Der Verursacher konnte bis jetzt nicht ausfindig gemacht werden
Gutachten über Wasserverunreinigung in Dalbke/Beckhof liegt vor - Bisher wurden 50.000 Mark für die vergebliche Suche ausgegeben
Bielefeld-Sennestadt (wt). Ein Faß der Chemikalie Tetrachlorethylen kostet im Fachhandel so an die hundert Mark. Mit dieser hochgiftigen Substanz werden zum Beispiel in der Industrie Oberflächen fettfrei gemacht. Im Grundwasser hat sie hingegen nichts zu suchen. Was für Folgen eine Chemikalie in dieser relativ geringen Menge verursachen kann, wenn sie einmal in den Boden eingedrungen ist, läßt sich derzeit im Bereich Dalbke/Beckhof nachvollziehen: Seit 1987 hat man diese und andere chemische Verbindungen, die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen und das Erbgut zu schädigen, in Privatbrunnen nachgewiesen. Bis zu 300 Mikrogramm pro Liter wurden gemessen. Im Frühjahr machte sich ein Bielefelder Umweltanalyse-Institut im Auftrag der Stadt auf die Suche nach den Verursachern. Doch sie wurden bis heute nicht fündig. Die Kosten der Bemühungen: bisher 50.000 Mark.
„Wir haben nur Verdachtsmomente“, so Dr. Manfred Dümmer, städtischer Fachmann für Grundwasserfragen. Die Gutachter hätten mit ihren Untersuchungen weitere Anhaltspunkte liefern können, aber keinen konkreten Hinweis.
Schon in einer Informationsveranstaltung im März diesen Jahres waren mehrere mögliche Verursacher in der Öffentlichkeit genannt geworden. Ein Mitarbeiter der Stadt hatte damals eine Altdeponie oder einen früheren Betriebsstandort in die Diskussion gebracht. Und auch eine alte Hausmülldeponie im Schopketal in Oerlinghausen wurde erwähnt.
Schwierig gestaltet sich die Suche deshalb, weil sich die Schmutzwasserfahne schon sehr aufgefächert hat. Man könne, so Dr. Dümmer, deshalb nicht mit Sicherheit sagen, daß es nur ein Verursacher ist. „Vielleicht sind es auch mehrere.“
Ungewiß ist auch, wann die Chemikalien in den Boden eingedrungen sind. Dr. Dümmers vorsichtige Schätzung: „Vor mehreren Jahren.“
Fast alle Hausbrunnen in diesem Bereich wurden bisher untersucht. Kosten einer Analyse:
600 bis 1.000 Mark. Im Zuge der Untersuchungen des beauftragten Instituts wurden auch Erdbohrungen niedergebracht. Doch die dort gezogenen Proben brachten die Analyseinstrumente nicht zum Ausschlagen. Dr. Dümmer: „An diesen Stellen wurden wir nicht fündig.“
Bisher erstreckten sich die Untersuchungen nur bis zur Stadtgrenze. Bald soll aber auch im Kreis Lippe nachgeforscht werden, da die bisherigen Ergebnisse vermuten lassen, daß die Quelle der Verunreinigung auch dort liegen kann.
Bis jetzt hat die Dalbker Wasserverschmutzung Kosten in Höhe von 50.000 Mark verursacht. Doch richtig teuer wird es erst, wenn saniert werden muß. Dann fallen Beträge an, die im Bereich von mehreren hunderttausend Mark liegen.
Verunreinigungen im Grundwasser waren vor einiger Zeit auch an der Venner Straße aufgetaucht (wir berichteten). Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Die Untersuchungen laufen noch.