Ein Bauernhaus wird 150 Jahre alt
Im „Soltwiark“ wurde früher das Salz verteilt - Über 70 Jahre war hier eine Garnkocherei
Seinen 150. „Geburtstag“ feiert am Dienstag ein Bauernhaus an der Talbrückenstraße im Stadtteil Schildesche. „Im Jahr 1807, dem 18 ten Juni hat Johann Peter Mettin dieses Haus mit der Hilfe Gottes lassen bauen und aufrichten durch Meister Friedrich Wilhelm Welhoner“, lautet die Inschrift über der breiten Eingangstür des Fachwerkhauses.
Nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch Handel und Gewerbe sah das Haus in seiner 150-jährigen Geschichte. „Soltwiark“ sagen die alten Schildescher heute noch, wenn sie vom Haus Talbrückenstraße 11 sprechen. Diese Bezeichnung erinnert daran, daß hier nach der Einführung des Salzmonopols (1823) die Verteilung des Salzes stattfand. Vor über hundert Jahren erwarb Heinrich Nolting, der Großvater des heutigen Besitzers Wilhelm Nolting, das Anwesen. Sein Handel mit Textilwaren erstreckte sich, wie aus den alten „Geschäftsbüchern“ hervorgeht, bis nach Bremen.
Über 70 Jahre lang war dem Haus eine Garnkocherei angegliedert, die der jetzige Besitzer noch bis in die ersten Jahre des letzten Krieges betrieb. Für eine Weberei in Oerlinghausen wurden die Garne zubereitet. Pferdefuhrwerke brachten die Garne, die meistens aus England stammten, nach Schildesche und holten sie nach dem Kochen wieder ab. Nach der Währungsreform unternahm der Sohn des Hausbesitzers noch einmal den Versuch, diesen Gewerbezweig wieder aufleben zu lassen, wie sich jedoch als nicht mehr rentabel erwies.