Ziegler, Hochwasser und Seilbahn
Aus einem halben Jahrhundert Lämershagener Geschichte
Lämershagen. Wer die Schul- und Gemeindechronik unseres Ortes durchblättert, ist überrascht von der Ausführlichkeit und Sorgfalt, mit der sie geführt worden ist. Manche Erinnerungen tauchen dabei wieder auf aus der Zeit, als die Väter und Großväter noch als „Ziegler“ im Frühjahr in die norddeutschen Länder und bis an die Holländische Grenze zogen, um dort in den Ziegeleien zu arbeiten, von wo sie erst zum Winter wiederkamen.
Das 1856 errichtete Schulgebäude - in den Jahren vorher wurde der Unterricht in verschiedenen Bauernhäusern erteilt - war mit seinem einzigen Klassenzimmer allmählich zu klein geworden, so daß 1890 an der Ostseite ein Anbau vorgenommen werden mußte. Die Technik fand auch den Weg in unsere Gemeinde: 1904 flammten hier die ersten elektrischen Lampen auf; 223 waren es insgesamt, gleichzeitig wurden noch 12 Motoren angeschlossen. Pro Kilowattstunde waren damals allerdings 45 Pfennig zu zahlen (unglaublich, wie „billig“ unsere Zeit heute ist!).
Ein besonderes Sorgenkind bildete für unsere Gemeinde schon seit jeher der Wegebau, für den im Laufe der Jahre bedeutende Summen ausgegeben wurden. Von 1897 bis 1902 entstand in drei Bauabschnitten die Straße über den Teutoburger Wald von Hillegossen bis in die Senne. Es folgte 1906 die erste Verbindung nach Oerlinghausen, der vier Kilometer lange Weg von der Schule Lämershagen nach der Bergstadt. Zu der humorvollen Einweihung fuhren die Lämershagener Gemeindevertreter in einem geschlossenen Wagen mit einem Viergespann nach Oerlinghausen, wo ein gemeinsamer festlicher Umtrunk veranstaltet wurde. Zwei Jahre später zierten 196 frisch angepflanzte Obstbäume die Straße.
Das Jahr 1909 stand erneut im Zeichen des Wegebaus. Ein langgehegter Wunsch der Lämershagener Bevölkerung ging in Erfüllung, als der Weg über den Berg nach Ubbedissen ausgebaut wurde. Für 30.000 Mark erstellte Lämershagen 800 Meter der Strecke, der Rest von zwei Kilometer ging zu Lasten Ubbedissens. Im nächsten Jahr folgte der drei Kilometer lange Gräfinghagener Weg mit einem Kostenaufwand von 300.000 Mark.
Zur feierlichen Gestaltung der Beerdigungen schaffte die Gemeinde 1863 auf Wunsch der Bevölkerung eine Glocke - sie wog über vier Zentner - an und ließ einen Glockenturm bauen. Das Museum der Stadt Bielefeld konnte 1912, als der Kotten Traphöner abgebrannt war, einige geschichtliche Funde bergen.
Eine trübe Erinnerung bildet für viele Lämershagener noch der zwei Stunden andauernde Wolkenbruch, der am 9. Juli 1927 niederging und schwere Verwüstungen anrichtete. „Da gießt unendlicher Regen herab, von den Bergen stürzen die Quellen!“ berichtet die Chronik mit Schillers Worten hierüber einleitend.
Als eine Fehlspekulation erwies sich die 1861 gebaute Seilbahn, die zur Beförderung des im mittleren Höhenzug vom Teutoburger Wald gewonnenen Muschelkalks an der Schule vorbei und über den nördlichen Höhenzug des Teutoburger Waldes bis zum Ubbedisser Bahnhof führte. Der Muschelkalk war nicht ausgiebig genug, so daß die Seilbahn, ohne in Aktion zu treten, wieder abgebaut werden mußte. Das ganze hatte viel Geld gekostet und den Besitzer an den Rand des Ruins gebracht.