Wer war eigentlich Marianne Weber?
Straßennamen und ihre Bedeutung (V)
Oerlinghausen. Marianne Weber, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, geboren am 2. August 1870 in Oerlinghausen und gestorben 1954 in Heidelberg, ist die einzige Dame im Kreise berühmter Oerlinghauser, nach der eine Straße benannt wurde. Die Marianne-Weber-Straße liegt im Rodengebiet. Die Oberstudiendirektorin der Marianne-Weber-Schule in Lemgo Käthe Aestner übernahm für die NEUE WESTFÄLISCHE die Würdigung der Verdienste von Marianne Weber. Sie schreibt:
Das Lemgoer Mädchengymnasium trägt den Namen Marianne Webers. Diese Frau, die sich bewußt zu der deutschen Frauenbewegung bekannte, war ein Kind des Lipperlandes. Sie wurde 1870 in Oerlinghausen als Tochter des Arztes Dr. med. Eduard Schnitger aus Lemgo und seiner Ehefrau Anna, geb. Weber, geboren. Mütterlicherseits entstammte Marianne Weber einer Bielefelder Patrizierfamilie, die zu den führenden Firmen der Leinenindustrie gehörte. Ihr Großvater Carl Weber, Patriarch einer weitverzweigten Familie, war ein reicher Mann, der sich seinen Wohlstand aber in harter Arbeit neu aus dem Nichts erringen mußte durch modern-kapitalistische Geschäftsmethoden, die sein Neffe Max Weber, der Mann seiner Enkelin Marianne, später analysierte in seiner Schrift über den Geist des Kapitalismus. Carl Weber hatte nach dem Niedergang des Bielefelder Geschäftes den Vertrieb hausindustriell erzeugter Leinwand nach Oerlinghausen verlegt – „einem kleinen Ort am Rande der Senne“.
Die Jahre der Kindheit verbrachte Marianne Weber aber nicht in Oerlinghausen, sondern in Lemgo bei der Großmutter väterlicherseits. Sie durfte nicht im elterlichen Hause heranwachsen: die Mutter starb bei der Geburt des zweiten Kindes – der Vater, Sohn des Lemgoer Gymnasialdirektors, konnte seinem Kinde kein Heim geben, weil Unruhe und Schwermut ihn umtrieben; nach und nach auf das Schicksal ihrer Eltern sagt Marianne Weber über das unfaßbare Geschehen: „Ein an Gefühls- und Geisteskraft überschwenglich reiches, junges Leben, das in voller Reife zum Segen für viele geworden wäre, wurde mit zweiundzwanzig Jahren ausgelöscht. Ein von Geisteskrankheit gefesselter Mann mußte sein verstörtes, zunehmend verödendes Dasein, das seinen Nächsten oft Kummer bereitete, weitertragen. Welch ein ungnädiges Geschehen! War das der weise Wille eines liebenden Vatergottes? Ich konnte mich niemals damit aussöhnen.“ Zwischen diesen beiden Polen spannte sich ihr Leben: Fülle und Schönheit dieser Welt wurden ihr beschieden – immer wieder aber mußte sie auch das andere erfahren: „Aus den geheimen Untergründen des Daseins stiegen plötzlich Schatten auf.“
In Lemgo wuchs Marianne Weber heran in der Obhut der Großmutter Schnitger, die als Witwe des Gymnasialdirektors in dürftigen Verhältnissen lebte, in ständiger Sorge um die drei von geistigen Störungen gequälten Söhne. Die Töchter verdienten ihren Lebensunterhalt als Lehrerinnen - bei der Tante Flora, der Vorsteherin der höheren Töchterschule. Die Ferien verbrachte Marianne Weber in Oerlinghausen bei den reichen Verwandten. In ihren Erinnerungen bekennt sie sich aber zu den Frauen, die sie erzogen: „Im Vergleich mit der bescheidenen Lemgoer Existenz lebte man hier auf einer hohen Ebene des Wohlstandes. Ich genoß diese Schönheit und fühlte Zuneigung zu meiner mütterlichen Familie. Aber wenn ich verglich, so gab ich doch den geplagten Frauen in Lemgo die Palme. Ich spürte dort eine Tiefe der inneren Existenz, eine Bewährtheit im Schweren, eine Großzügigkeit und geistige Intensität, die hier von den glücklichen Menschen nicht zu verlangen war. In Lemgo rechnete man auch nicht. Man war besitzlos und teilte, was man hatte. Die Oerlinghauser Kaufherrn verstanden zu rechnen.“
So nimmt es nicht wunder, daß das junge Mädchen sich nach den Jahren im Institut in Hannover, dessen Besuch der Großvater veranlaßt hatte, nach einer eigenen Existenz sehnte. Dem Lemgoer Leben entwachsen, sollte Marianne Weber sich im Oerlinghauser Patriziatshaus helfend vorbereiten für die Aufgaben der Frau und Mutter. In dem Lebensbild Max Webers, das Marianne Weber nach dem Tode ihres Mannes schrieb, heißt es über diese Zeit: „Aber Marianne ist atypisch veranlagt und rebelliert innerlich gegen dies überlieferte Mädchenschicksal... Das harmonische, aber ereignislose ländliche Dasein, in dem die Männer dem Geschäft, die Frauen ganz Haus und Kindern gehören, bietet weder dem strebsamen Geist noch ihrem Lebenshunger Nahrung. Da sind keine Gegenstände zur Entfaltung ihrer Eigenkraft...“
Das Mädchen entsprach leider so gar nicht dem heiligenreinen Ideal von Weiblichkeit, dem die Männer anhängen, das alle Frauen dieses Kreises prägt, und offenbar hat die Frauenbewegung in neuerer Zeit eine ganz andere Bewertung gebracht. Schönheit und fühlte Zuneigung zu meiner mütterlichen Familie. Aber wenn ich verglich, so gab ich doch den geplagten Frauen in Lemgo die Palme. Ich spürte dort eine Tiefe der inneren Existenz, eine Bewährtheit im Schweren, eine Großzügigkeit und geistige Intensität, die hier von den glücklichen Menschen nicht zu verlangen war. In Lemgo rechnete man auch nicht. Man war besitzlos und teilte, was man hatte. Die Oerlinghauser Kaufherrn verstanden zu rechnen.
Die Ehe mit Max Weber
Marianne Webers Ehe mit Max Weber war eine außergewöhnliche Verbindung. Max Weber, der Begründer der modernen Soziologie und einer der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit, fand in seiner Frau eine gleichberechtigte Partnerin, die an seiner geistigen Welt und darüberhinaus durch philosophische und wissenschaftliche Arbeiten teilhatte. Sie war keine Hausfrau im herkömmlichen Sinne, sondern eine eigenständig denkende und arbeitende Frau. Auch Max Weber im Jahre 1920 nach seiner schweren Erkrankung - die Folgen Max Webers waren dessen unmündige Kinder, […..] Auch mußte sie helfen, das Schicksal zu tragen. Sie brach unter der Last der schweren Jahre nicht zusammen, kann sie doch eigene Verantwortung wahrzunehmen. In Heidelberg später Abgeordnete in badischen […..]
Marianne Webers Leben und Werk
Marianne Weber war eine Frau, die sich nicht mit den traditionellen Rollen der Frauen ihrer Zeit zufrieden gab. Sie war eine starke und unabhängige Persönlichkeit, die ihre eigenen Wege ging und ihre eigenen Ziele verfolgte. Sie war eine Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, die sich für die Rechte der Frauen einsetzte und sich für eine bessere Bildung und Teilhabe der Frauen an der Gesellschaft einsetzte. Ihre Ehe mit Max Weber war eine Partnerschaft auf gleicher Ebene, in der beide Partner ihre eigenen Interessen und Ziele verfolgten.
Marianne Weber war auch eine Frau, die sich für die soziale Gerechtigkeit einsetzte. Sie war eine engagierte Sozialarbeiterin, die sich für die Rechte der Arbeiter und der Armen einsetzte. Sie war auch eine Frau, die sich für die Friedensbewegung einsetzte und sich gegen den Militarismus und den Nationalismus wandte.
Insgesamt war Marianne Weber eine außergewöhnliche Frau, die sich durch ihre Stärke, ihre Unabhängigkeit und ihr Engagement für die Rechte der Frauen und die soziale Gerechtigkeit auszeichnete. Sie war eine Frau, die ihre eigenen Wege ging und ihre eigenen Ziele verfolgte, und die sich nicht von den traditionellen Rollen und Erwartungen der Gesellschaft einschränken ließ.