370 m langer Stollen durch den Berg
Bauten an der Rückführungsleitung in vollem Gange - Als Notstandsarbeiten durchgeführt
Asemissen. Nachdem die Leitung für die geplante Abwasserrückführung der Stadt Bielefeld aus den Rieselfeldern bei Heepen kommend jenseits des Teutoburger Waldes von Oerlinghausen bis ins Bärenbachtal bereits verlegt ist, hat man vor einigen Tagen auch diesseits des Berges damit begonnen. Das beweisen die intensiven Erdarbeiten mit den zu Bergen aufgetürmten Lehmmassen, die sich von der Gemeindegrenze Ubbedissen quer durch den Ort am Scherenkrug vorbei in Richtung Schopketal ziehen.
Eine Länge von 12 km umfaßt die diesseitige Strecke, von denen die Göttinger Rohrleitungsfirma Geiger 6 km, zwei kleinere Firmen je 3 km übernommen haben. Verschiedene natürliche Hindernisse wie Wassergräben, Wege oder die Detmolder Straße sind zu überwinden, das schwierigste ist der von der Nordseite des Teutoburger Waldes bis ins Schopketal geplante Stollen. In einer Länge von 370 Meter ist er vorgesehen und wird einen Höhenunterschied von 350 Meter überwinden. Der andernfalls erforderliche vermehrte Einsatz von Pumpen überwiegt mit seinen Kosten die Ausgaben für den Bau dieses Stollens.
Eine Erdarbeiter- und Rohrlagerkolonne sind eingesetzt. Der 85 PS starke Greifbagger frißt sich mehr und mehr in Richtung Oerlinghausen. 1,84 Meter tief holt er die Erde bei einer durchschnittlichen Breite von 2 Meter heraus. Hier macht der lehmige Boden Schwierigkeiten und läßt lediglich eine Tagesleistung von 80 bis 100 Meter zu, wogegen es in der Senne, wo die Firma vordem arbeitete, rund 175 Meter am Tage waren. Eine Erdbewegung von vier Kubikmeter pro Meter ist erforderlich, was einer Tagesleistung von 300-400 Kubikmeter entspricht; der Sennesandboden erlaubte - vergleichsweise - durchschnittlich 700 Kubikmeter.
Ein im unteren Ortsteil vorgefundener Senkboden ist sehr weich und macht besondere Kopfzerbrechen. Hier ist die Verlegung der Rohre nur durch Einlegen einer 50-60 cm starken Kiessohle möglich. Eiserne Muffenrohre aus Schleuderguß werden verlegt, die einen Durchmesser von 600 mm und ein Gewicht von 1,5 Tonnen haben. Bevor die Gräben mit dem Bagger wieder zugeschüttet werden, prüft das Rohrlegerkommando ihre Dichtigkeit. Einem Druck von 15 atü hält die Preßprobe und wird damit einer Prüfung vollauf gerecht, denn der Druck wird später in diesen Röhren nicht mehr als 6 atü betragen.
Als Notstandsarbeit ist die Verlegung der Leitungen für die Abwasserrückführung ausgegeben. Das bedeutet, daß nur 20 Proz. der Arbeitskräfte Stammarbeiter sind und 80 Proz. Arbeitslose sein müssen. Wie wir von dem Bauführer erfahren, sind Arbeiter aus den verschiedensten deutschen Ländern hier eingesetzt: Kaufleute, Friseure, Bäcker und andere Berufe trifft man an, mit denen zuweilen recht gute Erfahrungen gemacht wurden.