Knabenheim „Heidequell“ eingeweiht
Das Knabenheim „Heidequell“ in der Senne bei Stukenbrock, das neueste Werk der Inneren Mission, hatte seinen Festsonntag. Nach langen Monaten schwerer Arbeit fand man unter zahlreicher Beteiligung der Alten, die dort schon ein Zuhause gefunden haben sowie den Gästen, die aus nah und fern erschienen waren, die feierliche Einweihung statt. Pastor Oehrmann, der Hauspfarrer von „Heidequell“ hatte seinem Festgottesdienst die Worte zu Grunde gelegt: „Ich habe keine größere Freude denn die, daß ich höre, daß meine Kinder in der Wahrheit wandeln.“ Er sagte in seiner Predigt u. a.: „Wenn auch die Sonne heute draußen nicht scheint, so scheint sie aber doch in den vielen Kinderherzen, die hier eine neue Heimat an Leib und Seele gefunden haben. Sang und Klang soll das neue Heim erfüllen aber die letzte Freude muß zuletzt doch aus Gott kommen.“
Nach dem Gottesdienst begab sich der Festzug, mit dem Neustädter Posaunenchor an der Spitze, zu dem eigentlichen „Heidequell“, wo Kirchenoberbaurat Rade dem Leiter des westfälischen Provinzialverbandes für Innere Mission, Pastor Pawlowski, den Schlüssel mit einem Grußwort überreichte. Nach der Öffnung durch Pastor Pawlowski, der dem neuen Heim ebenfalls einen Gruß- und Segenswunsch mit auf den Weg gab, fand die Besichtigung des Hauses statt. Alle Gäste waren von der Gediegenheit, Vornehmheit und dennoch Schlichtheit der Räumlichkeiten tief beeindruckt.
Es war zu spüren: hier werden sich die 50 Waisenkinder, die hier in Heidequell auch eine eigene Schule und einen eigenen Hauslehrer haben, wohlfühlen. Es war auch das Bestreben Pastor Pawlowskis, den Jungen das Elternhaus zu ersetzen.
Unter den Gästen sah man u. a. den Oberkreisdirektor von Lemgo, Neumann, Landesuperintendent Neuner von der Lippischen Landeskirche, Bürgermeister Prante von der Gemeinde Lipperreihe, die Frauenhilfe und Kirchenmitglieder der Gemeinde Oerlinghausen. Pastor Pawlowski begrüßte die Gäste und sagte, soweit sie sich für das Zustandekommen des Neuhaus eingesetzt hatten, seinen Dank und seine Anerkennung. Auch die Ehrengäste kamen zu Wort, wünschten dem Hause und insbesondere den Jungen, daß sie sich in ihrer neuen Heimat recht wohlfühlen möchten. Die Jungen selbst dankten durch einige Liedvorträge und überreichten dem Bevollmächtigten des Hilfswerks sowie dem leitenden Architekten Kirchenoberbaurat Rade ein Geschenk.
Die Frauenhilfe Oerlinghausen hatte ein eigenes Geschenk für die Waisenkinder; sämtliche Jungen waren von ihr von unten bis oben eingekleidet worden. Ein gemütliches Beisammensein, wo u. a. auch auf die Entstehung des „Heidequells“ hingewiesen wurde, wie unter den schwierigsten und primitivsten Bedingungen an der Verwirklichung des Planes gearbeitet wurde, beschloß die eindrucksvolle Feier.
Siebert