14 Ratsherren für den Pfarrhausabbruch

Ergebnis aus nichtöffentlicher Sitzung

 

Oerlinghausen. Erstmals erfuhr jetzt die Öffentlichkeit, wie die Ratsherren Ende Dezember über den Pfarrhaus-Abbruch entschieden haben. Ratsmitglied Walter Grube (SPD) gab in der letzten Sitzung das Abstimmungsergebnis aus der nicht öffentlichen Beratung bekannt. Demnach haben sich 14 Ratsherren für den Abbruch entschieden, fünf waren dagegen und vier enthielten sich der Stimme. Bürgermeister Drexhage, den die SPD-Fraktion in dieser Frage wegen eines Interviews in der NEUEN WESTFÄLISCHEN arg unter Beschuß nahm, erklärte: „Mit überschlägigen Berechnungen kann ich mich nicht zufrieden geben. Erst sollte man genaue Untersuchungen anstellen, bevor man sich entscheidet. Ein neutrales Gutachten muß her.“

Der Bürgermeister unterstrich nach einmal, daß er nicht um jeden Preis das Pfarrhaus erhalten wolle: „Mag sein, daß bei einem Gutachten tatsächlich so hohe Kosten herauskommen, daß auch ich sagen muß, das können wir nicht. Aber wir haben ja kein neutrales Gutachten...“

Ratsmitglied Kaczmarek (CDU) hielt das DIN-A-4-Blatt, auf dem Bauamtsleiter Potthoff seine Berechnungen mit Kosten von 800.000 DM angestellt hatte, für ausreichend. Der CDU-Ratsherr: „Für mich ist das ein Dokument. Es trägt die Unterschrift von Herrn Potthoff.“

Die SPD unterstrich noch einmal ihre Geschlossenheit in dieser Frage, obwohl in der nicht öffentlichen Sitzung nicht alle SPD-Mitglieder für den Abbruch waren. Ratsmitglied Walter Grube regte einen „Tag der offenen Tür“ an, um die Bevölkerung „hundertprozentig zu unterrichten“. Aus den Reihen der SPD kamen auch Äußerungen wie „Das Haus ist lebensgefährlich“ und „Die Wohnung ist menschenunwürdig“. SPD-Sprecher Erich Diekhof haderte mit Baudirektor Wirsing vom Staatshochbauamt Detmold, der sich in einem NW-Interview für die Erhaltung des Pfarrhauses ausgesprochen hatte. Diekhof: „Dabei ist es dieser Mann gewesen, der uns händeringend gebeten hat, keine Mark mehr in das Pfarrhaus zu stecken.“ Diekhof wies im Übrigen darauf hin, daß der Landeskonservator 1974 für ganz Lippe wahrscheinlich nur 100.000 DM (vielleicht 150.000 DM) zur Verfügung habe. Da könne man für das Pfarrhaus nicht viel erwarten. Bauamtsleiter Potthoff erklärte, daß er in der nicht öffentlichen Sitzung buchstäblich überrascht worden sei. Es hätten jedoch keine manipulierten Zahlen vorgelegen. Potthoff: „Ich habe das Haus vom Dachboden bis zum Keller untersucht. Es gab allerdings einen Unsicherheitsfaktor, weil wir nicht wußten, was aus dem Haus werden soll“.

 

Piet