Ausflugsziel im Teutoburger Wald
Errichtung einer Cheruskersiedlung bei Oerlinghausen
[Bild: Das Bild zeigt (mit hellem Hemd) Rektor Diekmann, einige seiner Vereinsmitglieder sowie zahlreiche kleine Zöglinge vor den Modellbauten.]
Wie bereits vor einigen Wochen berichtet, ist in Oerlinghausen ein „Verein für deutsche Vorgeschichte“ ins Leben gerufen worden. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, an historischer Stätte, dem Barkhauser Berg bei Oerlinghausen und auf den Grundrissen germanischer Siedlungshäuser, diese neu erstehen zu lassen.
Wir begaben uns in die Bergstadt, um uns bei dem geistigen Vater dieses Unternehmens, Rektor i. R. Hermann Diekmann, über mögliche Fortschritte zu erkundigen. Der über die Grenzen Oerlinghausens hinaus bekannte Heimatforscher erzählte uns zunächst, wie er im Jahre 1938 begonnen hätte, in seiner Heimat, die durch die Schlacht im Teutoburger Wald eine besondere Stellung in der deutschen Geschichte einnimmt, nach germanischen Siedlungen zu suchen. Bald hatte er auch Erfolg und entdeckte hinter einem 580 Meter langen Erdwall, der zum Schutz gegen die aus der Senne heraufkommende Fallstraße diente, die Fundamente von sechs germanischen Siedlungshäusern. Wie festgestellt wurde, müssen diese um 150 n. Chr. abgebrannt sein. Die verkohlten Pfosten fand Hermann Diekmann bei seinen Ausgrabungen, und an der gleichen Stelle sollen nun die Pfähle für die naturgetreuen Nachbildungen der Häuser in den Boden versenkt werden.
Bis es soweit ist, muß jedoch noch eine Menge Arbeit verrichtet werden. Der Verein, der augenblicklich 42 Mitglieder umfaßt, will, sobald eine Bürgschaft von 40.000 Mark aufgebracht ist - und es bestehen berechtigte Aussichten, daß es bald der Fall sein wird -, mit dem Bau beginnen. Das betreffende Gelände von 5.190 qm ist bereits auf 50 Jahre gepachtet und soll später aufgekauft werden.
Als Fachmann soll, wie bereits berichtet, der Prähistoriker Professor Reinert die Oberleitung des Bauvorhabens in die Hände nehmen. Der Professor ist der Erbauer der bekannten und vielbestaunten Pfahlbauten bei Überlingen am Bodensee, hat also große Erfahrung in bezug auf vorgeschichtliche Bauwerke. Weitere Fachkräfte zur Herstellung der Strohdächer und Verzahnung der Holzfundamente will man aus Schleswig-Holstein und der Schweiz heranziehen. Außerdem hofft man neben der selbstverständlichen Freiwilligkeit der Vereinsmitglieder auch auf eine tatkräftige Mithilfe Oerlinghauser Schüler. Später soll am gleichen Ort auch noch ein Museum für germanische Frühgeschichte errichtet werden.
Schon heute kann man die sechs Häuser sehen, allerdings nur im Maßstab 1:20, und zwar im Garten von Rektor Diekmann, einen Kilometer vom tatsächlichen Ursprungsort entfernt. In mühevoller Kleinarbeit hat er sie Stück um Stück zusammengesetzt.
Sollten die Pläne des verdienten Heimatforschers in Erfüllung gehen - wenn man die Begeisterung und Einsatzfreude erlebt, mit der sich der alte Herr für seine Idee ins Zeug legt, wagt man nicht daran zu zweifeln -, so wird der Teutoburger Wald neben den Externsteinen und dem Hermannsdenkmal in Kürze ein drittes historisches Ausflugsziel von Bedeutung erhalten.
Schm.