Trauerbuche auf dem Simonsplatz wird nicht zum Denkmal erhoben

Antrag von Jürgen Hartmann (Grüne) knapp gescheitert - Sozialdemokraten lehnten ab / Streit um „Geschäftsordnungstrick“

 

Oerlinghausen (p-t). Eigentlich wollte sich der Umweltausschuß am Mittwochabend gar nicht mit der umstrittenen Simonsplatzbebauung befassen. Jürgen Hartmann von den Grünen hatte gleich zu Beginn der Sitzung den Antrag gestellt, den Punkt „Bebauung des Simonsplatzes, Ersatzpflanzung von Großgrün“ von der Tagesordnung abzusetzen. Seine Begründung: „Wir dürfen der politischen Entscheidung nicht vorgreifen.“ Hartmanns Ausschußkollegen hatten dem Absetzungsantrag dann auch bereitwillig zugestimmt. Doch kurze Zeit später, als es um Neuausweisungen von Naturdenkmalen innerhalb des Stadtgebietes ging, stand das Thema plötzlich doch zur Debatte. Sie entzündete sich an der ehrwürdigen Trauerbuche, die ja aller Voraussicht nach einer großen Bebauung auf dem Simonsplatz zum Opfer fallen müßte.

Auch in diesem Fall ging die Initiative von Jürgen Hartmann aus. Er versuchte von Bauamtsleiter Friedel Potthast in Erfahrung zu bringen, was bei Gesprächen zwischen der Verwaltung und dem Kreisumweltamt über die Trauerbuche herausgekommen sei. Als Potthast solche Auskünfte mit dem Hinweis ablehnte, das Thema Simonsplatz sei doch eben gerade abgesetzt worden und solche Gespräche mit dem Kreis gehörten im Übrigen zum Geschäft der laufenden Verwaltung, stellte Hartmann überraschend den Antrag, die Trauerbuche in die Liste der Naturdenkmale aufzunehmen.

Bei seinem Anliegen, trotz Simonsplatzabsetzung über den alten Baum reden zu wollen, erhielt der Vertreter der Grünen Rückendeckung von der CDU, der FDP und von seinem sozialdemokratischen Namensvetter Hans-Werner Hartmann. Letzterer wies darauf hin, daß der Antrag der Grünen legitim sei und lehnte ein „Drumherumreden mit Geschäftsordnungstricks“ ab. Gegen diesen Vorwurf, er arbeite mit einem Trick, wehrte sich Potthast entschieden. Tatsächlich bestehe doch wohl ein Zusammenhang zwischen dem Baum und dem Thema „Ersatzpflanzung von Großgrün“, das ja zu Beginn der Sitzung abgesetzt worden sei, betonte der Bauamtsleiter. Natürlich tue es auch ihm leid, wenn der Baum aus baulichen Gründen fallen müßte.

Die Freien und Christdemokraten im Ausschuß für Natur und Umwelt wollten sich dieser Argumentation nicht anschließen. Sie vertraten die Auffassung, daß man über den Baum auch ohne die geplante Simonsplatzbebauung im Hinterkopf reden könne. „Ich finde es unredlich, wenn wir ihn nicht in die Liste der Naturdenkmale aufnehmen“, sagte Hildegard Lachtrup. Die FDP-Politikerin, die ihren Fraktionskollegen Roland Tischbier in der Sitzung am Mittwochabend vertrat, äußerte die Ansicht, daß man eine Simonsplatzentscheidung vorwegnähme, wenn man die Buche aus der Liste herausließe.

Friedrich-Wilhelm Haniel (CDU) brachte die Haltung seiner Partei zur geplanten Bebauung ins Spiel. „Wir haben es leicht, über die Buche abzustimmen, wir sind sowieso gegen die große Bebauung“, sagte er.

 

Die Befürworter einer Aufnahme der Trauerbuche in die Liste der Naturdenkmale fanden jedoch keine Mehrheit im Ausschuß. Mit sechs gegen sechs Stimmen, bei einer Enthaltung, wurde der Aufnahmeantrag abgelehnt. Die sechs Neinstimmen kamen von den Sozialdemokraten. Ausschußvorsitzender Rudi Doil, ebenfalls SPD, enthielt sich der Stimme.