Industrieller Motor und Philanthrop seiner Zeit: Friedrich Ludwig Tenge
Der weit in die Zukunft blickende Gutsbesitzer und Kaufmann starb vor 100 Jahren
Sennestadt. Nur wenige werden zu Beginn dieser Woche des Mannes gedacht haben, dessen Todestag zum hundertsten Male wiedergekehrt war. Es war am Dienstag, 2. November. Aber besonders diesem Manne verdankt die Senne und ihre Umgebung durch Weitblick, modernes Denken und kaufmännisches Gespür unendlich viel; denn er war Motor und Schrittmacher der Industrialisierung auf dem kargen, dürren Senneboden. Sein Name war: Friedrich Ludwig Tenge, Sohn des Leinen- und Tabakindustriekaufmanns Ernst Friedrich Tenge aus Osnabrück. Das Wirken dieses vitalen Mannes zeichnete unser heimatkundlicher Mitarbeiter Franz Strelmann für die Nachwelt einmal in groben Zügen nach.
Der junge Kaufmann Friedrich Ludwig Tenge war bald nach den Befreiungskriegen mit seinem Vater in das Lipperland gekommen, wo er das Tafelgut Nieder-Barkhausen bei Oerlinghausen erwarb. Bereits wenige Jahre später, 1819, kaufte er den „Dalkehof“ - in drei Ländern gelegen (Grafschaft Lippe und Grafschaft Rietberg sowie im Fürstbistum Paderborn) hinzu. 1822 konnte Tenge bereits die Grafschaft Rietberg mit dem Waldgut und dem Schloß in Holte hinzuerwerben.
Die Vorbesitzer, die Fürsten von Kaunitz, hatten ihre „Landesherrschaft“, ihre „Reichsunmittelbarkeit“, 1806 verloren. Damals war Rietberg durch Napoleon dem neu gebildeten „Königreich Westfalen“ unter Napoleons Bruder „Jerome“ einverleibt worden. Nach Napoleons Vertreibung gehörte es verwaltungsmäßig zur preußischen Provinz Westfalen.
Da die Kaunitzer aus Mähren kein Interesse mehr an Privatbesitz im Preußischen hatten, verkaufte der Neffe des berühmten Fürsten Kaunitz, der österreichischer Staatskanzler der Kaiserin Maria Theresia war, allen Grundbesitz an Tenge. Durch weise Käufe von Waldgütern - z. B. Marschallshagen - legte dieser sein Geld vor allem in landwirtschaftlichen Waldgütern an, doch beim Ankauf richtete er stets seinen Blick auf die Anlage wirtschaftlicher Betriebe. So stellte Tenge bereits im Jahre 1832 an die Fürstliche Rentkammer den „Antrag auf Erlaubnis einer Papiermühle auf der Dalbke nahe der preußischen Grenze“.
In seiner Anfrage heißt es wörtlich: „Um den auf meinem Gute Dalbke wohnenden Einliegern einigen Verdienst zu verschaffen, beabsichtige ich, an dem dort vorbeifließenden Grenzbach die Anlegung einer Papier- oder Schneidemühle, oder Herstellung beider“.