65 Jahre evangelisches Gotteshaus in Kracks

Die kirchliche Eingemeindung nach Oerlinghausen und Ubbedissen - Die Vorgeschichte des Kirchbaues

 

Senne II. Am Sonnabend, dem 12. September, jährt sich der Tag, an dem vor 65 Jahren die kleine freundliche Kirche der evangelischen Gemeinde eingeweiht werden konnte. Nicht immer hatten es die Bewohner unserer Gemeinde so bequem. Ihren religiösen Belangen nachzugehen, wie heute. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts rechnete die Bauernschaft Senne II mit den Ortschaften Ubbedissen, Lämershagen und Gräfinghagen zum Kirchspiel der lippischen Gemeinde Oerlinghausen, trotz ihrer politischen Zugehörigkeit zu Ravensberg (1814 zu Brandenburg, später Preußen). In dem Maße aber, wie der Pfarrbezirk an Umfang zunahm, mußte sich diese Einpfarrung immer waghalsiger auswirken. Der bis zu anderthalb Stunden weite Kirchweg „über den Berg“ war allzu beschwerlich.

Da machte eine Kabinettsordre des Königs Friedrich Wilhelms IV. diesem Zustand ein Ende. Danach sollten die Landeskinder „die Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse“ von der für sie zuständigen Landeskirche erhalten. So wurde die Gründung einer neuen Kirchengemeinde in Ubbedissen vorbereitet, für die der König ein „Gnadengeschenk von 6.000 Thalern“ bewilligte. Die eingangs erwähnten Ortschaften wurden dieser Pfarrgemeinde zugeschrieben und in die Diözese Bielefeld übernommen. Aber in einer besonderen Urkunde wurde bereits etwa später notwendig werdende Umpfarrung in Aussicht gestellt, über die Behörden zu gegebener Zeit entscheiden sollten. Senne II wurde daher zu keinerlei Abgaben für den Kirchenbau herangezogen. Vielmehr wurde der Gottesdienst von Ubbedissen alle zwei Wochen einmal in einem schmucklosen Raum auf dem „Lindenhof“, dem heutigen „Stadtzentrum“, gehalten, der zugleich als „Schulhaus“ diente.

Die Senner aber hielten weiter in Oerlinghausen fest und erreichten die Erlaubnis, auch fernern ihre Kinder dort taufen, unterweisen und konfirmieren zu lassen. Die Nachmittagsgottesdienste in Senne II wurden sehr schlecht besucht, noch schlechter freilich die Hauptgottesdienste in Ubbedissen. Diesen Zustand versuchte der Pfarrverweser Meinsburg aus Ubbedissen ein Ende zu bereiten, indem er künftig jeden Sonntag in Senne II Nachmittagsgottesdienst abhielt und an jedem zweiten Feiertage sogar Vormittagsgottesdienst. Außerdem hielt er in Senne II „selbst Konfirmanden- und Katechismusunterricht“ ab und taufte eine zweimalige Konfirmation zu Ostern und zu Michaelis ein.

Als nach den Kriegen von 1866 und 1870/71 die Raumfrage auch in Ubbedissen brennend wurde, trat man dem Gedanken einer Trennung näher. Für Senne II wurde die Errichtung einer Kapelle mit Schule geplant. Gleichzeitig erklärte sich der Landrat von Ditfurth bereit, ein Grundstück von „3 Morgen, 100 Ruthen, 48 Fuß“ als Bauplatz für das Schul- und Bethaus gebührenfrei an die Gemeinde abzutreten.