Alte Kirch- und Leichwege nach Oerlinghausen

Aus der Oerlinghauser Stadtgeschichte, nacherzählt von Werner Höltke

 

Da die Oerlinghauser Kirche über mehrere Jahrhunderte Mittelpunktskirche mit Friedhof war, mussten die Bewohner der Umgebung oft zum Kirchbesuch oder zum Bestatten ihrer Toten weite Wege gehen. Aus verschiedenen Richtungen führten Kirch- und Leichwege zur Oerlinghauser Kirche. Der bedeutendste und meistbenutzte Weg führte die Asemisser und Grester am Gut Niederbarkhausen und am Stönebrinksteich vorbei. Nach dem Durchqueren eines Feldes und dem Anstieg in einen zweispurigen Hohlweg hatten die Kirchgänger die alte Bielefelder Chaussee (heute Rathausstraße) erreicht und die Oerlinghauser Kirche vor Augen.

Der Stönebrinksteich war wohl der älteste Badeteich der Oerlinghauser Jugend. Ein Zeitzeuge berichtete vor vielen Jahren, daß der Teich von Fröschen bevölkert war und man das Quaken weit hören konnte. Erwähnenswert ist sicher auch, daß der Zufluß des Stönebrinksteiches oberhalb der Gräte entspringt. Der Teich war Auffangbecken für die im Mühlengarten von Barkhausen befindliche Wassermühle. Nach Aufgabe dieser Wassermühle baute Barkhausen eine Windmühle zuerst auf dem Tönsberg und um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eine zweite im Bereich der heutigen B 66. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, daß der alte Kirch- und Leichweg der Asemisser heute nicht immer begehbar ist. Regelmäßig im Frühjahr wird er vom Gut Barkhausen umgepflügt. Danach wird er aber immer wieder von Spaziergängern neu eingetreten.

Der Kirch- und Leichweg von Mackenbruch und Umgebung führte geraden Weges mit Steigung zum „Langen Berge“, wo er sich in der Kurve mit dem damaligen Hellweg verband. Dieser Hellweg, die Verlängerung der heutigen Marktstraße, war die älteste Verbindung von Oerlinghausen nach Detmold. In alten Flurkarten führte ein Weg von Mackenbruch durch die Barkhauser Felder an der Festlinde vorbei und verband sich oberhalb von Gut Barkhausen mit dem Asemisser Kirchweg. Ob dieser Weg, der die kürzeste Verbindung nach Oerlinghausen darstellte, als Kirchweg benutzt wurde, ist heute nicht mehr feststellbar.

Der Kirch- und Leichweg von Wistinghausen und Umgebung führte bis zum Bau der Helpuper Kirche über die Wistinghauser Chaussee und Bockstraße (heutige Hermannstraße) zur Oerlinghauser Kirche. Ein uralter Kirch- und Leichweg führte aus der Senne zur Oerlinghauser Kirche. Für die Senner Kirchgänger, die aus den einzelnen Gehöften rund um das heutige Lipperreihe kamen, war der Menkhauser Mühlenweg ein Teil des Kirchweges. Vom Menkhauser Berg ging der Kirchweg an der rechten Seite des später angelegten Schützenplatzes zur Oerlinghauser Kirche. Durch den zur Zeit stattfindenden starken Eingriff in die Natur beim Bau der neuen Umgehungsstraße wird auch ein Stück des alten Kirch- und Mühlenweges verschwinden. Von der Menkhauser Mühle, die von 1532 bis 1855 das Mühlenprivileg besaß, ist erwähnenswert, daß es damals von dort keinen erschlossenen Weg durch das Schopketal gab. Für die Pferdefuhrwerke mit ihrer Korn- oder Mehlladung war der Kirch- und Mühlenweg durch den Menkhauser Berg eine beschwerliche Wegstrecke.

Da der Oerlinghauser Friedhof unter der Kirche zu klein geworden war, wurde er 1860 geschlossen. Im Laufe der letzten Jahrhunderte sollen hier etwa 30.000 Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Die Verstorbenen aus Oerlinghausen und Umgebung wurden nun auf dem neu angelegten Friedhof an der Bielefelder Chaussee (heute Rathausstraße) bestattet. Nach und nach bauten sich die umliegenden Gemeinden rund um Oerlinghausen eigene Kirchen und Friedhöfe, und die oft beschwerlichen Wege nach dem auf dem Berge liegenden Oerlinghausen gehörten der Vergangenheit an.