Kernbohrer spürt dem Erz nach

Wieder „Schatzsuche“ in Helpup - „Kuckucksstollen“ erneut geöffnet

 

Helpup. In den bleihaltigen Muschelkalksteinbruch der Helpuper Egge ist ein verstärkter Spezialtrupp der Essener Schachtbaufirma Gebhard & Koenig zurückgekehrt, die bekanntlich von der Preussag (Unterharzer Bergbau- und Hüttengesellschaft) mit dem Stollenbau und einem Ergiebigkeitstest beauftragt worden war.

Kurz vor Weihnachten hatten die Kumpels ihr „Geschirr“ eingepackt, den Eingang zur Erzmutung vernagelt und die Kreidehieroglyphe „Kuckucksstollen“ über die Schalbretter hingeschrieben. Das hatte einen mehr humorvollen als prophetischen Bezug und berührte die Frage der Abbauwürdigkeit nicht. Ein Kumpel hieß so.

Vier Monate lag die Wellblechbaracke am zerklüfteten Rande des Uphöfchen Steinbruchs verwaist. Nachstürzendes Gestein hatte das Schienengestänge für den „Grubenteckel“ gut einen Meter überlagert. Aus der Tatsache, daß die von der Preussag beauftragten „Schatzgräber“ immer noch nicht zurück waren, schloß man in der Gemeinde Währentrup und auch unten im ziegelroten Helpup auf einen wieder einmal erfolglos „angekratzten“ Teutoburger Wald.

Die eine Partei am Krugstammtisch, soweit sie sich in völlig abwegigen Bodenspekulationen erging, bedauerte die nicht „fündig“ gewordene Erzmutung, die sich bei 3,5 Prozent Bleigehalt so hoffnungsvoll anließ. Die „Ästheten der Stammtischrunde“ waren der Meinung, der Teutoburger Wald solle weiterhin die „grüne Lunge“ des Ruhrgebiets bleiben und nicht die industriellen Züge des Reviers tragen. Auch wenn es sich hier in der Helpuper Egge, die dem Tönsberg vorgelagert ist, zugegebenermaßen um den im Erzbergbau üblichen, offenen Stollenbetrieb handelt, der die Landschaft nicht verschandelte.

Seit Anfang Mai rattern im „Kuckucksstollen“ nun wieder die Abbauhämmer und wird das schwere, dunkel eingesprenkelte Gestein in die Loren gefüllt. Da man den „Erzgang“ bereits auf 200 Meter Tiefe sprengend und schaufelnd nachgegangen ist, erweisen sich auch die Bewetterungsrohre als notwendig, die ins dunkle Stolleninnere führen.

Haufen von Stempelholz lassen neben anderen Bergwerksmaterialien den Schluß zu, daß sich die augenblicklichen Arbeiten über einen längeren Zeitraum erstrecken werden, wenn den Essener Kumpels auch im Umgang mit der Bevölkerung größte Schweigsamkeit aufgetragen worden ist, um die spekulativen Gelüste niederzuhalten und später notwendig werdende Bodenkäufe nicht unnütz zu komplizieren. Das „Berggesetz“ mit seinen einschlägigen Paragraphen läßt von der Lattenschüttung der Mutter Erde meist recht wenig für die Grundstückseigentümer übrig - jedenfalls nicht die romanhaften „Millionengewinne“.

Neben der stollenartig betriebenen Aufschlußbohrung ist an der Straße Helpup-Währentrup ein sogenannter Kernbohrer in Betrieb, der an fünf, von den Geologen angegebenen Punkten der Helpuper Egge die Erzlagerstätte sondieren soll. Die Konstruktion erlaubt ein „gerichtetes Bohren“, das heißt: der nach dem Rotary-System arbeitende Meißel kann auch schräg angesetzt werden, was hier notwendig ist, um die über eine Anhöhe laufende Chaussee nicht zu beschädigen oder gar sperren zu müssen.

Das transportable, nur zehn Meter hohe Bohrgerät ist trotz seiner Miniaturmaße imstande, Gesteinsproben aus 100 Meter Tiefe zu holen. Soweit will man die Erdkrume, die sich hier an ihrer Oberfläche grün „punktieren“. Ein Gesteinskasten für die Geologen mit farblich vielgestuften „Bohrkernen“ liefert die ersten tektonischen Aufschlüsse über ein Terrain, das es „in sich hat“.

Zu Füßen der Hügelkette, wo die Bahnlinie Bielefeld-Hameln verläuft, stand in der Nähe des Rittergutes Niederbarkhausen während der Inflationsjahre das Bohrgerüst für ein geplantes Kalisalzbergwerk. Im Posidonienschiefer am Nordabhang des Tönsberges bei Wistinghausen beurkunden aufschlußreiche Übertageterrassen, mächtige, von Loren aufgetragene Dämme und ein verlassenes Fabrikgebäude im Wald ein anderes mineralogisches Experiment der Nachkriegszeit. Bei Trockendestillation mit überhitztem Wasser zog man aus dem Wistinghauser Ölschiefer fünf Prozent eines dünnflüssigen, paraffinfreien, aber benzin- und leuchtölreichen Produktes, das sich leider der Rentabilität verschloß, so daß die kostspieligen Werksanlagen auf die Fabrikation von Unterwasserzement umgestellt wurden.

Tektonisch hebt sich das zur Zeit von der Preussag aufgeschlossene Gebiet durch eine merkwürdige, noch dunkle Vielfalt des Gesteins aus der Wende von Jura- und Kreidezeit hervor, als unsere engere Heimat Küstenzone war - mit Erzablagerungen bei Lämershagen und Sumpf-Wäldern (Wealden), die sich durch geringe Kohlespuren am Tönsberg und bei Kelleranschachtungen in Oerlinghausen andeuteten.

Eine „altsächsische Erzschmelze“ wurde übrigens im Tal der Stapelager Vorberge vor gut zwanzig Jahren von Schulleiter a. D. Hermann Diekmann, Oerlinghausen, entdeckt und ausgegraben. Der rekonstruierte „Hochofen“ unserer Altvorderen fand Aufstellung im „Germanischen Dorf“ der Bergstadt, einem Freilichtmuseum, das leider nicht mehr besteht.