Bauernburgen boten Zuflucht und Schutz
Auf größeren lippischen Höfen vorzufinden - Keine prunkvollen Bauten mit Zinnen und Türmen
Oerlinghausen. Bauernburgen - wer kennt sie? Diese Frage werden gewiß nur wenige bejahend beantworten können. Bauernburgen - Burgen der Bauern! Ganz recht, damit hat man den Nagel auf den Kopf getroffen. So nennt man nämlich jene Schutz- und Zufluchtsstätten, die wir noch hier und da auf den größeren lippischen Höfen vorfinden. Zwar sind es keine prunkvollen Bauten mit Zinnen und Türmen, sondern ihrem Zweck entsprechend rohgefügte wuchtige Bauwerke. Zwei von diesen „Bauernburgen“ haben wir einmal aufgesucht, um einiges über ihren Zweck und ihre Bauweise zu erfahren.
An der Auffahrtstraße nach Oerlinghausen, dem schmucken Bergstädtchen des Lipperlandes, liegt das alte Rittergut Niederbarkhausen. Schon im Jahre 1035 wird es erwähnt. Umgeben von weißgetünchten Stallungen und Wirtschaftsgebäuden erhebt sich inmitten dieser auf dem Hofe das festgefügte Turmhaus. Viel älter als das Gutshaus selbst, wird es von den Umwohnern noch als die „Burg“ bezeichnet. Und das mit Recht. Denn starke Mauern, Schießscharten, Falltüren und eine zu sichernde Eingangstür bestätigen die einstige Wehrhaftigkeit. Allein die Mauern haben eine Dicke von einem Meter. Der rechteckige Turm mißt etwa sieben Meter Breite bei acht Meter Länge, die Höhe kann fünfzehn Meter betragen.
Mit Hilfe der erläuternden Chronik kann man sich recht deutlich den Zweck solcher Bauwerke vorstellen. Einmal dienten sie zur Abwehr räuberischer Überfälle. Zur damaligen Zeit war so etwas eine häufige Erscheinung. Aber auch bei Brandgefahr bot sich in dieser steinernen Bauweise wegen, eine Stätte der Isoliertheit und der sicheren Schutzgelegenheit.
Durch die rundbogige Tür betreten wir das Erdgeschoß. Mittels Leitern und Falltüren sind die einzelnen Stockwerke miteinander verbunden. Große, ebenfalls rundbogige Fenster zeigen sich im ersten und dritten Geschoß über der Eingangstür, während die Schießscharten nach allen Seiten sichtbar sind. Die Einrichtung und Ausgestaltung ist zweckmäßig. Hier konnte man getrost dem belagernden Feinde trotzen. Lebensmittel hatte man schon vorher in den „Speckturm“ gebracht, zumal dieser ja auch als Aufbewahrungsort für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Gutes diente.
Steht das Turmhaus der Niederbarkhausener Burg inmitten der Wirtschaftsgebäude, also auf dem Hofplatz, so finden wir die Röhrentruper Bauernburg außerhalb auf einer Insel des Hofteiches liegen. Nur über eine rohgefügte Holzbrücke kann man trockenen Fußes zu der Zufluchtsstätte gelangen. Man wählte stets den sichersten und günstigsten Verteidigungsplatz.
Die Anlage erhebt sich auf einem rechteckigen Fundament von größerem Ausmaß als bei der Barkhausenschen. Festgefügtes Mauerwerk umschließt auch hier die geräumigen Stockwerke, von denen leider das obere vor etlichen Jahren abgebrochen wurde.
Das Gut Röhrentrup liegt nur einige Kilometer von Detmold entfernt an der Straße nach Lemgo. Mit den einfachen Waffen der damaligen Zeit war es schwer, gegen ein solches Bauwerk anzurennen. Wollte der Angreifer nun die schwächste Stelle der Burg, die Eingangstür rammen, so geschah die Verteidigung durch Ausgießen von heißem Wasser oder Teer. Doch auch schwere Steine wurden dabei aus den oberen Öffnungen geworfen. Mit der Vervollkommnung der Feuerwaffen verloren die Burgen ihre Bedeutung. Sie verfielen nach und nach, und nur wenige konnten sich bis in die heutige Zeit retten.
So schützte sich also in früheren Zeiten die Hofgemeinschaft selbst gegen die Gefährdung von Besitz und Leben. Könnten ihre Mauern reden, so würde uns manches von tapferen Taten unserer bäuerlichen Vorfahren verkündet.
[Bild: Bauernburg Niederbarkhausen bei Oerlinghausen]