Von Baumaßnahme gar nicht unterrichtet

Ratsherren beklagten sich

 

Oerlinghausen (Piet). Massive Kritik an der Verwaltung, speziell jedoch am Bauamt, wurde gestern abend in öffentlicher Sitzung des Stadtrates geübt. Kernpunkt der Vorwürfe war eine Baumaßnahme in der Göddernstraße, die durch einen Kanalschacht praktisch unbegehbar geworden ist. Stellvertretender Stadtdirektor Egan Eikelmann stand bei der Beantwortung dieser Frage praktisch auf verlorenem Posten. Bauamtsleiter Potthorst befand sich auf einem Lehrgang, Stadtdirektor Bollhorst zu einem Kuraufenthalt.

Bauausschußvorsitzender Otto Berghammer (SPD) versicherte in Sachen Göddernstraße, daß er diesen Punkt am kommenden Montag in einer Sitzung öffentlich behandeln werde, falls dem nicht entscheidende personelle Gesichtspunkte entgegenstünden. FDP-Ratsmitglied Berthold Eichler mutmaßte gar, daß man nicht öffentlich verhandeln wolle, weil es um Regreßansprüche gehen könnte.

SPD-Ratsherr Klaus Bens, der durch eine entsprechende Anfrage an die Verwaltung den Stein ins Rollen gebracht hatte, war der Ansicht, daß der zuständige Tiefbauingenieur gestern abend vor dem Plenum hätte Rede und Antwort stehen müssen. Bens verärgert: „Kneift Herr Tiemann oder muß man vermuten, daß hier eine Kumpanei zwischen Stadtverwaltung und Ingenieurbüro besteht?“ Egan Eikelmann erklärte dazu: „Die Arbeiten werden von einem Ingenieurbüro ausgeführt. Da können unsere Baufachleute keine Auskunft geben.“ Zu Beginn der Sitzung hatte bereits der Sprecher der Bürgerinitiative Stadtkernsanierung Gerhard Nass der Presse eine Stellungnahme überreicht, in der es hieß: „Dieses Bauwerk, das auf dem Göddernweg entstand, muß jeden mit jähem Zorn erfüllen, der die wochenlangen Grundstücksverhandlungen zwischen Anliegern und Stadt erlebt hat.“ Dr. Hubert Holz (CDU) gab der Bauverwaltung die volle Verantwortung und forderte eine Debatte. Adolf Dembski (CDU): „Wir bemühen uns in der Stadtkernsanierung um jeden Quadratzentimeter Vertrauen des Bürgers, aber hier sind ganze Quadratmeter wieder zerstört worden.“ Auch Bürgermeister Erich Diekhof war nicht glücklich über die jetzige Lösung und meinte, diese Angelegenheit hätte rechtzeitig in den Fachausschuß gehört.

Da der Ausbau der Kanalmaßnahme an der Göddernstraße vorerst gestoppt wurde, darf man auf die Entscheidung des Bau- und Planungsausschusses am kommenden Montag, 18 Uhr, im Bauamt gespannt sein.

Im weiteren Verlauf der Sitzung verabschiedete der Oerlinghauser Stadtrat den Nachtragsetat für 1978. CDU und FDP hatten einen Änderungsvorschlag hinsichtlich der überschüssigen Lernmittel an der Hauptschule eingebracht, der jedoch von der SPD-Mehrheit abgelehnt wurde. Auf die Diskussion kommen wir noch zurück.