Das neue Klärwerk Nord soll in zwei Jahren für saubere Abwässer sorgen
Gestern erfolgte der erste Spatenstich für 8-Millionen-Mark-Projekt
Oerlinghausen (tom). „Ich hoffe“, meinte Bürgermeister Horst Steinkühler, „daß wir diese Kläranlage nicht auch nach 25 Jahren wieder abreißen müssen.“ Mit diesen Worten griff Bürgermeister Horst Steinkühler gestern nachmittag zum verchromten Spaten und leistete den symbolischen „ersten Spatenstich“ für den Bau des neuen Klärwerks Nord. Die Bauarbeiten für das 8-Millionen-Mark-Projekt haben jedoch schon längst begonnen. Die offizielle Grundsteinlegung erfolgte am Rand des bereits ausgehobenen riesigen Klärbeckens. Mit der Fertigstellung der auf 8.000 Einwohnergleichwerte ausgerichteten Kläranlage, die auf dem Gelände des alten Klärwerks unterhalb des Gymnasiums entsteht, wird in zwei Jahren gerechnet.
Bürgermeister Steinkühler erinnerte in seiner Rede vor Vertretern sämtlicher Ratsfraktionen, des Regierungspräsidenten, des Kreises Lippe, der Stadtverwaltung sowie der beteiligten Planungs- und Baufirmen an die Errichtung der alten Kläranlage Nord, die vor 25 Jahren an dieser Stelle gebaut worden war und heute „von der Größe und vom System her überholt“ sei. Daran könnten die enormen Verbesserungen der Abwasserreinigungstechnik, die in dieser Zeit erreicht worden sei, erkannt werden. Bereits Anfang der 60er Jahre, sagte Steinkühler, habe der Regierungspräsident darauf hingewiesen, daß die Kapazität der Kläranlage, über die die Bereiche Altstadt sowie Wellenbruch und Steinbült entsorgt werden, nicht mehr ausreiche. Sieben Jahre habe es gedauert, von den ersten Gesprächen bis zum Baubeginn.
Zufrieden äußerte sich Steinkühler über die zu erwartenden Zuschüsse: von den 8 Millionen Mark Baukosten („nach derzeitiger Kalkulation“) werden, so der Bürgermeister, 5 Millionen Mark an öffentlichen Zuschüssen fließen. Insgesamt 83 Prozent der Bausumme würden über Zuschüsse, weitere 9 Prozent über zinslose Darlehen finanziert. „Diese Zuschußhöhe konnten wir gerade noch kurz vor Torschluß bekommen“, erklärte Steinkühler. Das neue Förderprogramm des Landes sehe wesentlich geringere Zuschußhöhen vor. Von dieser Baumaßnahme, der nach der Stadtkernsanierung zweitgrößten Investition der Stadt, erhoffe er sich eine wesentliche Verbesserung der Gewässergüte der Schopke.
Von der Dringlichkeit der Maßnahme hatte sich Regierungsbaudirektor Schacht, der als Vertreter der Bezirksregierung an der Grundsteinlegung teilnahm, noch mit einem Blick auf den Vorfluter von einer Baubrücke herab überzeugt. Schacht erklärte, daß den „erheblichen Anforderungen“ an die Reinigung der Abwässer mit der neuen Kläranlage Genüge getan werde. Schacht: „Die erwarteten Werte sind bei biologischer Reinigung kaum zu unterbieten.“ Der Standort des Klärwerks habe in der Planungsphase erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Zuletzt habe auch noch einmal der TÜV eingeschaltet werden müssen, „um sicher zu sein, daß die Nachbarschaft nicht zu sehr beeinträchtigt wird.“ Was die Zuschüsse angehe, sei Oerlinghausen bei diesem Projekt „tatsächlich auf den letzten noch möglichen Zug“ aufgesprungen. Schacht: „Das geht demnächst runter auf 15 Prozent.“
Planungsingenieur Redeker bezeichnete den Baubeginn für das Klärwerk Nord als „wichtigen Moment für die Stadt Oerlinghausen“. Was die Stickstoff- und Phosphateliminierung angehe, gehöre diese Anlage zu den ersten, bei denen beide Stoffe, soweit klärtechnisch möglich, abgeleitet würden.
[Bild: Schon vor dem ersten Spatenstich ist auf der Baustelle für das neue Klärwerk Nord eine Menge Erde bewegt worden - ein Blick in das riesige Klärbecken.]