Jetzt soll das alte Pfarrhaus doch noch der Spitzhacke zum Opfer fallen
Denkmalsamt soll Zuschüsse zurückgezogen haben / Kompletter Bau an gleicher Stelle
Oerlinghausen. Jetzt soll das alte Pfarrhaus neben der evangelischen Kirche im Herzen Oerlinghausens doch der Spitzhacke zum Opfer fallen. Sicheren Informationen zufolge hat sich die evangelische Kirchengemeinde zum Abbruch des 150 Jahre alten Gebäudes entschlossen. Möglicherweise wird das Pfarrhaus sogar noch in diesem Jahr abgebrochen werden. Hans-Ludwig Leyhe von der evangelischen Kirchengemeinde, der der NEUEN WESTFÄLISCHEN die Abbruchabsicht bestätigte, erklärte, der Termin stehe noch nicht fest. Sicher ist, daß an gleicher Stelle ein ähnlich kompakter Bau entstehen wird, so daß das Gesamtbild rund um die Kirche in etwa erhalten bleibt.
Der Abbruch des Pfarrhauses hatte schon zu Zeiten des alten Rates die Gemüter erhitzt. Der frühere Bürgermeister und jetzige stellvertretende Landesverbandsvorsteher, Konrad Dreckshage, hatte sich für den Erhalt des Pfarrhauses stark gemacht. Der Ex-Bürgermeister fand dabei ein nachhaltiges Echo bei der Regierung in Detmold und dem Amt für Denkmalspflege. Auch die örtlichen kulturtreibenden Vereine unterstützten ihn. Schließlich wurde sogar eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der über 900 Bürger für den Erhalt des alten Pfarrhauses plädierten.
Für viele Oerlinghauser war dieses Haus ein Kleinod, für die Kirchengemeinde allerdings ein Ballast, denn: Die Renovierung des Hauses hätte viele hunderttausend Mark erfordert. Deshalb hatte sich damals auch die Kirchengemeinde entschlossen, das Gebäude der Stadt zu schenken. Allerdings mit der Auflage, daß die Stadt für die künftige Unterhaltung sorgt. Der Stadtrat hatte diese „Schenkung“ jedoch auf Grund der finanziellen Notlage zurückgewiesen. Trotzdem waren auch viele Ratsherren der Ansicht, den Bau zu erhalten.
Sie und zahlreiche Bürger fanden die Bemühungen bestätigt, als es vor einigen Monaten plötzlich hieß, Denkmalspflegeamt und Regierung hätten erhebliche Mittel bereitgestellt, um den 150 Jahre alten Bau zu erhalten. Diese Mittel sollen jetzt angeblich zurückgezogen worden sein. Die evangelische Kirchengemeinde muß jetzt zum dritten Male planen. Hans-Ludwig Leyhe: „Beim ersten Male war ein kleines Pfarrhaus vorgesehen, als dann die Zuschüsse zugesagt wurden, haben wir Pläne für die Restaurierung eingereicht. Und jetzt muß Architekt Krügerke zum dritten Male planen. Das Ganze hat uns eine Menge Geld gekostet.“
Piet
[Bild: Die Vorderfront des Gebäudes, das seit langem schon nicht mehr bewohnt ist. Foto: Burkamp]
[Bild: Das alte Pfarrhaus unterhalb der evangelischen Kirche: Für die einen ein Kleinod, für andere Ballast... nur ein alter Kasten. Foto: Burkamp]