In 12 Stunden fertige Steine

Die Bielefelder Hartsteinwerke - Kalk und Sennesand geben wertvollen Baustoff

 

Draußen im Ostteil Brackwedes liegt zwischen der Rosenhöhe und dem Mauseteich ein umfangreicher Industriekomplex, dessen Gebäude alle in Grauweiß schimmern. Sogar die Dächer sind wie mit Mehl bestaubt. Jeder Einheimische weiß, daß es sich hier um die Bielefelder Hartsteinwerke handelt. Aber wer hat schon einen Blick in dieses interessante Werk getan, wer weiß, wie die Kalksandsteine entstehen?

Nun - Herr Hassler, der Leiter des Werkes, läßt uns gern einen Blick in den Betrieb tun.

2 Millionen Steine im Monat

Im Kontor erfahren wir, daß das Werk seit 1910 besteht. Es wurde damals unweit Vierschlingen in Amshausen gegründet und 1913 an den jetzigen Ort verlegt. Heute werden im Werk 75 Menschen, die in Brackwede und Senne zu Hause sind, beschäftigt. Im Kalkwerk Amshausen sind nochmals etwa ein Dutzend Leute tätig. Die höchste Produktionsleistung wurde 1936 mit gut drei Millionen bei dreischichtiger Arbeitszeit in einem Monat erzielt. Heute wird aus maschinentechnischen Gründen nur in zwei Schichten produziert. Die Monatsleistung beträgt dabei rund zwei Millionen Steine.

Wir sind in den Betrieb gegangen. „Direkt vor der Tür“, in diesem Falle hinter dem Werke liegen die mächtigen Sandvorkommen, die noch etliche Jahre lang Material liefern werden. Lorenzüge bringen den guten, alten Sennesand zu den Sandsilos, in denen er, nach erfolgter Siebung gelagert wird. Etwa achtzig Kubikmeter faßt solch ein Silo, das durch starke Becherwerke je nach Bedarf entleert wird. Automatisch füllen sich auf einer Bühne große Loren, die mit Seilbetrieb - ähnlich wie in Bergwerken die Rampe - hoch auf den Mischboden gezogen werden.

Kalkstaub erfüllt die Luft

Hier oben, wo Maschinen rattern, Kalkstaub die Luft lebendig macht wie weißer Dampf, wo jeder Schritt Staub wirbelt wie ein Schlag ins Mehlfaß, erleben wir das Füllen einer der beiden riesigen 25.000-Liter-Trommeln. Sand und fein gemahlener, vorher gebrannter Kalk wandern in einem Mischungsverhältnis von etwa 6:1 in den dunklen Schlund. Unter Zusatz von Wasser und Dampf wird die Masse für rund 3.000 Steine gemischt und gelöscht. Ehe wir uns das fertige Produkt im unteren Stockwerk ansehen, gehen wir schnell noch über die Brücke zu der Kalkmühle, einem massigen Gebäudeblock von über zwanzig Meter Höhe. Gerade fährt ein Lastwagen...

[Bild: Mit starken Eisenpranken packt der Greifer der ausgedehnten Krananlage eine Lorenladung von 100 Steinen und legt sie behutsam auf die Lastwagen.]