Ein Haus wie in der Heimat

Königsberger Klopse und Schlesisches Himmelreich - Ostdeutsche Volksbildungsstätte - Haus inmitten des Teutoburger Waldes wird eingeweiht

 

Oerlinghausen. Nun haben auch die katholischen Vertriebenen und Sowjetzonenflüchtlinge eine Stätte, in der sie sich wie zu Hause fühlen können. Am Montag wird sie unter Beisein von geistlichen und weltlichen Würdenträgern feierlich ihrer Bestimmung als ostdeutsche Volksbildungsstätte übergeben. Unmittelbar in der Nähe Oerlinghausens, unterhalb des Tönsberges, inmitten des Teutoburger Waldes gelegen, erinnert das einstige Gasthaus „Der wilde Jäger“, das völlig umgestaltet und erweitert worden ist, an eine Baude in der Grafschaft Glatz. Auch die Umgebung besitzt viel Ähnlichkeit mit dem lieblichen Glatzer Bergland.

Mit den 4 ½ Morgen Land und Wald ist das St.-Hedwigs-Haus für Lehrgänge und Erholungsaufenthalte glänzend geeignet. 40 Personen können in den schlicht eingerichteten Zimmern Unterkunft finden, weitere 30 in der in der Nähe gelegenen Jugendherberge untergebracht werden, so daß eine Lehrgangsbelegung mit siebzig Personen durchaus tragbar erscheint; denn Küche und Speiseraum sind groß genug, um diese Mehrbelastung zu tragen. Das Hauseingang schmückt eine St.-Hedwig-Statue über einen Brunnen, der aus eigener Quelle gespeist wird. Im Erdgeschoß befinden sich Besuchszimmer, Speiseraum und Küche.

Ein Schmuckstück ist der Vortragssaal im ersten Stock, der bis zu 100 Personen faßt und mit Bildern der Heimat ausgestattet ist.

Jedes einzelne Gastzimmer trägt ein Wappen und die Bezeichnung einer ostdeutschen Stadt. Der Gast braucht also nicht übernächtigt zu sein, wenn der Hausherr ihn mit den Worten in sein Zimmer einweist: „Sie schlafen in ‚Breslau‘.“ Während der Lehrgangsmonate (Winter) sind die Zimmer so eingerichtet, daß möglichst viele Teilnehmer im Haus übernachten können. Im Sommer dient das St.-Hedwigs-Haus als Erholungsstätte. Da kann sich eine ganze Familie ein oder mehrere Zimmer mieten und wie zu Hause wohnen und leben.

Doch zurück zur eigentlichen Aufgabe des Hauses, dessen Erweiterung und Betreuung das St.-Hedwigs-Werk übernommen hat. Er will ostdeutschen Katholiken das Gefühl erhalten, daß hier ein Stück Heimat im lippisch-westfälischen Land liegt, auf das sie sich immer wieder zurückziehen können, und will nicht zuletzt uns im Westen zeigen, wie die Menschen im Osten gelebt haben. Das St.-Hedwigs-Werk ist die ostdeutsche Volksbildungsstätte der Diözesanwerke heimatvertriebener Katholiken und dient der Erwachsenen- und Jugendbildung sowie der Pflege und Erhaltung der ostdeutschen und Erschließung der westdeutschen Kulturgebiete.

Aus dieser Aufgabenstellung geht klar hervor, welche Arbeit in diesem neuen Haus geleistet werden soll.

Der politische Leitgedanke läßt sich in dem Satz zusammenfassen: Rückkehr in die Heimat nur durch europäische Integration.

[Bild: Blick in den Speiseraum, im Hintergrund ein Bild der Breslauer Sandinsel.]