bau des man eingeweihten Hauses traten erhebliche Verzögerungen ein. Eigentlich sollten die Jungen schon im Sommer einziehen. Umso größer war bei den Jugendlichen und ihren Erziehern jetzt die Freude, endlich von den hellen Schlafsälen, den freundlichen Wohn- und Gemeinschaftsräumen und vor allem den hervorragend ausgestatteten Werkstätten Besitz nehmen zu können.

Bei der Planung war auf die Berufsförderung der Jungen besonderer Wert gelegt und deshalb an den Werkräumen nicht gespart worden. Hier können die Zöglinge ein Handwerk erlernen und mit einem soliden Beruf später das Heim verlassen. Leider hatte Sozialminister Grundmann, der am „Heidequell“ und seiner sozialpädagogischen Aufgabe lebhaftes Interesse hat, seine Teilnahme an der Einweihung im letzten Moment absagen müssen. Als Vertreter wohnte Ministerialrat Steffen der Feierstunde bei.

Unter den Gästen sah man die Leiterin des Landesjugendamtes, Frau Dr. Schotter, die der Heimleitung einen Scheck über 1.200 DM überreichte. Für das Geld sollen Musikinstrumente, Bücher und Sportgeräte angeschafft werden.

Mit der Einweihung verbunden war die jährlich stattfindende Fahrt der Bielefelder Presbyter, die ebenfalls an der Arbeit des Johanneswerkes von jeher regen Anteil nehmen. Im Saalwerk Bethelbrock [?] fanden sich alle Teilnehmer zu einer Nachfeier zusammen. Nachdem Pastor Pawlowski von den Zielen und Aufgaben des Johanneswerkes berichtet hatte und die Vertreter der Kirche und Behörden ihre Segenswünsche für das neue Heim zum Ausdruck gebracht hatten, hielt Präses D. Wilm als Vorsitzender des Gesamtwerkes der Inneren Mission eine Festansprache, in der er von den Anfängen der Erziehungsarbeit durch Pastor Friedrich von Bodelschwingh bis zu den heutigen modernen Erziehungsmethoden mit Arbeitstherapie und sehr viel persönlicher Freiheit bei der behutsamen Lenkung des „Schwererziehbaren“ einen Überblick gab.