Arbeitsloser feuerte tödlichen Schuß auf Eckard Brüntrup ab
Das mögliche Motiv: Chronischer Geldmangel
Oerlinghausen. Die Bielefelder Mordkommission brauchte nur 15 Stunden, um den Mörder des 32-jährigen Oberfeuerwehrmanns Eckard Brüntrup zu finden. Der mutmaßliche Täter: Herbert Ringel, ein 19-jähriger Arbeitsloser. Ringel, der - wie berichtet - noch am späten Freitagabend festgenommen wurde, hat inzwischen gestanden, Eckard Brüntrup mit einem Pistolenschuß getötet zu haben. Die näheren Umstände des grausamen Verbrechens freilich vermochte auch die Kripo bislang noch nicht bis ins letzte Detail zu klären. Hauptkommissar Werner Busch von der Bielefelder Mordkommission: „Wir haben das Geständnis. Mehr nicht. Über die Hintergründe hoffen wir in den nächsten Tagen Näheres zu erfahren.“ Herbert Ringel, der Samstagmorgen dem Haftrichter in Detmold vorgeführt wurde, bleibt in Untersuchungshaft.
Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei müssen sich Brüntrup und Ringel mehr oder weniger zufällig am Donnerstag gegen Mitternacht in der Tönsbergstraße, unmittelbar vor Brüntrups Wohnung, getroffen haben. Ringel wurde dort auch noch gegen 23.15 Uhr von seinen eigenen Verwandten gesehen. Über den Tathergang gibt es nur Spekulationen. Zwischen Opfer und Täter muß es ein Rangeln gegeben haben. Dabei muß der kräftige Ringel Brüntrup einen Schlag mit der Waffe versetzt haben. Warum er anschließend sein wehrloses Opfer erschossen hat, ist ungeklärt. Die Kripo: „Darüber macht er keine Angaben.“
Unklar ist auch noch immer, ob Ringel sein Opfer ins Haus schleifte oder ob sich Brüntrup mit letzter Kraft vor seine Wohnungstür schleppte. Eckard Brüntrup wurde - wie berichtet - auf dem Flur im ersten Stock des Hauses gefunden. Ringel muß - entweder vor oder nach der Tat - seinem Opfer die Taschen geleert haben. Weder der Hausschlüssel noch Bargeld, das Brüntrup bei sich hatte, wurden später gefunden.
Ringel ging nach dem Verbrechen in seine Wohnung, wo er auch die Tatwaffe - eine italienische Pistole mit 4,4-mm-Geschoß - versteckte. Die Polizei stieß bei ihren Ermittlungen schon relativ früh auf den 19-jährigen, ohne jedoch sofort in ihm den Täter zu vermuten. Erst unter der Last der Indizien brach Ringel Freitagabend sein Schweigen.
Opfer und Täter kannten einander seit langem. Herbert Ringel hatte bis vor drei Jahren ebenso wie Eckard Brüntrup der Oerlinghauser Feuerwehr angehört. Ringel war Mitglied der Jugendfeuerwehr. Doch auch hier stellte sich der damals 16-jährige selbst ins Abseits. Er verließ die Wehr schon nach kurzem „Gastspiel“, weil er sich in der Gemeinschaft einfach nicht unterordnen konnte. Zuletzt wohnte der 19-jährige, der ursprünglich eine Maurerlehre begonnen hatte, bei seiner Schwester in der Detmolder Straße. Das Verhältnis zu seinem Vater im [Roddergebiet?] soll nicht zum Besten bestellt gewesen sein; doch die Mutter soll dem seit Monaten arbeitslosen Herbert hin und wieder ein paar Mark zugesteckt haben, damit er Geld für Zigaretten hatte.
Im „chronischen Geldmangel“ Herberts wird auch das Motiv vermutet. Eckard Brüntrup hatte erst am letzten Donnerstag ein paar hundert Mark abgehoben. Damit hatte er Lebensmittel eingekauft und Außenstände beglichen. Doch es blieb noch Geld übrig. Und das muß Ringel offenbar gewußt haben. Aus dem Umfeld des Täters wird vermutet: „Der brauchte immer Geld, weil er überall Schulden hatte.“
Die Freiwillige Feuerwehr Oerlinghausen vermutet, daß Ringel auch für eine Einbruchsserie im Feuerwehrgerätehaus in Frage kommt. Dreimal hatte ein Unbekannter - erstmals Mitte Dezember und zuletzt vor 10 Tagen - die „Bierkasse“ der Feuerwehrleute gestohlen. Immer war der Täter über das Dach in das Gerätehaus eingestiegen. Während er beim ersten Mal 200 Mark erbeutete, waren es beim zweiten Einbruch 64 DM und zuletzt nur noch 8 Mark. Die Feuerwehr: „So geschickt konnte nur jemand einbrechen, der das Haus in- und auswendig kannte.“
Für die Polizei war Ringel kein unbeschriebenes Blatt. Einen Pkw, den er auf Kredit gekauft hatte, fuhr er zu Schrott. Als der Wagen wieder repariert war, setzte er sich betrunken ans Steuer und verlor seinen Führerschein.
Das Opfer Eckard Brüntrup wurde in Feuerwehrkreisen hoch geschätzt. Feuerwehrleute gegenüber der NW: „Eckard Brüntrup war ein herzensguter Junge. Der gab das letzte Hemd her, um anderen eine Freude zu machen.“ Diese Gutmütigkeit wurde dem labilen Junggesellen vermutlich zum Verhängnis.
[Bild: Das Opfer: Eckard Brüntrup. Foto: Burkamp]
[Bild: Ein Fußabdruck des Einbrechers, der dreimal das Feuerwehrgerätehaus heimsuchte. Die Feuerwehr vermutet, daß Ringel der Einbrecher war. Foto: Burkamp]
[Bild: Samstagnachmittag 13.15 Uhr: Nach dreistündiger Vernehmung durch den Haftrichter verläßt Herbert Ringel mit Kripobeamten das Amtsgericht in Detmold. Der 19jährige, der vor der Kamera sein Gesicht verdeckte, wurde in Haft genommen. Rechts im Bild der Leiter der Bielefelder Mordkommission, Werner Busch. Foto: Burkamp]
[Bild: Täter: Herbert Ringel Foto: Burkamp]