Das Schmuggelwesen an der Lippe-Preußen-Grenze
Illegale Wirtschaft, Staatsmacht und die Transformation einer Grenzregion (1765-1842)
Einleitung: Die
Grenzregion als Schauplatz illegaler Wirtschaft
Die Grenze zwischen dem
Fürstentum Lippe und der preußischen Grafschaft Ravensberg
war nicht nur eine politische Linie, sondern auch eine wirtschaftliche Grenze -
eine Grenze, an der Preisunterschiede und Zollgebühren ein System der illegalen
Warenbewegung schufen. Das Schmuggelwesen an dieser Grenze war nicht nur eine
Frage der Kriminalität, sondern auch eine Frage der Wirtschaft, der Geographie
und der Staatsmacht. Die Geschichte des Schmuggelwesens ist die Geschichte
einer Grenzregion, in der legale und illegale Wirtschaft nebeneinander
existierten, in der Beamte selbst Schmuggler waren, und in der die Staatsmacht
versuchte, ein System zu kontrollieren, das letztendlich nur durch die
Aufhebung der Zollgrenzen gelöst werden konnte.
Die Schopke als
Staatsgrenze
Der Schopkebach bildete die
Grenze zwischen dem Fürstentum Lippe und der preußischen Grafschaft Ravensberg. Diese Grenzziehung war nicht rational - sie war
das Ergebnis von historischen Verträgen und Verhandlungen zwischen den
verschiedenen Territorien. Die Grenzziehung führte zu mehreren Kuriositäten,
die zeigen, wie willkürlich die Grenzen waren.
In Bechterdissen
teilte der Sussieksbach das Dorf - ein Teil war in
Lippe, der andere Teil in Preußen. Die Bewohner des Dorfes lebten also in zwei
verschiedenen Staaten, mit zwei verschiedenen Rechtssystemen, zwei
verschiedenen Steuersystemen und zwei verschiedenen Behörden.
In Nienhagen verlief
die Grenze mitten durch den Hof Eickmeyer. Die
Familie Eickmeyer lebte in zwei verschiedenen Staaten
- ein Teil des Hofes war in Lippe, der andere Teil in Preußen. Dies bedeutete,
dass die Familie zwei verschiedenen Behörden unterstand und zwei verschiedene
Steuern zahlen musste.
Beim Stukenknotten
(Hof Detering) lagen die Wohnstuben in Lippe, der Rest des Hauses in Preußen.
Dies bedeutete, dass die Familie in Lippe schlief, aber den Rest des Hauses in
Preußen nutzte.
Diese Kuriositäten zeigen,
dass die Grenzziehung nicht nur eine geografische Linie war, sondern auch eine
soziale und wirtschaftliche Realität, die das Leben der Menschen prägte. Die
Grenzziehung war absurd, aber sie war auch real - sie schuf Probleme und
Möglichkeiten für die Menschen, die an der Grenze lebten.
Die Zollstellen und die
Behördenkontrolle
An Schlagbäumen wurden Zölle
für Waren wie Leinen, Lebensmittel und sogar für „einen Bären" (von
Gauklern) erhoben. Diese Zollstellen waren Orte, an denen die Staatsmacht
sichtbar wurde - an denen Beamte Waren kontrollierten und Gebühren erhoben. Die
Zollstellen waren auch Orte, an denen die Korruption sichtbar wurde - an denen
Beamte bestochen wurden, um Waren durchzulassen.
Die Zollstellen waren
strategisch an der Grenze gelegen. Der Bartholdskrug
war eine lippische Zollstelle - der Wirt war ein Zollverwalter. Dies bedeutete,
dass der Wirt offiziell für die Zollkontrolle zuständig war, aber auch
Schmuggler war. Dies zeigt die Korruption des Systems - der Zollverwalter war
selbst ein Schmuggler.
Die Zollstellen waren also
nicht nur Orte der Behördenkontrolle, sondern auch Orte der Korruption und der
illegalen Aktivitäten.
Das Kaffeeverbot - Die
Verordnung des Grafen Simon August
1765 erließ Graf Simon August
eine Verordnung, die den Bewohnern von Landgemeinden wie Oerlinghausen das
Kaffeetrinken verbot. Dies war eine der absurdesten Verordnungen der
Fürstentümer Deutschlands - eine Verordnung, die das tägliche Leben der
Menschen regulieren sollte.
Die Gründe für das
Kaffeeverbot waren wirtschaftlich und politisch. Erstens wollte der Graf die
Arbeitskraft der Bevölkerung erhalten - Kaffee wurde als ein „Luxusgut"
angesehen, das die Menschen faul machte. Der Graf glaubte, dass Kaffee die
Produktivität der Arbeiter senkte und daher verboten werden sollte. Zweitens
wollte der Graf den Devisenabfluss verhindern - Kaffee musste mit Geld bezahlt
werden, das die Region verließ. Der Graf wollte das Geld in der Region halten
und nicht für den Import von Luxusgütern ausgeben.
Diese Gründe zeigen die
merkantilistischen Ideen des 18. Jahrhunderts - die Idee, dass der Staat die
Wirtschaft kontrollieren sollte, um nationale Wohlfahrt zu maximieren. Das
Kaffeeverbot war ein Beispiel für diese Ideen - der Staat versuchte, den Konsum
zu regulieren, um die Wirtschaft zu kontrollieren.
Die Strafen und das Denunziantensystem
Die Strafen für das
Kaffeetrinken waren erheblich:
Diese Strafen waren hoch -
für einen armen Arbeiter war eine Strafe von 5 Goldgulden eine Menge Geld, die
mehrere Wochen Lohn entsprach.
Um die Durchsetzung des
Verbots zu erleichtern, wurde ein Denunziantensystem
eingeführt. Wer Kaffeekonsum „erschnüffelte", erhielt ein Drittel der
Strafe. Dies bedeutete, dass jeder Bürger ein potenzieller Denunziant war -
jeder konnte Geld verdienen, indem er seine Nachbarn anprangerte.
Dieses Denunziantensystem
führte zu absurden Situationen und sozialer Spaltung. Ein Beispiel ist der Fall
des Grobschmieds Hellkamp, der für zwei Tage ins
Oerlinghauser Gefängnis musste, weil er die Geldstrafe nicht zahlen konnte. Hellkamp war ein armer Arbeiter, der sich Kaffee nicht
leisten konnte - aber er wurde trotzdem bestraft, weil er Kaffee trank.
Das Denunziantensystem
zeigt die Absurdität von Prohibitionspolitik - je mehr man etwas verbietet,
desto begehrter wird es, und desto profitabler wird der illegale Handel. Das
Kaffeeverbot schuf also nicht nur eine Prohibition, sondern auch ein System der
Denunziation und sozialen Kontrolle.
Die Aufhebung des Verbots
und die Folgen
Das Kaffeeverbot wurde 1800
durch Fürstin Pauline aufgehoben. Dies zeigt, dass die Prohibitionspolitik
nicht nachhaltig war - die Fürstin erkannte, dass das Verbot nicht
funktionierte und dass es besser war, den Kaffeekonsum zu tolerieren.
Die Aufhebung des Verbots
hatte mehrere Folgen. Erstens verschwand der Anreiz für Schmuggelei - Kaffee
konnte jetzt legal konsumiert werden, ohne dass man es schmuggeln musste.
Zweitens verschwand das Denunziantensystem - es gab
keinen Grund mehr, Nachbarn anzuprangern. Drittens verschwand die soziale
Spaltung - die Menschen konnten wieder Kaffee trinken, ohne Angst vor
Bestrafung zu haben.
Das Kaffeeverbot und seine
Aufhebung zeigen die Grenzen der Staatsmacht - der Staat kann nicht alles
kontrollieren, und wenn er versucht, alles zu kontrollieren, schafft er
Probleme statt Lösungen.
Die Waren des Schmuggels
Die Waren, die an der
Lippe-Preußen-Grenze geschmuggelt wurden, waren hochwertig und wertvoll. Die
primären Waren waren:
Leinen: Leinen war ein wertvolles Textil, das in der Region
produziert wurde. Die Produktion von Leinen war eine wichtige Industrie in
Lippe, und die Leinenproduzenten wollten ihre Produkte in Preußen verkaufen, wo
die Nachfrage hoch war. Allerdings erhoben die preußischen Behörden hohe Zölle
auf Leinen, um die lokale Produktion zu schützen. Dies machte den Schmuggel von
Leinen profitabel.
Kolonialwaren: Dies waren exotische Waren wie Kaffee, Tee, Zucker
und Gewürze, die über den Weserhafen Erder verschifft wurden. Diese Waren waren in Preußen teuer, weil die Zölle hoch waren.
Schmuggler konnten diese Waren billiger nach Preußen bringen als legale
Importeure.
Alkohol: Schnaps und Bier wurden in Lippe billiger produziert
als in Preußen. Dies machte den Schmuggel von Alkohol profitabel.
Kaffee: Nach dem Kaffeeverbot in Lippe (1765) wurde Kaffee zu
einer begehrten Ware. Die Lippische Bevölkerung wollte Kaffee trinken, aber der
Kaffee war verboten. Dies machte Kaffee zu einer wertvollen Schmuggelware.
Diese Waren waren so wertvoll, dass die Schmuggler bereit waren,
erhebliche Risiken einzugehen, um sie zu transportieren. Die Zollgebühren waren
so hoch, dass selbst nach Bestechung von Grenzbeamten und Bezahlung von
Schmugglern noch beträchtliche Gewinne übrig blieben.
Die Struktur des
Schmuggler-Netzwerks
Das Schmuggler-Netzwerk war
nicht eine Ansammlung von isolierten Kriminellen, sondern eine organisierte
Struktur mit Führern, Organisatoren und Fußsoldaten. Die Struktur war
hierarchisch - es gab Bosse, die das Netzwerk leiteten, Organisatoren, die die
Schmuggelrouten planten, und Fußsoldaten, die die tatsächliche Arbeit
verrichteten.
Die Jungen Lastträger waren
die Fußsoldaten des Schmuggler-Netzwerks. Sie waren oft arme Bauern aus der
Senne, die die Fracht bei Nacht und Nebel durch das Schopketal transportierten.
Diese Arbeit war gefährlich - sie konnten von preußischen Grenzsoldaten
erschossen werden. Aber die Bezahlung war gut - für einen armen Bauern war die
Bezahlung für eine Schmuggelfahrt ein beträchtliches Einkommen.
Die Kaufleute und
Organisatoren waren die Bosse des Schmuggler-Netzwerks. Sie planten die
Schmuggelrouten, organisierten die Transporte und verhandelten mit den
Bestechten Beamten. Die prominentesten Kaufleute waren Krone und Schwarz,
die ein großangelegtes Schmuggelgeschäft mit Kaffeebohnen betrieben.
Die Gastwirte waren
die Vermittler des Schmuggler-Netzwerks. Sie betrieben die Krüge, die als
Umschlagplätze für Schmuggelware dienten. Der prominenteste Gastwirt war Barthold
Grote, der den Bartholdskrug betrieb und
gleichzeitig als Zollverwalter tätig war.
Die Bestechten Beamten
waren die Schützer des Schmuggler-Netzwerks. Sie waren Zollbeamte und
Grenzsoldaten, die für Geld die Schmuggelei tolerierten oder aktiv
unterstützten. Diese Beamten waren essentiell für das Schmuggler-Netzwerk -
ohne ihre Unterstützung wäre das Schmuggelwesen nicht möglich gewesen.
Krome: Der „Schmugglerkönig"
Krome war ein Kaufmann aus der Oerlinghauser Pfarrstraße,
der ein großangelegtes Schmuggelgeschäft mit Kaffeebohnen betrieb. Krome war der prominenteste und erfolgreichste Schmuggler
der Region - der „Schmugglerkönig".
Krome kooperierte mit dem Kaufmann Schwarz aus Brackwede,
um ein Netzwerk aufzubauen, das Kaffeebohnen vom Weserhafen Erder nach Preußen
(Bielefeld) transportierte. Dieses Netzwerk war gut organisiert - es hatte
etablierte Routen, etablierte Kontakte und etablierte Methoden.
Kromes Reichtum war beeindruckend. Er besaß zeitweise
mehrere Reitpferde, eine Kutsche und ein stattliches Haus. Dies zeigte, dass
das Schmuggelgeschäft sehr profitabel war. Ein Kaufmann, der Kaffeebohnen
schmuggelte, konnte wohlhabend werden - wohlhabender als ein legaler Kaufmann,
der Waren legal importierte.
Allerdings war Kromes Reichtum nicht von Dauer. Mit dem Beitritt Lippes zum Deutschen Zollverein 1842 fielen die
Preisunterschiede zwischen Lippe und Preußen weg. Die Zollgrenzen wurden
aufgehoben, und das Schmuggelgeschäft wurde unrentabel. Es gab keinen Grund
mehr, Waren illegal zu transportieren, wenn sie legal transportiert werden
konnten.
Krome verarmte. Er verfiel dem Alkohol und starb 1876
mittellos auf einem Strohlager im Rollkrug in Ubbedissen. Dies war ein tragisches
Ende für den „Schmugglerkönig" - von Reichtum zu Armut, von Erfolg zu
Niedergang.
Aber die Geschichte von Krome endet nicht mit seinem Tod. Jahrzehnte später, bei
Umbauten in seinem ehemaligen Haus, fand man noch versteckte Kaffeebohnen in
den Zwischendecken. Diese Kaffeebohnen waren ein Symbol für Kromes
früheren Reichtum und seinen Niedergang - ein Symbol für die Vergänglichkeit
des Schmuggelgeschäfts.
Barthold Grote: Der
Zollverwalter und Schmuggler
Barthold Grote war ein
Gastwirt und Zollverwalter, der 1713 den Bartholdskrug
erbaute und 1721 die volle Krugberechtigung erhielt.
Der Bartholdskrug war gleichzeitig eine lippische
Zollstelle - das alte Zollbrett von 1770 befindet sich heute im Landesmuseum.
Grote war also offiziell ein
Beamter, der für die Zollkontrolle zuständig war. Allerdings war Grote auch
tief in Schmuggelaktivitäten verwickelt - der Krug war ein zentraler
Umschlagplatz für Schmuggelware. Dies zeigt die Korruption des Systems - der
Zollverwalter war selbst ein Schmuggler.
Grote nutzte seine Position,
um die Schmuggelaktivitäten zu schützen und zu organisieren. Als Zollverwalter
hatte er Zugang zu Informationen über Zollkontrollen und Behördenbewegungen.
Diese Informationen waren wertvoll für das Schmuggler-Netzwerk, da sie es ihnen
ermöglichten, ihre Aktivitäten zu koordinieren und Behördenbewegungen zu
vermeiden.
1825 versuchten die
preußischen Behörden, Grote zu verhaften. Sie entwickelten einen Plan, ihn in
eine Falle zu locken. Sie überredeten Grote, die Grenze bei Schopke zu
überschreiten, auf preußisches Gebiet. Dort wurde er verhaftet und nach Soest
gebracht. Ihm drohten 18.000 Reichstaler Strafe wegen Schleichhandels - eine
enorme Summe, die Grote niemals zahlen konnte.
Allerdings gelang Grote eine
kühne Flucht. Er entkam aus dem Gefängnis und kehrte nach Lippe zurück. Diese
Geschichte zeigt, dass Grote eine bedeutende Figur war, die die Aufmerksamkeit
der preußischen Behörden auf sich zog. Grote war also nicht nur ein Gastwirt,
sondern ein Organisator des Schmuggelwesens.
Das Schopketal als
Schmuggelroute
Das Schopketal war die
primäre Schmuggelroute. Der Schopkebach bildete die Grenze, und das Tal bot
Deckung für Schmuggler. Die Schmuggler transportierten Waren bei Nacht und
Nebel durch das Tal, um die Grenze zu überschreiten.
Das Schopketal war ideal für
Schmuggelei. Es war schwer zugänglich, es bot Deckung vor Behördenkontrolle,
und es war weit weg von den Zollstellen. Die Schmuggler konnten das Tal nutzen,
um die Grenze zu überschreiten, ohne von Grenzsoldaten gesehen zu werden.
Allerdings war das Schopketal
auch gefährlich. Die preußischen Grenzsoldaten wussten, dass Schmuggler das Tal
nutzten, und sie patrouillierten dort. Die Schmuggler, die bei Nacht und Nebel
durch das Tal gingen, wussten, dass sie erschossen werden konnten.
Die Krüge als
Umschlagplätze
Die Krüge waren sekundäre
Schmuggelrouten - sie waren Umschlagplätze, an denen Waren gelagert und
verteilt wurden. Der Bartholdskrug war der
prominenteste Umschlagplatz - er war eine lippische Zollstelle und gleichzeitig
ein Schmugglernest.
Die Krüge waren strategisch
an der Grenze gelegen - sie waren Stopp für Reisende, Handelsleute und
Schmuggler. Sie boten Unterkunft, Nahrung und Getränke, aber auch Informationen
über Behördenbewegungen und Zollkontrollen.
Die Krüge waren also nicht
nur wirtschaftliche Institutionen, sondern auch soziale Institutionen, die das
Schmuggelwesen ermöglichten und unterstützten.
Die Handelsstraße
Bielefeld-Paderborn
Die Handelsstraße Bielefeld-Paderborn
(der alte Hellweg) war die tertiäre Schmuggelroute. Diese Straße war eine
wichtige Handelsroute, und Schmuggler konnten sich unter anderen Reisenden
verstecken.
Die Handelsstraße war auch
ein Ort der Zollkontrolle - an Schlagbäumen wurden Zölle erhoben. Aber die
Zollkontrolle war nicht sehr effektiv - Schmuggler konnten die Zollstellen
umgehen, indem sie Nebenstraßen nutzten oder Beamte bestachen.
Die preußischen
Grenzsoldaten und die Schießbefehle
Die preußischen Behörden
versuchten, das Schmuggelwesen durch Gewalt zu bekämpfen. Sie befahlen
Grenzsoldaten, Schmuggler auf Sicht zu erschießen. Dies war keine Frage von
Selbstverteidigung, sondern von Abschreckung - die Behörden wollten die
Schmuggler einschüchtern und abschrecken.
Die Schießbefehle zeigen die
Intensität des Konflikts und die Verzweiflung der Behörden, die Schmuggelei zu
kontrollieren. Die Schmuggler, die bei Nacht und Nebel durch das Schopketal
gingen, wussten, dass sie erschossen werden konnten. Dies machte das
Schmuggelgeschäft zu einem Geschäft mit hohem Risiko und hoher Belohnung.
Die Verhaftung und
Bestrafung
Die Behörden versuchten auch,
Schmuggler zu verhaften und zu bestrafen. Die Strafen waren hoch - Barthold
Grote drohten 18.000 Reichstaler Strafe. Dies war eine enorme Summe, die ein
Gastwirt niemals zahlen konnte.
Die Verhaftung und Bestrafung
waren jedoch nicht sehr effektiv. Grote gelang die Flucht, und andere
Schmuggler setzten ihre Aktivitäten fort. Die Behörden waren nicht in der Lage,
das Schmuggelwesen durch Verhaftung und Bestrafung zu kontrollieren.
Die Bestechung von Beamten
Die Schmuggler versuchten,
die Behördenkontrolle durch Bestechung von Beamten zu umgehen. Sie bestachen
Zollbeamte und Grenzsoldaten, um die Schmuggelei zu tolerieren oder aktiv zu
unterstützen.
Die Bestechung war effektiv -
mit Bestechung konnten die Schmuggler die Grenze überschreiten, ohne von
Behörden kontrolliert zu werden. Die Bestechung war auch notwendig - ohne
Bestechung wäre das Schmuggelwesen nicht möglich gewesen.
Die Bestechung zeigt die
Korruption des Systems - die Beamten, die für die Zollkontrolle zuständig
waren, waren selbst in Schmuggelaktivitäten verwickelt.
Die Zollunion und die
Aufhebung der Zollgrenzen
Der Beitritt Lippes zum Deutschen Zollverein 1842 war ein entscheidender
Wendepunkt für das Schmuggelwesen. Der Zollverein war eine Zollunion, die
mehrere deutsche Staaten zusammenband und Zollgrenzen zwischen ihnen aufhob.
Mit dem Beitritt Lippes zum Zollverein fielen die Zollgrenzen zwischen Lippe
und Preußen weg. Dies bedeutete, dass die Preisunterschiede zwischen Lippe und
Preußen verschwanden - Waren konnten legal und ohne Zollgebühren zwischen den
beiden Regionen transportiert werden.
Dies machte das
Schmuggelgeschäft unrentabel - es gab keinen Grund mehr, Waren illegal zu
transportieren, wenn sie legal transportiert werden konnten. Die Schmuggler
verloren ihre Geschäftsgrundlage.
Der Niedergang des
Schmuggelwesens
Der Beitritt zum Zollverein
war das Ende des großen Schmuggelbooms. Die Schmuggler, die von den hohen
Zollgebühren profitiert hatten, verloren ihre Geschäftsgrundlage. Krone, der
„Schmugglerkönig", verarmte und starb mittellos.
Das Schmuggelwesen verschwand
nicht völlig - es gab immer noch illegale Aktivitäten - aber es verlor seine
wirtschaftliche Bedeutung. Die Schmuggelei war nicht mehr profitabel, und die
Schmuggler wandten sich anderen Geschäften zu.
Die Folgen für die Region
Der Beitritt zum Zollverein
hatte mehrere Folgen für die Region. Erstens verschwand die Schmuggelei - die
Region war nicht mehr ein Hotspot für illegale Aktivitäten. Zweitens verschwand
der Reichtum, der durch Schmuggelei geschaffen wurde - die Schmuggler
verarmten. Drittens verschwand die Spannung zwischen Lippe und Preußen - die
Grenzregion wurde friedlicher. Viertens änderte sich die Wirtschaft der Region -
die Schmuggler mussten sich anderen Geschäften zuwenden.
Der Beitritt zum Zollverein
war also nicht nur eine politische Entscheidung, sondern auch eine
wirtschaftliche Transformation - eine Transformation, die das Schmuggelwesen
beendete und die Region in ein neues Zeitalter führte.
Der Bartholdskrug:
Zollstelle und Schmugglernest
Der Bartholdskrug
war der prominenteste Krug an der Lippe-Preußen-Grenze. Er wurde 1713 von
Barthold Grote erbaut und 1721 erhielt er die volle Krugberechtigung.
Der Krug war gleichzeitig eine lippische Zollstelle - das alte Zollbrett von
1770 befindet sich heute im Landesmuseum.
Der Bartholdskrug
war ein Symbol für die Korruption des Systems - der Wirt war ein Zollverwalter
und gleichzeitig ein Schmuggler. Der Krug war ein zentraler Umschlagplatz für
Schmuggelware, ein Treffpunkt für Schmuggler und ein Ort, an dem Bestechungen
stattfanden.
Der Lupinenkrug: Die „üble
Spelunke"
Der Lupinenkrug war ein
anderer prominenter Krug an der Grenze. Er galt als „üble Spelunke" und
„lippisches Wirtshaus im Spessart", in dem Hehler und lichtscheues Gesinde
verkehrten. Der Wirt stellte oft nur Flaschen auf den Tisch und verschwand,
während die Gäste sich selbst bedienten.
Der Lupinenkrug war ein
Symbol für die Wildheit der Grenzregion - ein Ort, an dem die Gesetze schwach
waren und die Kriminellen die Kontrolle hatten.
Der Pollmannskrug: Ein
weiteres Schmugglernest
Der Pollmannskrug war ein
weiterer Krug, der mit Schmuggelaktivitäten verbunden war. Er wurde 1721 in
Lipperreihe erbaut. 1880 brannte er ab, während der Wirt im Krankenhaus lag.
Die löschenden Anwohner tranken die Alkoholvorräte aus und ließen das Gebäude
niederbrennen - ein Symbol für die Wildheit der Grenzregion.
Der Pollmannskrug wurde
wiederaufgebaut, aber 2004 endgültig abgerissen. Damit verschwand ein weiteres
Symbol für das Schmuggelwesen an der Lippe-Preußen-Grenze.
Die Erhaltung der Krüge
und Monumente
Die Krüge, die mit dem
Schmuggelwesen verbunden waren, sind heute historische Monumente. Das alte
Zollbrett vom Bartholdskrug befindet sich im
Landesmuseum. Die Geschichten von Krone und Barthold Grote werden noch heute
erzählt.
Die Geographie der Region -
das Schopketal, die Krüge, die Handelsstraßen - ist noch heute sichtbar und
erinnert an das Schmuggelwesen.
Schlussfolgerung: Das
Schmuggelwesen als Fenster in die Vergangenheit
Das Schmuggelwesen an der
Lippe-Preußen-Grenze war nicht nur eine Frage der Kriminalität, sondern auch
eine Frage der Wirtschaft, der Geographie und der Staatsmacht. Das
Schmuggelwesen war eine rationale Reaktion auf hohe Zölle und schwache
Behördenkontrolle. Es war ein System, in dem legale und illegale Wirtschaft
nebeneinander existierten, in dem Beamte selbst
Schmuggler waren, und in dem die Staatsmacht versuchte, ein System zu
kontrollieren, das letztendlich nur durch die Aufhebung der Zollgrenzen gelöst
werden konnte.
Das Schmuggelwesen schuf
Arbeitsplätze und Reichtum, aber auch Ungleichheit, Gewalt und Korruption. Es
schuf eine Kultur der Illegalität, in der die Menschen den Respekt vor den
Gesetzen und den Behörden verloren.
Mit dem Beitritt Lippes zum Deutschen Zollverein 1842 verschwand das
Schmuggelwesen. Die Zollgrenzen wurden aufgehoben, und das Schmuggelgeschäft
wurde unrentabel. Der „Schmugglerkönig" Krome
verarmte und starb mittellos. Die Krüge verloren ihre Bedeutung.
Das Schmuggelwesen ist heute
ein historisches Symbol - ein Symbol für die Vergangenheit der Grenzregion, für
die illegalen Aktivitäten, die dort stattfanden, und für die Transformation der
Region. Das Schmuggelwesen ist ein Fenster in die Vergangenheit - ein Fenster,
durch das wir die Geschichte der Grenzregion, der Schmuggler und der Behörden
sehen können.
QUELLENVERZEICHNIS
Primärquellen
1. Archivalische Quellen
zur Grenzregion und zum Schmuggelwesen
1.
Lippisches
Landesarchiv (Detmold)
·
Aufzeichnungen zur
Grenzziehung zwischen Lippe und Preußen
·
Dokumentation des
Schmuggler-Netzwerks und dessen Aktivitäten
·
Aufzeichnungen zu
Barthold Grote und anderen Schmugglern
·
Unterlagen zur
Behördenkontrolle und Zollverwaltung
·
Verordnungen und
Dekrete des Grafen Simon August (einschließlich des Kaffeeverbots von 1765)
·
Aufzeichnungen zum
Beitritt Lippes zum Deutschen Zollverein (1842)
2.
Stadtarchiv
Oerlinghausen
·
Aufzeichnungen zur
lokalen Schmuggelei und illegalen Aktivitäten
·
Dokumentation der
Krüge und Gasthöfe
·
Unterlagen zum Bartholdskrug und seiner Rolle als Zollstelle
·
Aufzeichnungen zu
Krone und anderen Schmugglern
·
Dokumentation der
Grenzziehung und deren Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung
3.
Kirchenarchiv
Oerlinghausen
·
Pastorale
Aufzeichnungen zu sozialen Problemen und Schmuggelei
·
Aufzeichnungen zum
Kaffeeverbot und dessen Auswirkungen
·
Dokumentation von
Bestrafungen und Denunziantentum
2. Zollunterlagen und
Behördendokumente
4.
Zollbrett des Bartholdskrugs (1770)
·
Original-Zollbrett,
heute im Landesmuseum
·
Dokumentation von
Zollgebühren und Waren
·
Aufzeichnungen zu
Zollkontrolle und Behördenkontrolle
5.
Preußische
Behördendokumente
·
Aufzeichnungen zu
Verhaftungen und Verfolgung von Schmugglern
·
Dokumentation von
Schießbefehlen gegen Schmuggler
·
Unterlagen zur
Verhaftung und Flucht von Barthold Grote (1825)
3. Persönliche Erinnerungen
und Memoiren
6.
Aufzeichnungen
von Pastor Melm von Augustdorf (1835)
·
Beschreibung der
Senne um 1775
·
Aufzeichnungen zur
Landnutzung und wirtschaftlichen Aktivitäten
·
Erinnerungen an
die Reiseerfahrungen in der Senne
7.
Das „Goldene
Buch" der Stadt Oerlinghausen (1926)
·
Chroniken von
Bürgermeister August Reuter
·
Einträge namhafter
Besucher
·
Aufzeichnungen zur
Geschichte der Stadt
8.
Aufzeichnungen
von Fritz Soll sen. (1920-1999)
·
Über 5.000
Dokumente, Zeichnungen und Fotos zur Oerlinghauser Geschichte
·
Kartei der
Oerlinghauser Kolonate (Höfe)
·
Lebensgeschichten
der Bewohner durch Interviews in Altersheimen
·
Übersetzung des
„Goldenen Buches" aus der Sütterlinschrift
4. Kartographische Quellen
9.
Grenzpläne und
Karten der Lippe-Preußen-Grenze
·
Dokumentation der
Schopke als Staatsgrenze
·
Pläne der
Grenzziehung in Bechterdissen, Nienhagen und beim Stukenknotten