Exbürgermeister: „Wenn die Lipper soviel Geld haben, dann können sie unser Gymnasium bauen!“
Interessante Debatte in Oerlinghausen mit Jugendlichen um die kommunale Neuordnung
Oerlinghausen. Das Experiment ist geglückt. Die Ratssitzung mit jungen Leuten, die in Oerlinghausen erstmals in einem Kommunalparlament in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde, war ein voller Erfolg. Diese Feststellung konnten der Rat und Verwaltung nach über dreistündiger Sitzung mit rund 250 Gymnasiasten und Hauptschülern im Stadthotel treffen. Die Tagesordnung konnte nicht einmal ganz erledigt werden. Sechs Anfragen der Hauptschule sollen in einer weiteren Sitzung, deren Termin noch nicht feststeht, behandelt werden.
Die interessanteste Debatte ergab sich zweifelsohne über die kommunale Neuordnung. Welche rationalen und zwingenden Gründe haben verhindert, daß ein Anschluß an Bielefeld im Rat der Stadt diskutiert worden ist? fragten die Schüler der Klasse 12 des Städtischen Gymnasiums.
Er halte die Grenzen Lippes für unantastbar, nicht nur aus Tradition, meinte Erich Diekhof (SPD). Der Kreistagsabgeordnete verwies auf das Vermögen des ehemals selbständigen Lipperlandes, das vom Landesverband verwaltet werde und in einem Etat mit rund 70 Millionen Mark Jahresvolumen seinen Niederschlag finde. „Dieses Geld kommt den Bewohnern Lippes und damit auch den Oerlinghausern jährlich zugute“, sagte Diekhof.
FDP-Sprecher Hermann Diekhof erklärte, man könne derzeit noch keine klare Stellungnahme abgeben, da über die vielen Modelle einer Neugliederung für Ostwestfalen noch keine Entscheidung im Landtag gefallen sei. „Ich bin dagegen, mich streng an die Grenzen Lippes zu halten, andererseits aber auch nicht dafür, mit fliegenden Fahnen nach Bielefeld zu marschieren.“ Diese Meinung teilte auch CDU-Fraktionssprecher Dr. Hille. Ratsmitglied Sikander (SPD) meinte: „Wir müssen überlegen, in welchem Raum wir am besten leben.“ Bürgermeister Konrad Dreckshage erkannte Bielefeld als Oberzentrum auch für Oerlinghausen an. Die Vermögenswerte des ehemaligen Landes Lippe könne man allerdings nicht leichtfertig vergeben, erklärte das Stadtoberhaupt.
Stadtdirektor Goldbeck kam nach eingehender Prüfung der Zahlen zu dem Ergebnis: „Für Oerlinghausen ist ein Verbleib im Großkreis Lippe vorteilhafter.“
Gegenteiliger Meinung war Lipperreihes Ex-Bürgermeister Heinz Heisbrink. Er warf den beiden Gemeinden Leopoldshöhe und Oerlinghausen Versäumnisse vor. „Die Gemeinderäte hätten sich längst um einen Anschluß an Bielefeld bemühen müssen. Dann wäre der Kreis Bielefeld vielleicht zu retten gewesen. Welche Vorteile bringen uns die Domänen, Staatsbäder und das Hermannsdenkmal?“, fragte Heisbrink unter dem Beifall der Schüler. „Wenn das Land Lippe soviel Geld hat, kann es ja unser Gymnasium bauen!“, sagte der frühere Bürgermeister.
Sein Fraktionskollege Erich Diekhof erinnerte noch einmal an die relativ niedrige Kreisumlage (28 Prozent gegenüber 38 im Kreis Bielefeld) und teilte mit, daß das Kuratorium Hermannsdenkmal beispielsweise im letzten Jahr 10.000 Mark für den Segelflugverein bereitgestellt habe.
Die kommunale Neuordnung soll in der nächsten öffentlichen Ratssitzung noch einmal behandelt werden.
Piet