„Soll“ sucht eine Frau als „Haben“

Südafrika wird zum „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ - Bielefelder erzählt von Vereeniging

 

Heimgekehrt ist nach dreieinhalbjährigem Afrikaaufenthalt der Bielefelder Gerhard Soll in seine elterliche Wohnung Lehmstich 70, um noch in den ersten Monaten des neuen Jahres wieder in seinen weißen Bungalow auf afrikanischem Boden zurückzufliegen. Heimgekehrt ist der 25-jährige Maschinenbauer, um sich eine Frau zu suchen - wie es in der Nachbarschaft raunt. Eine deutsche Frau. Aber Gerhard Soll, der in einem großen Bielefelder Betrieb seine Lehrzeit beendete und dann freiwillig „in die Wüste“ ging, hat noch andere Pläne: bis Ende Januar bleibt er in Bielefeld. Dann reist er in die Schweiz, um in einer Maschinenfabrik am Stadtrand von Schaffhausen die neuen Spezialdrehbänke kennenzulernen, die in seiner neuen Heimat, dem Industrieort Vereeniging, 60 Kilometer südlich von Johannesburg, einem Städtchen von der Größe Bad Salzuflens, im kommenden Jahr eingesetzt werden sollen. So verbindet der junge Maschinenbauer das Angenehme mit dem Nützlichen, den Besuch bei seinen Eltern und Verwandten mit einer kurzen Lehrzeit in der Schweiz.

Dreieinhalb Jahre war Gerhard nicht mehr in Bielefeld. Nun sitzt er uns gegenüber: lebhaft, lustige Augen unter glattgescheiteltem Braunhaar. „Er hat sich gar nicht verändert, mein Gerhard“ lächelt Mutter Soll mit gütigen Augen hinter blitzenden Brillengläsern. „Nur meinen Schnurrbart hab’ ich verloren“ scherzt der Sohn, und Vater Soll kontert: „Deshalb sagen auch die Mädchen in der Nachbarschaft, Gerhard sei ohne Schnurrbart für sie nicht mehr interessant...“

Das mit dem Schnurrbart ist eine Geschichte für sich. Im Busch hatte Gerhard sich ohne Spiegel rasiert, seine „Manneszierde“ bös verunstaltet und war dann von Freunden wegen seines „einseitigen Gesichtsurwaldes“ verspottet worden. Schweren Herzens trennte er sich dann ganz von dem „Gestrüpp“. Und nun finden die Bielefelder Mädchen ihn eben nicht mehr interessant. „Na, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“, meint er mit feiner Selbstironie.

„Aber wie ist das denn nun wirklich mit der deutschen Frau für Afrika?“ wollen die neugierigen Reporterohren wissen. „Wer weiß“, schmunzelt der Bielefelder „Afrikaner“, „vielleicht nehme ich wirklich eine mit...“ Und dann erzählt der junge Maschinenbauer in seiner heiteren Art von dem Leben unter afrikanischer Sonne. „Gehen wir einmal tanzen, dann zahlen wir 20 DM Eintritt für eine Doppelkarte. Nur in Damenbegleitung dürfen wir Männer in die Tanzlokale. Darum ist Tanzen für uns Luxus, denn Frauen sind in Afrika so rar wie Elefanten in Westfalen.“

Ein bißchen ungehalten ist Gerhard über die Art, wie deutsche Zeitungen über das Rassenproblem in Afrika berichten. „Mit mir ist die Mehrzahl aller Europäer dort unten der Auffassung, daß der afrikanische Kaffer zum Zivilisieren noch nicht reif ist. Unsere Kaffern sind faul, unzuverlässig und dreckig. Wenn sie eine Arbeit anständig ausführen sollen, dann müssen wir erst mit ihnen auf Afrikaans - gut deutsch - reden. Oft tragen die Burschen vier, fünf Hemden übereinander. Und trotzdem sieht man an vielen Stellen noch die schwarze Haut...“

„Eine Ausnahme macht meine Sarah“ - Sarah? „Seine Kaffernine“, schmunzelt Mutter Soll, „Sie macht ihm sein Zimmer sauber.“ Sarah, eine 40-jährige Negerschöne, hat - Gerhard versichert es lachend - „einen ganzen Stall von Kindern“. „15 kleine Kaffern in einer Familie sind keine Seltenheit“, plaudert er munter weiter. „Und wenn dann noch viele der Kinder Mädchen sind, wird der Vater reich. Noch verkaufen die Neger ihre Mädchen an die Freier gegen Büffel, Schafe, Gold.“

Aber Gerhard fühlt sich wohl in diesem Land. „Die Chancen und Verdienstmöglichkeiten für Facharbeiter sind enorm. Mindestlöhne von 2,40 DM pro Stunde mit einem wöchentlichen Lebensunterhaltszuschuß von weiteren 60 DM sind an der Tagesordnung. Die Lebenshaltungskosten sind etwa die gleichen wie in Deutschland.“

Der Schmelztiegel Afrika schluckt die Europäer, wie sie kommen. Konfession, Nationalität, Weltanschauung spielen keine Rolle. „Nur die persönliche Leistung entscheidet über den Wert eines Menschen, sonst nichts“, versichert Gerhard Soll plötzlich ernst werdend. Und fügt dann ein wenig bissig hinzu: „Ein vernünftiger Standpunkt, den man auch in Deutschland einführen sollte.“

-hlo-

[Bild: Hausperle Sarah trägt „modische Form“.]

[Bild: Afrikanische Impression: „Schlangenbeschwörer“ Gerhard Soll!]