Oerlinghausen bekommt Freilichtmuseum
Die germanische Siedlung wird wiederhergestellt und weiter ausgebaut
Oerlinghausen. Das herrliche Freilichtmuseum in Oerlinghausen, das in den Vorkriegsjahren von Tausenden besucht, dann aber zerstört, abgebrochen und 1946 auf Abbruch verkauft wurde, soll jetzt wiedererstehen und auch weiter ausgebaut werden. Dank des Entgegenkommens der Besitzerin vom Rittergut Niederbarkhausen, Frau P. v. Lenthe, die das Waldgelände zur Verfügung stellte, konnte vom Verkehrs- und Verschönerungsverein ein Pachtvertrag auf 30 Jahre abgeschlossen werden.
Tatkräftige Männer innerhalb des Vereins, die sich zu einem Kuratorium zusammengeschlossen haben, werden in Verbindung mit Prof. Reinerth, dem Erbauer der Pfahlbauten am Bodensee, dafür Sorge tragen, daß in kürzester Zeit der Grundstein gelegt werden kann. Dann wird Oerlinghausen wieder der Mittelpunkt der Vor- und Frühgeschichte des Teutoburger Waldes werden.
Vor nunmehr 30 Jahren entdeckte Rektor Diekmann in der Nähe von Oerlinghausen auf einer Randterrasse am Barkhauser Berg die erste germanische Siedlung westlich der Elbe aus der Zeit um Christi Geburt. Das 400 m lange und 60 m breite sandige Gelände war als Wohngebiet wie geschaffen. In stetem Talgrunde läuft ein klares Bächlein, Wasser für Mensch und Vieh in Fülle spendend. Schon in der mittleren Steinzeit wohnten hier Menschen - die vielen Feuersteingeräte und Absplitter deuten darauf hin.
Der mächtige Buchen- und Eichenwald war am Rande des Geländes licht, Fährten von Rot- und Schwarzwild wiesen auf reiche Jagdbeute hin. Hier fand eine ganze Sippe ihren Lebensunterhalt. Der leichte Boden bot dem Siedler gute Aussichten, der anstehende Lehm gab Material zur Töpferei, der vorhandene Raseneisenstein vom Tönsberg wartete auf seine Verhüttung, dem Schmied war die Möglichkeit zum Schmieden und Hämmern der Schwerter und Werkzeuge gegeben. Ackerbau, Viehzucht und Gewerbe - zu allem war das Gelände geeignet.
Das Bestreben ging dahin, einen Teil der ausgegrabenen Häuser mit dem Eisenschmelzofen zur 900-Jahr-Feier der Stadt im Jahre 1936 wiedererstehen zu lassen. Prof. Dr. H. Reinerth von der Universität Berlin nahm sich der Sache an. Unter seiner Leitung wurden der Schmelzofen, das Haus des Schmelzers, das Dachhaus mit Esse und Töpferei damals wiedererstellt.
Das Wohnhaus war ein behagliches, strohgedecktes Haus mit Vorhalle. Die mit Lehm verputzten Flechtwände waren sauber und glatt. Das Herdfeuer war der Mittelpunkt des Hauses. Darüber hing an einer kunstvoll geschmiedeten Kette ein schöner Bronzekessel. In der Ecke stand das Bett, und darüber hingen Schild, Lanze und Schwert.
Die
[Bild: Das behagliche, strohgedeckte Haus mit Vorhalle, Töpfe und Krüge zeugen von der hohen Handwerkskunst der Vorfahren.]