Zwei weitere Varianten ins Gespräch gebracht
Gegengutachten vorgelegt - Tunnellösung wird eindeutig favorisiert
Oerlinghausen (Piet). Knapp sechs Wochen nach dem Beschluß des Rates, die Umgehungsstraße zu bauen, hat der Umweltschutzverband Ostwestfalen-Lippe gestern in der Gaststätte Schopketal ein Gegengutachten vorgelegt. Es stammt von dem Stuttgarter Büro Hundsdörfer GmbH und widerspricht im wesentlichen den im Gutachten Hinterleitner erarbeiteten Prognosen. Während das Verkehrsgutachten Hinterleitner berechnet hat, daß die Verkehrszahlen auf der jetzigen innerstädtischen Entlastungsstraße von 12.000 auf 18.600 im Jahre 1990 anwachsen werden und von daher eine Umgehungsstraße dringend erforderlich ist, rechnet das Büro Hundsdörfer sogar mit einer Abnahme des Verkehrs. Als Begründung werden die neuen Bundesstraßen 66 und 68 genannt, die große Teile des Umlandverkehrs aufnehmen würden.
In einer Pressekonferenz lehnt der Umweltschutzverband trotzdem eine Umgehungsstraße nicht schlechtweg ab. Zwei neue Varianten werden ins Spiel gebracht.
Beim Vorschlag Nr. 4 (die Lösungsmöglichkeiten 1 bis 3 stammen aus dem Hinterleitner-Gutachten) wird eine Beibehaltung der bisherigen Trasse bis zum Steinbült vorgeschlagen. Von dort sollte der Verkehr mit Hilfe eines 400 Meter langen Tunnels durch den Teutoburger Wald geführt werden. Die Umweltschützer: „Das wäre ein hundertprozentiger Schutz für die Anlieger von Robert-Koch- und Holter Straße.“
Die Variante 5, die auch von dem Oerlinghauser Ratsherrn Blanke (CDU) mitentwickelt wurde, sieht ebenfalls die Beibehaltung der Trasse bis zum Steinbült vor. Von dort wird eine Verbreiterung der bisherigen Straße angestrebt, die den Abriß von 17 Häusern auf der westlichen Straßenseite zur Folge haben würde. Für die östliche Seite müßten nach Meinung des Umweltschutzverbandes umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen getroffen werden.
Die Tunnellösung wird von den Umweltschützern favorisiert. An zweiter Stelle liegt nach einer „Punktwertung“ des Gutachters Hundsdörfer die Variante 5. Die von der Ratsmehrheit angestrebten Lösungen II und III rangieren an letzter Stelle.
Landschaftsbeiratsmitglied Mensendiek warf in der Pressekonferenz dem Stadtrat von Oerlinghausen vor, er habe eine einseitige Argumentation verfolgt. Und Pro-Grün-Vorsitzender Dietmar Stratenwerth meinte: „Das Gutachten Hinterleitner ist eine Mißachtung des Rates. Der Verkehr allein ist nicht entscheidend.“
Im übrigen sei die Tunnellösung weitaus billiger als die Varianten II und III. Stratenwerth: „Es fragt sich natürlich, ob das Landesstraßenbauamt überhaupt technisch in der Lage ist, einen solchen Tunnel zu bauen.“ Stratenwerth erklärte weiter, der Ratsbeschluß vom 17. Oktober dürfe nicht überschätzt werden. Der Umweltschutzverein werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um eine Zerschneidung des Teutoburger Waldes zu verhindern. Dr. Kortmeyer: „Der Naturpark Teutoburger Wald ist als Einheit zu sehen. Wenn dort Einschnitte gemacht werden, sind alle Gemeinden betroffen von Detmold bis Osnabrück.“
Das neue Gutachten soll dem Regierungspräsidenten übersandt und als Beitrag der Umweltschützer zum Behördenabstimmungsverfahren gesehen werden.