Städtisches Gymnasium im Jahre 1981/82 mit fast 1.400 Schülern
Zahl der Schüler aus dem Umland muß weiter reduziert werden
Oerlinghausen. Als 1975 das Städtische Gymnasium seinen Neubau bezog, hatte es 870 Schüler. Diese Zahl ist inzwischen auf 1.300 angewachsen. 1981/82 erwartet Oberstudiendirektor Günther Winter die höchste Schülerzahl, nämlich rund 1.350 bis 1.400, die in 52 Klassen unterrichtet werden. Das Gymnasium war seit seiner Gründung im Jahre 1857 bis 1949 Rektorschule mit 4 Klassen und von 1949 bis 1964 Progymnasium mit 6 Klassen.
Im nachfolgenden Bericht zieht Oberstudiendirektor Günther Winter eine Bilanz der letzten fünf Jahre. Der Schulleiter weist dabei gleichzeitig auf die Notwendigkeit eines Fördervereins hin, der jüngst gegründet wurde, dem man allerdings noch einige hundert Mitglieder mehr wünschen möchte. Günther Winter schreibt: Durch restriktive Maßnahmen, die bei den Betroffenen verständlicherweise viel Ärger hervorriefen, wurde ein noch größeres Wachstum der Schule verhindert. Die Stadt Oerlinghausen beschloß 1973, keine Schüler mehr aus dem Raum Bielefeld aufzunehmen. Damit wurden Kinder aus Lämershagen, Ubbedissen, Dingerdisser Heide und Hillegossen abgewiesen, auch wenn Geschwister schon die Schule besuchten. 1979 folgte der Beschluß, nur noch Kinder aus Schloß Holte-Stukenbrock und nicht mehr aus Schloß Holte II in die Klasse 5 aufzunehmen. Bei Schloß Holte wurden nur bei Geschwistern Ausnahmen gemacht und dann, wenn die Wohnung so liegt, daß der Oerlinghauser Schulbus günstiger zu erreichen ist als der Schulbus nach Verl und Sennestadt. In die 11. Jahrgangsstufe werden nur Hauptschüler aus Schloß Holte-Stukenbrock aufgenommen. Realschüler und Gymnasiasten anderer Schulen werden aus diesem Bereich abgewiesen. Damit ist der Einzugsbereich des Gymnasiums Oerlinghausen mit Ausnahme der oben geschilderten Sonderfälle auf Oerlinghausen und die alten Teilgemeinden Asemissen, Bechterdissen und Greste beschränkt.
Heute werden 1.300 Schüler in 48 Klassen von 80 Lehrern unterrichtet. Die Raumnot ist groß, auch wenn durch den Anbau, der im Jahre 1979 fertiggestellt wurde, weitere acht Klassen untergebracht werden konnten. Die Ausstattung der Schule mit Lehr- und Lernmitteln ist als zufriedenstellend zu bezeichnen. Dafür gebührt der Stadt Oerlinghausen Dank. Anzumerken ist jedoch, daß im Etat der Stadt Oerlinghausen kein Betrag für eine Abschreibung der vorhandenen Lehr- und Lernmittel ausgewiesen ist. Die Stadt hat im Jahr 1977 je Schüler Kopfbeträge festgesetzt: 45 DM je Schüler der Klassen 5 bis 10, 70 DM je Schüler der Klassen 11 bis 13. Davon müssen Reparaturen, Kreide, Schwämme, Papier und alle anderen Lehr- und Lernmittel, mit Ausnahme der Schulbücher, bezahlt werden. Daß nach fünfjähriger Nutzung des Neubaus die Kosten für Reparaturen steigen, dürfte einleuchtend sein. Daher erklärt sich, daß der Schule von Jahr zu Jahr bei gleichbleibenden Pro-Kopf-Beträgen und bei steigenden Preisen der Lehr- und Lernmittel immer weniger Geld für diese Zwecke zur Verfügung steht.
In jeder Woche werden zur Zeit 1600 Unterrichtsstunden - das sind im Jahr ca. 60.000 Unterrichtsstunden - erteilt. Der Schule sind jeweils 15 bis 20 Referendare zugewiesen, die von den Lehrern in Zusammenarbeit mit dem Studienseminar in Detmold - heute Gesamtseminar - ausgebildet werden.
Neben dem Pflichtunterricht laufen an Nachmittagen zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, die teils von Lehrern, teils von Oberstufenschülern geleitet werden. Hier wird wertvolle Jugendarbeit geleistet. Zu nennen sind die Schüler-Fluggemeinschaft, die ihr zweites eigenes Segelflugzeug baut, die Computer- und Elektronik-AG, verschiedene Sportgruppen, die Schach-AG, die Musikarbeit, in der wieder ein Flötenkreis und ein Orchester aufgebaut wird, verschiedene Kunst-AG und verschiedene Arbeitsgemeinschaften in wissenschaftlichen Fächern. Das Betriebsklima der Schule ist trotz der Größe gut, das drückt sich nicht zuletzt in folgenden Zahlen aus: Laut amtlicher Statistik sind im Schuljahr 1979/80 wegen Krankheit der Lehrer, Mutterschutz, Lehrerfortbildungsveranstaltungen und Sonstiges nur ca. 3 Prozent des Unterrichts ausgefallen.
Die Stadt wird in Zukunft nur ihren notwendigen Verpflichtungen der Schule gegenüber nachkommen können. Das sind z. B. für die Schülerbeförderung aller Schulen im Jahr 1980 550.000 DM, für die Schulbücher des Gymnasiums 1980 100.000 DM. Wir sind daher dankbar, wenn durch den Förderverein des Städtischen Gymnasiums Oerlinghausen in Zukunft Wünsche realisiert werden können, die im Interesse der Schüler liegen, zu deren Anschaffung die Stadt jedoch nicht verpflichtet ist. Ich bin davon überzeugt, daß mit klug gezielt eingesetzten Mitteln des Elternfördervereins in Arbeitsgemeinschaften weitere Schulaktivitäten freigesetzt werden und somit gute Jugendarbeit geleistet wird.