Altes Pfarrhaus wird für rund 750.000 DM gründlich renoviert

Vor zwei Jahren sollte der 150 Jahre alte Bau noch abgebrochen werden

 

Oerlinghausen (Piet). Das alte Oerlinghauser Pfarrhaus aus dem Jahre 18231823 soll noch Ende dieses Jahres in neuem Glanz erstrahlen. Die Oerlinghauser werden davon allerdings nicht allzuviel sehen, denn der größte Teil der Arbeiten beschränkt sich auf das Innere des alten Gebäudes. Eine Baufirma ist zur Zeit dabei, umfangreiche Renovierungen durchzuführen. Nur einige wenige Wände müssen gestützt werden, im Keller hingegen wurden „Berge“ von Erde abgetragen. Erstaunlich ist allerdings die Tatsache, daß die meisten Außenwände des alten Pfarrhauses, die vor über 150 Jahren noch aus Eichenholz und Lehm gebaut wurden, gut erhalten sind. Ein Maurer: „An einigen Wänden sind keinerlei Verschleißspuren festzustellen.“

Etwa ein Viertel des Baues, der Teil zur Kirche hin, muß allerdings abgerissen werden. An gleicher Stelle entsteht ein zweigeschossiger Anbau als separate Wohnung. Im alten Pfarrhaus sollen später Wohnungen für Pfarrer und Küster untergebracht werden.

Die Gesamtbaukosten werden auf rund 750.000 Mark beziffert. Allein 450.000 Mark gibt es aus Konjunkturförderungsmitteln des Landes Nordrhein-Westfalen.

Noch vor zwei Jahren hatte die evangelische Kirchengemeinde den festen Entschluß gefasst, das alte Pfarrhaus abzureißen und durch einen Flachgeschossbau zu ersetzen. Der Grund: Die jährlichen Renovierungskosten waren einfach nicht mehr tragbar. Die Kirche hatte das Haus - unter der Voraussetzung, daß es wieder instand gesetzt wird - sogar der Stadt zum Geschenk angeboten. Doch den meisten Ratsherren war der Bau zu „teuer“. Als nach einer Veröffentlichung der NEUEN WESTFÄLISCHEN im Januar 1974 Abbruchpläne der Kirchengemeinde bekanntgeworden waren, ging eine Welle der Entrüstung durch die Bevölkerung. Doch nicht nur die alteingesessenen Oerlinghauser liefen mit einer Unterschriftenaktion gegen diese Entscheidung Sturm. Auch die Bezirksregierung in Detmold, der Landeskonservator, der Landesverband und andere Institutionen meldeten sich zu Wort. Alle waren für die Erhaltung dieses historisch zwar nicht unbedingt bedeutenden, jedoch wegen seiner Fachwerkbauweise und seiner Lage innerhalb des Stadtbildes wichtigen Bauwerkes. Regierungspräsident Ernst Graumann in Detmold schrieb kurz nach der NW-Veröffentlichung an die Stadt: „Das Pfarrhaus, ein hervorragend proportionierter Fachwerkbau aus dem frühen 19. Jahrhundert, steht unmittelbar neben dem Baudenkmal Kirche, die zu den bedeutendsten Sakralbauten in Lippe gehört. Es bildet mit der Kirche ein städtebauliches Ensemble, auf dessen Erhaltung größter Wert zu legen ist.“

Einer der größten Fürsprecher war auch der damalige Bürgermeister und jetzige stellvertretende Landesverbandsvorsteher Konrad Dreckshage, der immer wieder in Ratssitzungen für die Erhaltung des Hauses plädierte. Seinem Bemühen ist es in erster Linie zu danken, daß das alte Pfarrhaus heute noch an seinem Platz steht und daß so enorme Zuschüsse für seine Erhaltung bereitgestellt wurden.

[Bild: Das alte Pfarrhaus von außen. Diese Front wird weitgehend erhalten bleiben.]

[Bild: Burkamp Rechts: Im Innern des Hauses wird eifrig gearbeitet. Foto: Burkamp]