1967 entläßt das neusprachliche Gymnasium Oerlinghausen die ersten Abiturienten

Aus der 100-jährigen Rektorschule wird jetzt eine Vollanstalt

 

Oerlinghausen. Der Rat der Bergstadt hat in seiner letzten Sitzung - wie bereits berichtet - eine wichtige Entscheidung gefällt: Das Städtische Progymnasium wird ab April 1964 zu einer Vollanstalt ausgeweitet. Damit geht ein langgehegter Wunsch der Oerlinghauser Bevölkerung in Erfüllung. Aus der 100-jährigen Rektorschule, die nach dem zweiten Weltkrieg zu einem Progymnasium umgewandelt wurde, wird jetzt eine neusprachliche Vollanstalt.

Eingehend beschäftigten sich Schul- und Hauptausschuss in ihren letzten Sitzungen mit dem Ausbau des Städtischen Gymnasiums zur Vollanstalt, nachdem der Rat im Juli einen Grundsatzbeschluß in dieser Richtung gefasst hatte. Mitte November besichtigten Vertreter der Bezirksregierung das Gymnasium und kamen zu dem Entschluß, daß der Vorschlag des Rates dem Kultusministerium befürwortend unterbreitet werden müßte. Die Vertreter der Bezirksregierung waren der Ansicht, daß das alte Gebäude allerdings bei einer Aufstockung des Erfordernisses nicht mehr Rechnung tragen könne. Vorgeschlagen wurde ein Neubau mit Turnhalle und Aula und spielt damit auf den Neubau des Gymnasiums an. Soll warnte davor, den Schuletat in den nächsten Jahren rapide emporschnellen zu lassen. Ratsmitglied Düsser (SPD) teilte die Auffassung seines Vorredners und sagte: „Die Entscheidung geht über unsere Finanzkraft!“

Ratsmitglied Schildmann nannte in der anschließenden Diskussion den Entschluß des Rates eine „Entscheidung von hohem kulturpolitischem Rang für die Bergstadt“. Nicht ohne Genugtuung könne der Rat von sich behaupten, etwas für die schulischen Belange getan zu haben, sagte Schildmann.

„Wir haben im Rat, wenn es um diesen Punkt geht, zweimal Verpflichtungen, einmal den Schülern und Lehrern, zum andern der Bürgerschaft gegenüber“, sagte SPD-Ratsmitglied Soll, der betonte, daß er kein Gegner der Vollanstalt sei, dennoch die Entscheidung aus rein finanziellen Erwägungen ablehnen müsse. „Wer A sagt, muß auch B sagen“, erklärte der Ratsherr, es war dem Bürgermeister angesichts dieser Gegenstimmen aus seiner eigenen Fraktion eine Genugtuung, feststellen zu können, daß in der SPD kein Fraktionszwang herrsche. Tatsächlich ist dieser Beschluß in den letzten Jahren der einzige, bei dem SPD-Ratsherren gegen ihre eigene Fraktion stimmten.

Die drei Abgeordneten der CDU und Ratsmitglied Dreckshage (FDP), deren Meinung man gern über das Projekt gehört hätte, hatten die Sitzung aus Protest verlassen. Bekanntlich war es zwischen Ratsmitglied Dreckshage und der SPD zu Auseinandersetzungen gekommen, auf Grund derer der FDP-Sprecher die Sitzung verließ. Piel

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