Zur Erweiterung der Kläranlage Nord gibt es keine Alternative

Nach anderthalbstündiger Diskussion stand für den Rat fest - Fachleute wollen Maßnahme für die nächsten zwanzig Jahre

 

Oerlinghausen (Piet). Die Abwasserprobleme im Altstadtbereich können nur beseitigt werden, wenn die Kläranlage Nord erweitert wird. Zu diesem Ergebnis kam der Rat der Stadt nach eineinhalbstündiger Diskussion. Auch die beiden Fachleute, Diplomingenieur Redeker und Regierungsdirektor Schacht aus Detmold waren übereinstimmend der Ansicht, daß es zur Kläranlage Nord im Augenblick keine Alternative gibt. Daß die zwanzig Jahre alte Anlage dringend überholungsbedürftig ist, machten die Experten an Hand einiger Zahlen deutlich: Das Klärwerk reicht allenfalls für die Entsorgung von 3.500 Einwohnern aus, angeschlossen sind derzeit aber über 6.000. Diplomingenieur Redeker: „Die Anlage ist mengenmäßig hoffnungslos überlastet. Alles was zuviel ankommt, geht auf „kurzem Wege“ in den Bach.“

Nach Meinung von Diplomingenieur Redeker müßte eine Erweiterung auf rund 9.000 Einwohner angepeilt werden. Das würde Kosten in Höhe von etwa 4,5 Millionen Mark verursachen wie der Oerlinghauser Kanalisationsexperte Schulze errechnet hat. Redeker: Angestrebt werden muß ein Durchlauf von 150 Litern pro Sekunde, derzeit werden 6.000 Liter ins Klärwerk gepumpt. Redeker hatte gleichzeitig auch die Frage untersucht, ob ein Anschluß an das Klärwerk Verl-Sende möglich sei. Er kam jedoch zu dem Ergebnis, daß dies aus drei Gründen wohl kaum vertretbar sei: Zum einen würde auf der 12 Kilometer langen Strecke durch eine neue Transportleitung ökologisch erheblicher Schaden angerichtet, zum andern müßten Grundstücke erworben werden und zum dritten seien die Kosten mit weit über zehn Millionen Mark nicht tragbar. Redeker: „Außerdem müßte die Anlage wahrscheinlich ebenfalls erweitert werden. Das würde sicherlich Probleme mit den Nachbargemeinden, die ja dann ebenfalls zusätzliche Kosten hätten, geben.“ Auch Regierungsdirektor Schacht hielt diesen Vorschlag für unrealistisch: „Das würden wir nie und nimmer bei den Landschaftsschützern durchbringen.“

Eine neue Kläranlage im Schopketal in der Nähe der kaum noch benutzten Stadtwerkbrunnen und auch der Vorschlag von Hans Brinkmann (SPD), in Lipperreihe möglicherweise ein „Zweitklärwerk“ mit Anschluß an das Hauptwerk zu errichten wurde von den Fachleuten abgelehnt.

Bürgermeister Erich Diekhof hatte zu Beginn der ausführlichen Debatte darauf hingewiesen, daß die Kläranlage Nord vor zwanzig Jahren aus einer gewissen Zwangslage heraus entstanden sei. Diekhof: „Aus heutiger Sicht wäre ein solcher Standort nicht akzeptabel.“

Die Kanalisationsexperten versicherten dem Rat jedoch, daß zum Schutze der Anlieger „strenge Auflagen“ erteilt werden müßten. So müsse der Reinigungsgrad des Wassers beispielsweise höher liegen als gesetzlich vorgeschrieben, und auch der Immissionsschutz werde gründlich überwacht. Nach einer Sitzungsunterbrechung, in der die SPD noch einmal den Fragenkomplex diskutierte, wurde schließlich der einstimmige Beschluß zur Erweiterung gefaßt. Manfred Neumann (CDU) zu Otto [Fiesel?] (SPD), der die Sache für „noch nicht entscheidungsreif“ hielt: „Eine Verschiebung hilft uns nicht weiter. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Und es gibt schon genügend Probleme in unserer Stadt, die wir vor uns herschieben.“