Fast fünf Tonnen schwere Dampflok wurde auf den Berg geschoben

Die Suche nach Bodenschätzen in Oerlinghausen (3): 18 Jahre harter Arbeit ohne nennenswerte Gewinne

 

Oerlinghausen. Bodenschätze und die Suche danach haben in den vergangenen Jahrhunderten in der Bergstadt eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Dabei wurde nach Steinkohle und Eisenerz gegraben. Nebenbei bohrte man nach Sole, legte Schieferlager frei und errichtete eine Zementfabrik. Über das Ende dieser Fabrik, dem folgenschweren Diebstahl eines Zugochsen und über einen Heidentanzplatz berichtet Werner Höltke im letzten Teil dieses historischen Rückblickes.

In der Silvesternacht 1918/1919 wurde aus dem verschlossenen Stall der Rekord-Zementfabrik bei Oerlinghausen ein rotbunter, beschlagener Zugochse gestohlen.

Rotbunter Zugochse nach Brackwede „entführt“

Das Tier wurde laut Polizeibericht über den Tönsberg, durch die Senne, am Bahnhof Knacks vorbei, in Richtung Brackwede geführt. Hier verloren sich die Spuren. Obwohl eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt worden ist, wurde der Dieb nicht gefasst. Da man nicht rachsüchtig sein wollte, wurde 1919 statt des Ochsen eine kleine Dampflok in Berlin gekauft.

Zum Transport auf den Straßen vom Helpuper Bahnhof zum etwa drei Kilometer entfernten Zementwerk wurden laufend Schienenstücke von 5 m Länge vor die 4,5 Tonnen schwere Lok gelegt. Da die Maschine unbemannt wurde, mussten auch Kohlen und Wasser mitgeführt werden. Es dauerte einen Tag, bis sie beim Zementwerk ankam und auf die vorhandenen Schienen gehoben werden konnte. Auch ein Lokschuppen war vorher auf der gegenüberliegenden Seite des Zementwerkes errichtet worden. Der Betrieb mit der neuen Lok vom Schiefersteinbruch über den Damm zur Zementfabrik verlief ohne Probleme.

Die für den Abtransport des Zements zum Bahnhof Helpup geplante Seilbahn wurde aus Kostengründen nicht gebaut, sondern dafür wurde ein Lastkraftwagen angeschafft. Eine Seilbahn gab es schon damals in ungefähr 300 Meter Entfernung der geplanten Seilbahn. Hiermit wurde der hinter der Hofanlage von Bauer Hanke geförderte Ton über den heutigen Querriegel der im Mackenbruch befindlichen Ziegelei Reinecke befördert. Auf dem Querriegel ist heute noch ein Fundament der Seilbahn zu sehen.

Otto Simon blieb der Gasthof „Wilder Jäger“

Am 14. Mai 1928 legte Direktor Otto Simon sein Amt als Geschäftsführer nieder. Sein Eigentum blieb der „Wilde Jäger“, welcher von der Firma Weber angemietet und mit vier Familien belegt wurde. Neuer Geschäftsführer wurde der Kaufmann Kurt von Eberhard von der Frankfurter Metallbank. Die Firma beschäftigte im Durchschnitt 15 bis 30 Arbeiter und drei Angestellte. Ein Problem war es, in der Inflationszeit die Löhne für die Arbeiter bereitzustellen. Fritz Pollmann, der damals für das Lager zuständig war, erzählte, daß er und das Buchhalter Bleicher zweimal in der Woche mit einem großen Rucksack voll Geld zur Lippischen Landespar- und Leihkasse im Stadthotel gegangen seien. Vollgepackt mit Geldscheinen ging es zurück zur Zementfabrik zur Lohnauszahlung. In den Monaten der Hochinflation von Januar bis Ende November 1923 reichte das Geld noch am selben Tag für den täglichen Bedarf -  oder war fast wertlos geworden.