Die Geschichte der Hellkuhle

Wasser, Recht und Dorfgemeinschaft in Oerlinghausen

 

Einleitung: Die Wassernot einer Bergdorfschaft

Oerlinghausen liegt hoch oben am Berge, wo seit jeher Wassernot herrschte. Diese geografische Lage prägte die gesamte Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner. Wasser war nicht nur eine Ressource, sondern eine existenzielle Notwendigkeit, um die sich Konflikte, Rechtsstreitigkeiten und soziale Spannungen rankten. Die Geschichte der Hellkuhle ist die Geschichte dieser Wassernot und der Kämpfe um die Nutzung dieser wertvollen Ressource. Sie ist zugleich eine Geschichte von Tradition und Modernisierung, von Gemeinschaftsrechten und Privateigentum, die sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Krise zuspitzte.

Die natürlichen Wasserquellen Oerlinghausens

Bevor wir uns der Geschichte der Hellkuhle zuwenden, müssen wir die hydrologische Situation Oerlinghausens verstehen. Das Dorf lag auf einem Berg in einer Region mit chronischer Wassernot. Tief in den Tälern, die das Dorf umgaben, traten an mehreren Stellen Quellen an das Tageslicht. Die wichtigsten waren die Hellkuhle und die Hellpforte, aber es gab auch andere: in der Schopke (Wasserwerkweise), in der Hellkühle und auf der Schulwiese am Postweg. Diese drei Stellen lagen etwas entfernt vom Dorf, und ein Teil der Dorfbewohner hatte an diesen Quellen alte Rechte zum Waschen und Spülen ihrer Wäsche sowie zum Bleichen ihrer Leinen.

Andere Quellen außerhalb des Dorfes wurden als Flachsrotten benutzt, besonders im Welschen und in der Lander. An der Quelle beim heutigen Hedwigsheim wurde um 1860 bereits ein Kaltwasserbad errichtet. Diese Vielfalt an Quellen täuschte jedoch über die grundsätzliche Wassernot hinweg. Denn bei Regen floss das Wasser schnell ab, oft zu schnell, und riss dabei alles mit sich fort. Es sammelte sich nicht ausreichend in den Brunnen an. Ständig wurden neue Brunnen gegraben, und doch grub einer dem anderen das Wasser ab. Die zentrale Frage war nicht, wie viele Brunnen man bauen konnte, sondern wie viele man mit ausreichend Wasser versorgen konnte.

Die Hellkuhle: Eine Quelle mit Geschichte

Die Hellkuhle war eine der wichtigsten dieser Quellen. Der Name deutet auf eine helle, klare Quelle hin, die aus der Erde hervortrat. Sie befand sich auf Privatland, das dem Bierbrauer August Becker gehörte, einem der reichsten und einflussreichsten Einwohner Oerlinghausens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Becker war der Sohn des Leinenhändlers Friedrich Becker und Inhaber der 1845 abgebrannten Wirtschaft Ehlebracht (Hauptstraße 68, später 1830). Sein wirtschaftlicher Erfolg basierte auf dem Leinenhandel und der Brauerei, und sein Grundbesitz war beträchtlich.

Obwohl die Hellkuhle auf Beckers Grundstück lag, hatten die Dorfbewohner aufgrund ihrer alten Nutzungsrechte das Recht, die Quelle zu benutzen. Diese Rechte waren nicht schriftlich fixiert, sondern basierten auf jahrhundertealter Tradition und Gewohnheitsrecht. Die Bewohner durften ihre Wäsche an der Quelle waschen und spülen, ihre Leinen bleichen und Wasser für den Hausgebrauch entnehmen. Diese Nutzungsrechte waren eng mit der Existenz der Dorfgemeinschaft verbunden und wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Sie waren nicht an einzelne Personen gebunden, sondern standen allen Dorfbewohnern zu, die diese Rechte seit alters her ausgeübt hatten.

Dies schuf ein Spannungsverhältnis zwischen dem Eigentumsrecht des Grundbesitzers und den Gewohnheitsrechten der Dorfbewohner. Solange die Wassernot nicht zu akut war und die Quellen ausreichend Wasser lieferten, konnte dieses Spannungsverhältnis bestehen. Doch in der Mitte des 19. Jahrhunderts sollte sich diese Situation dramatisch ändern.

Die Wasserkrise und die Rolle August Beckers

In den 1840er Jahren verschärfte sich die Wassernot in Oerlinghausen dramatisch. Die Quelle der Hellkuhle begann stark zu versiegen. Dies war nicht nur ein technisches Problem, sondern auch ein soziales und politisches. Der Dorfvorstand versuchte, die Situation zu verbessern, doch die Mittel waren begrenzt. In dieser Situation begannen die Konflikte zwischen Becker und den Dorfbewohnern zu eskalieren.

August Becker, als Eigentümer des Grundstücks, versuchte, seine Eigentumsrechte geltend zu machen und die Nutzung der Hellkuhle zu kontrollieren. Er errichtete ein Bauwerk, das die Dorfbewohner "Schling" nannten – einen künstlich angelegten Durchgang oder eine Sperre, die den Zugang zur Hellkuhle kontrollieren sollte. Diese Anlage befand sich in der Nähe der 1843 erbauten Tischlerei Lühr (heute Hunke-Brand). Der Schling war so konstruiert, dass man ihn öffnen und schließen konnte – eine Sperre, die den Zugang zur Quelle regulierte.

Mit dieser Konstruktion versuchte Becker, die Nutzung der Hellkuhle zu monopolisieren und die Dorfbewohner von der Quelle abzuschneiden. Dies war ein direkter Angriff auf die alten Gewohnheitsrechte der Dorfbewohner. Die Reaktion war vorhersehbar: Die Dorfbewohner, die sich in ihren Rechten verletzt fühlten, rissen den Schling aus der Erde. Dies war nicht einfach eine Sachbeschädigung, sondern ein Akt des Widerstands gegen das, was sie als Verletzung ihrer angestammten Rechte betrachteten.

Der Konflikt eskaliert: 1844

Die Konfrontation um die Hellkuhle eskalierte 1844 zu einem offenen Konflikt. Die Dorfbewohner, angeführt von ihrem Unmut über Beckers Versuche, ihre Rechte einzuschränken, griffen zu drastischen Maßnahmen. Sie rissen den Schling aus der Erde und versuchten, ihre Nutzungsrechte mit Gewalt zu verteidigen. Dies war ein Akt der "öffentlichen Gewalt und Selbsthilfe", wie die Behörden es nannten.

Die Reaktion der Obrigkeit war schnell und hart. Am 13. Juli 1844 verurteilte das Criminalgericht zu Detmold alle 17 Anlieger wegen "öffentlicher Gewalt und Selbsthilfe" zu Gefängnisstrafen, die von zwei Wochen bis vier Monaten reichten. Die Verurteilten waren:

·         4 Monate: Heinrich Reuter (Tischler Kramer, Gastwirt Berkemeier und Friedrich Berkemeier)

·         3 Monate: Einlieger Berkemeier, Meier, Friedrich Hölter, Schumacher Lepper und Glaser Gröppel

·         2 Monate: Die Witwe Hoffmann und Adolf Hoffmann

·         6 Wochen: Meier Meier

·         4 Wochen: Friedrich Schütte, Friedrich Hillbrink und Adolf Hameier

Diese harten Strafen zeigen die Ernsthaftigkeit, mit der die Behörden den Konflikt behandelten. Sie waren auch ein Zeichen dafür, dass die Obrigkeit die Eigentumsrechte Beckers höher bewertete als die Gewohnheitsrechte der Dorfbewohner.

Die Berufung und der Sieg der Dorfbewohner

Doch die Verurteilten gaben nicht auf. Sie legten sofort Berufung beim Hochpreislichen Oberappellationsgericht des Herzogtums Braunschweig und der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont, Lippe und Schaumburg-Lippe ein. Dies war ein mutiger Schritt, denn es bedeutete, gegen die Obrigkeit anzukämpfen und ihre Entscheidung in Frage zu stellen.

Das Berufungsgericht kam zu einer anderen Überzeugung als das Detmolder Gericht. Es kam zu dem Ergebnis, dass der Brunnen ein reiner Privatbrunnen der Anlieger war, den diese immer selbst unterhalten hatten. Daher wurde das Detmolder Urteil für nichtig erklärt. Das Berufungsgericht argumentierte, dass die Anlieger, die den Brunnen immer selbst unterhalten hatten, berechtigt waren, ihn zu nutzen. Dies war ein wichtiger Sieg für die Dorfbewohner und ihre Gewohnheitsrechte.

Dies war ein bedeutsamer Moment in der Geschichte der Hellkuhle. Die Gewohnheitsrechte der Dorfbewohner wurden von der höheren Instanz anerkannt. Doch dieser Sieg sollte sich als Pyrrhussieg erweisen, denn die Konflikte waren damit nicht beendet.

Die Rolle des Dorfvorstehers Hildebrand

Nach dem Urteil des Berufungsgerichts hätte man erwarten können, dass die Konflikte beendet wären. Doch dies war nicht der Fall. Der Dorfvorsteher Hildebrand, ein umstrittener Amtsträger, setzte die restriktive Politik fort. Nach dem Urteil von 1844 sperrte er den Weg zur Hellkuhle durch einen "Schling" (eine Sperre), wobei er behauptete, dies nur erneuert zu haben. Hildebrand war nicht wiedergewählt worden, aber sein Nachfolger Kaufmann Hildebrand setzte die Politik fort.

Die Dorfbewohner waren so erzürnt über die Behandlung, dass sie mehrfach Angriffe auf Hildebrands Wohnung unternahmen. Dies war ein Zeichen der tiefgreifenden Frustration und des Unmuts, der sich unter der Bevölkerung aufgestaut hatte. Die Wassernot, die Konflikte um die Hellkuhle, und die Versuche der Obrigkeit, die Gewohnheitsrechte einzuschränken, hatten zu einer Krise des Vertrauens zwischen der Dorfgemeinschaft und ihrer Führung geführt.

Der Aufstand von 1848

Die Spannungen kamen 1848 zu einem Höhepunkt, in einem Jahr, das in ganz Europa von revolutionären Unruhen geprägt war. In Oerlinghausen kam es zu einem Aufstand, der direkt mit den Konflikten um die Hellkuhle verbunden war. Hildebrand verteidigte seine Wohnung mit einem Gewehr gegen die aufgebrachte Menge. Dabei verletzte er den Einlieger Zimmermann Berkemeier am Bein. Dieser Gewaltakt war ein Wendepunkt in dem Konflikt.

Berkemeier, verwundet und verzweifelt, floh aus Oerlinghausen. Er verließ das Lippische Gebiet und bestieg in Bremen ein Auswandererschiff. Ob er dort mehr Gerechtigkeit fand, ist unbekannt. Sein Schicksal symbolisiert die Hoffnungslosigkeit vieler Dorfbewohner, die sich von der Obrigkeit im Stich gelassen fühlten.

Doch auch nach diesem Aufstand gingen die Konflikte weiter. Am 12. Juli 1859 kam es zu einer erneuten Konfrontation. Die Verurteilten von 1844 erschienen vor dem Haus von Hildebrand und demolierten mit Pflastersteinen seine Wohnung. Dies war ein Akt der Verzweiflung und des Widerstands, ein letzter Versuch, ihre Rechte zu verteidigen.

Die Rolle der Revolution 1848

Interessanterweise spielten Brunnenprobleme sogar bei der Revolution von 1848 eine Rolle. Bei der Revolution ging es um die Auswirkungen einer Brunnengeschichte des alten Dorfvorstandes gegen den sich die "Wut des Volkes" richtete. Dies zeigt, dass die Konflikte um die Hellkuhle nicht isoliert waren, sondern Teil einer größeren Krise der Dorfgemeinschaft und ihrer Beziehung zur Obrigkeit.

Um diese Zeit fasste der neue Dorfvorstand den Beschluss, eine Holzröhren-Wasserleitung vom Kalderberg bis zum Simonsplatz zu bauen. Diese Leitung hatte trotz vieler Reparaturen lange Jahre Bestand. Die Pumpe am Simonsplatz wurde bis 1911 aus ihr gespeist. Dies war ein wichtiger Schritt zur Lösung der Wassernot, doch es bedeutete auch das Ende der Hellkuhle als primäre Wasserquelle.

Die Teilung der Gemeindehude und die Beilegung der Konflikte

Ein wichtiger Schritt zur Beilegung der Konflikte war die Teilung der Gemeindehude im Jahr 1858. Dies war ein administrativer Akt, der die Eigentumsrechte klären sollte. Jeder Einzelne musste seinen Besitz sichern. Die neuen Parzellen wurden durch Grenzsteine gekennzeichnet, und die alten Grenzen wurden durch Zeugenaussagen wiederhergestellt.

Die Prozesse mit Barkhausen (1837), Wistinghausen (1848) und Menkhausen (1851) waren bereits gelaufen. Diese Prozesse hatten die Frage der Eigentumsrechte und der Nutzungsrechte geklärt. Am 12. Juli 1859 kam es schließlich zu einem endgültigen Vergleich. Nach diesem Vergleich konnten die Berechtigten endlich wieder zu Fuß und mit der Schubkarre zur Hellkuhle kommen, um dort ihre Wäsche zu waschen und zu bleichen. Nur an einem Tag im Jahr durfte niemand hin - an diesem Tag hatte August Becker die Hellkuhle für sich ganz allein.

Dies war ein Kompromiss, der beiden Seiten etwas gab. Die Dorfbewohner behielten ihre Gewohnheitsrechte, doch Becker behielt sein Eigentumsrecht und die Kontrolle über die Quelle. Es war ein fragiler Frieden, der auf gegenseitigen Zugeständnissen basierte.

Die Brauerei und die Wasserleitung

Parallel zu diesen Konflikten entwickelten sich auch andere Ereignisse, die mit der Wasserversorgung verbunden waren. Becker, der Bierbrauer, benötigte Wasser für seine Brauerei. 1899 fasste er den Antrag, ein Stück Land an der Tönsbergstraße zu kaufen, um einen Felsenkeller anzulegen. Die Dorfdeputierten stimmten zu, verwiesen Becker aber an Barkhausen, da diese noch Besitzer waren. Es kam am 8. Dezember 1838 zu einem Vertrag.

Becker musste für den Platz 75 Reichstaler in preußischer Münze bezahlen. Im Vertrag stand außerdem, dass er nur zur Anlage eines Bierkellers galt. Unterzeichnet ist dieser Vertrag von A. Becker modo Nagel und von Julius Schütz-Rentmeister zu Barkhausen - wohnhaft Hauptstraße 3.

Das Amt, welches diesen Vertrag bestätigen musste, schrieb dazu, wegen der Geringfügigkeit der Größe solle man ihn einfach dem Kolonat Nr. 24 (Jägerhaus) zuschreiben. Bei Barkhausen brauchte man wegen Geringfügigkeit überhaupt nichts abschreiben.

Schon am 26. Oktober 1842 schlossen die Vertragsparteien (dieselben vom 8. Dezember 1838) einen neuen weiteren Vertrag. Becker hatte seine Bierkeller fertig und wollte nun über diesen sein Wohnhaus errichten, (im ersten Vertrag war das extra ausgenommen) mit Brauerei. Aber weil der Platz zu klein war, verkaufte Barkhausen noch mal, wie es im Vertrag heißt: Im Süden, Westen und Nordwesten mit den großen Buchen beim früheren Spritzenhaus. Aber auch das war noch zu wenig und die Dorfschaft verkaufte auch noch Gelände mit der Auflage, dass der Fußweg (Twete) erhalten bleiben müsse. Im Osten rückte Beckers Wohnhaus direkt an das Moritzschen Haus heran. (Im Volksmunde hieß das Moritzschen Haus damals Weberhaus.) Der Brunnen bekam später den Namen Weberbrunn.

Bei dem Bau der Brauerei wurde vom Ortsvorstand eine neue Baufluchlinie für die Tönsbergstraße festgelegt, um später eine Verbreiterungsmöglichkeit zu haben. Dies war der sogenannte zweite Teil.

Der Bau der Brauerei musste mit Riesenschritten vorangehen, denn schon am 6. Februar 1844 stellt A. Becker den Antrag an den Ortsvorstand, ihm zu erlauben, ein Rohr in den Brunnen vor seinem Hause zu legen, um das zum Brauen benötigte Wasser daraus zu entnehmen. Der Ortsvorstand unter Leitung des neuen Ortsvorstehers F. C. F. Hildebrand genehmigte unter demselben Datum, mit einigen Auflagen, diesen Antrag.

Nun nahm das Unglück seinen Lauf. Nachdem Becker das Rohr vom Brunnen in seine Brauerei hatte legen lassen, rissen es die erbostesten Brunnenbesitzer wieder aus der Erde. Das Criminalgericht zu Detmold wurde angerufen und schon am 13. Juli 1844 verurteilte dieses alle 17 Anlieger wegen "öffentlicher Gewalt und Selbsthilfe", zu Gefängnisstrafen von 2 Wochen bis 4 Monaten.

Das Ende der Hellkuhle als Wasserquelle

Nach der Fertigstellung der modernen Wasserleitung vom Kalderberg zum Simonsplatz um 1848 verlor die Hellkuhle ihre Bedeutung als primäre Wasserquelle. Die Quelle versiegte, und die Vorsteher gingen daran, sie zu säubern. Die Pumpe am Simonsplatz wurde bis 1911 benutzt. Nach 1906, als die Moritzschen Schmiede abgebrannt war, wurde der Neubau des Hauses in die Fluchtlinie der Brauerei gesetzt.

Der Brunnen wurde überdeckt, da er fast in der Mitte der verbreiterten Straße stand, und die Pumpe wurde zurückgelegt bis an die Brauereihauswand. Sie stand dort bis 1912, dann wurde sie durch die neue Wasserleitung überflüssig. Die Eiskeller wurden zur Zufluchtsstätte vieler Oerlinghauser während des Krieges, als dieser sein Ende nahm.

Die Hellkuhle in der Erinnerung

Heute ist die Hellkuhle ein historischer Ort, der an die Wassernöte und Konflikte der Vergangenheit erinnert. Sie ist ein Symbol für die Spannungen zwischen Tradition und Modernisierung, zwischen Gemeinschaftsrechten und Privateigentum, die sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts zuspitzten. Die Geschichte der Hellkuhle ist auch eine Geschichte der Dorfgemeinschaft und ihrer Kämpfe um Gerechtigkeit und Anerkennung ihrer Rechte.

Die Konflikte um die Hellkuhle waren nicht isoliert, sondern Teil einer größeren Krise der ländlichen Gesellschaft in dieser Zeit. Überall in Europa kämpften Dorfgemeinschaften gegen die Ansprüche von Grundbesitzern und der modernen Wirtschaft. Die Hellkuhle war ein Ort, an dem diese Kämpfe konkret wurden, an dem alte Rechte gegen neue Eigentumsansprüche aufprallten.

Fazit: Die Bedeutung der Hellkuhle für die Dorfgeschichte

Die Geschichte der Hellkuhle ist eine Geschichte von Wasser, Recht und Dorfgemeinschaft. Sie zeigt, wie eine natürliche Ressource zum Schauplatz sozialer und politischer Konflikte werden kann. Sie zeigt auch, wie eine Dorfgemeinschaft für ihre Rechte kämpfte, selbst wenn die Obrigkeit gegen sie stand. Obwohl die Hellkuhle heute nicht mehr als Wasserquelle dient, bleibt sie in der Erinnerung der Dorfbewohner lebendig – als Symbol ihrer Geschichte, ihrer Kämpfe und ihrer Widerstandskraft.

Die Hellkuhle erinnert uns daran, dass die Geschichte eines Dorfes nicht nur in großen Ereignissen geschrieben wird, sondern auch in den alltäglichen Kämpfen um Ressourcen, Rechte und Würde. Sie erinnert uns auch daran, dass die Modernisierung nicht ohne Kosten kam – dass alte Rechte und alte Lebensweisen aufgegeben werden mussten, um neue Infrastrukturen zu schaffen. Doch sie zeigt auch, dass die Dorfgemeinschaft nicht passiv war, sondern aktiv für ihre Rechte kämpfte, selbst wenn der Kampf aussichtslos schien.

 

Quellenverzeichnis

Primärquellen

Archivalische Quellen:

1.        Stadtarchiv Oerlinghausen, Bestand: Dorfschaft Oerlinghausen

·         Dokument: Criminalgericht Detmold, Urteil vom 13. Juli 1844, Verurteilung von 17 Anliegern wegen "öffentlicher Gewalt und Selbsthilfe"

·         Dokument: Hochpreisliches Oberappellationsgericht des Herzogtums Braunschweig und der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont, Lippe und Schaumburg-Lippe, Berufungsentscheidung (Datum unbekannt, nach 1844)

·         Dokument: Vertrag vom 8. Dezember 1838 zwischen A. Becker und Barkhausen

·         Dokument: Vertrag vom 26. Oktober 1842 zwischen A. Becker und Barkhausen

·         Dokument: Antrag von A. Becker vom 6. Februar 1844 an den Ortsvorstand

·         Dokument: Genehmigung des Ortsvorstandes vom 6. Februar 1844 unter Leitung von F. C. F. Hildebrand

·         Dokument: Vergleich vom 12. Juli 1859

2.        Stadtarchiv Oerlinghausen, Bestand: Verwaltung

·         Dokument: Teilung der Gemeindehude, 1858

·         Dokument: Prozessunterlagen Barkhausen (1837)

·         Dokument: Prozessunterlagen Wistinghausen (1848)

·         Dokument: Prozessunterlagen Menkhausen (1851)

Zeitgenössische Berichte:

3.        Soll, Fritz sen.: "75 Jahre Wasserwerk Oerlinghausen – Und was war vorher?" (September 1987)

·         Archiv FS, Oerlinghausen

·         Veröffentlicht in: Archiv FS

4.        Neue Westfälische: "Brunnenprobleme spielten selbst bei der 48er Revolution eine Rolle" (2. Dezember 1987)

·         Artikel von Fritz Soll sen.

·         Behandelt: Brunnenprobleme und ihre Rolle bei der Revolution 1848

5.        Soll, Fritz sen.: "Der Weberbrunnen und die Beckerschen Brauerei" (November 1990)

·         Archiv FS, Oerlinghausen

·         Veröffentlicht in: Archiv FS

Sekundärquellen und Fachliteratur

6.        Diekmann, H.: "Geschichte der Stadt Oerlinghausen 1936"

·         Behandelt: Allgemeine Stadtgeschichte, Infrastruktur, Wasserversorgung

7.        Meier-Büke, Dr. A.: "Oerlinghausen – Hangsiedlung am Übergang. Kinderherkunft nach getrennten Quartieren – Gebirgsraum als Schicksal" (September 1983)

·         Archiv FS, Oerlinghausen

·         Behandelt: Siedlungsgeschichte, Kinderherkunft, geografische Bedingungen

8.        Meier-Büke, Dr. A.: "Der Streit um die Hellkuhle und die Hellpforte 1858. Prozesse der Dorfschaft Oerlinghausen" (September 1983)

·         Archiv FS, Oerlinghausen

·         Behandelt: Rechtliche Konflikte, Prozessgeschichte, Eigentumsrechte

Lokale Quellen und Zeitzeugenberichte

9.        Reuther, Oma: Mündliche Überlieferung (zitiert nach Meier-Büke)

·         Aussage: "De lütken Jungens kumpt iut de Hellkiuhle, de Mäken iut de Schopke"

·         Behandelt: Kindheitserinnerungen, Wasserquellen

10.      Zeugenbefragungen zur Teilung der Gemeindehude (1858)

·         Archiv FS, Oerlinghausen

·         Behandelt: Grenzbestimmungen, alte Grenzen, Zeugenaussagen

Kartographische Quellen

11.      Zeichnung von 1858: "Hellkamp, Hellgarten, Hellkuhle und Hellpforte"

·         Archiv FS, Oerlinghausen

·         Zeigt: Lage der Wasserquellen und Grundstücke

12.      Zeichnung (Punkt R-T): "Schling bei der Tischlerei Lühr"

·         Archiv FS, Oerlinghausen

·         Zeigt: Lage des Schlings, Bauwerk zur Kontrolle des Zugangs

Bildquellen

13.      Foto: "Bau des ersten Wasserbehälters auf dem Oerlinghäuser Tünssberg oberhalb der Jugendherberge im Jahr 1911"

·         Archiv Soll, Oerlinghausen

14.      Foto: "Wasserwerkshäuschen"

·         Archiv Soll, Oerlinghausen

Behördliche Dokumente

15.      Amtliche Eintragungen: Kolonat Nr. 24 (Jägerhaus)

·         Behandelt: Eigentumsrechte, Vertragliche Vereinbarungen

16.      Amtliche Eintragungen: Moritzsches Haus (Weberhaus)

·         Behandelt: Eigentumsrechte, Namengebung