Oerlinghausen knabbert die Berge an

Es braucht Platz für seine Vorhaben - Hochbehälter auf dem Tönsberg / Straßenbau in der Altstadt / Die Fröbelschulfundamente stehen

 

Oerlinghausen. Rhythmisch fressen Bagger ihre eisernen Fangzähne, Geländeraupen brüllen, Baumaschinen rattern, und selbst Berge werden angeknabbert. Stadtdirektor Witt und Ingenieur Hartmann übertrieben nicht, als sie sagten: „Bei uns wird an allen Ecken und Enden gebaut.“ Und die Bürger mögen sich fragen, was das bewirken soll. Das haben wir gestern morgen auch gefragt und vom Verwaltungschef nur gehört: „Das wird nicht verraten!“ Aber die Bürger der Bergstadt können ruhig schlafen und - so sie wollen - getrost in den herbstlich färbenden Wald spazieren gehen. Und wenn sie dabei den Kammweg (Hermannsweg) auf der Tönsberghöhe benutzen, haben sie nicht nur einen herrlichen Ausblick, sondern werden mit einem Bauwerk konfrontiert, das als Wasserspeicher für die höher gelegenen Ortsteile dient.

350 Kubikmeter des köstlichen Nasses wird der im Bau befindliche Hochbehälter fassen, dessen Wände aus Beton und Eisen allen Stürmen trotzen werden.

Fertig stehen unweit der Volksschule an der ausgebauten Weerthstraße die Fundamente für die Fröbelschule. Eine mächtig in die Breite gehende Baustelle! Siebenklassig wird das neue Schulhaus. Ihm soll eine Gymnastikhalle angegliedert werden, deren Fundamente die Größe des Bauwerkes erkennen lassen. Die Fertigbauteile sollen am 10. Oktober dieses Jahres aus Holland kommend in Oerlinghausen eintreffen. Stadtdirektor Witt hofft, daß sie bis Ende Oktober aufgestellt sein werden, so daß dann nur noch die Einrichtungsgegenstände fehlen. Einen Termin für die Einweihung der Fröbelschule konnten wir nicht erfahren.

Verwaist lag gestern morgen der Schützenplatz. Um so lebendiger war aber das Leben zu seinen „Füßen“. Ein alter Wunsch der Anlieger des Steinbülts geht in Erfüllung: Die Straße wird gemacht! Und in einem Aufwasch bekommen der Landerweg und die angrenzenden Wegestücke auch etwas ab! „Es sind die letzten Straßen in der Altstadt, die ausgebaut werden, dann sind wir damit fertig“, ließ sich der Verwaltungschef vernehmen.

Auf den Leib gerückt sind am Donnerstag die Straßenbaukolonnen auch dem Welschenweg. Vorerst wird die rechte Seite der Straße ausgebaut, nachdem die Stadtwerke die Versorgungsleitungen verlegt haben. „Auf der anderen Seite fehlen noch die Kanalrohre“, sagte Bauingenieur Hartmann. Und jeder wird einsehen, daß es unnötige Kosten verursachen würde, wenn die Straße voll ausgebaut worden wäre und dann wieder aufgerissen werden müßte, um Platz für die Kanalrohre zu schaffen. Ausgebaut wird der Lönsweg, und eine Schwarzdecke soll der Hügelweg erhalten.

An der Böschung der Holter Straße „nagt“ eine Geländeraupe. Sie schob das Erdreich vor sich her, fraß sich in den Berg. Rotweiße Stangen zeigen die Trassenführung der „neuen“ Holter Straße an, deren Fahrbahn bis hinunter nach der Flughafenstraße auf 7,50 Meter Breite mit beidseitigen Bürgersteigen gebracht wird. Fast fertig ist am anderen Ende der Stadt die Detmolder Straße. Aber die Ampeln werden - das läßt der Stand der Arbeiten erkennen - noch einige Zeit in Betrieb bleiben.

„Sand“ gibt es in der Südstadt: Die von der Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft erbauten Häuser sind zum großen Teil bezogen. In ihrem Schatten spielen, wie in der NATO-Siedlung, friedlich die Kinder, schieben Puppenwagen oder buddeln im Sand. Vor, hinter und neben den Häusern mit blanken Fensterscheiben wachsen Masten aus dem Senneboden! Die „Neue Heimat“ ist dabei, ihre Pläne zu realisieren. Gebaut werden 126 Mietwohnungen, 16 Eigenheimwohnungen und 106 Eigenheime. Am Stukenbrocker Weg wird für das neungeschossige Hochhaus ausgeschachtet. Auf der gegenüberliegenden Seite der Holter Straße baut die „Vita“. Oerlinghausen macht der Sennestadt Konkurrenz.

Es hat mehr oder weniger hämische Bemerkungen wegen des Klärteiches unterhalb der Südstadt gegeben. Dem wird ein für allemal ein Riegel vorgeschoben: Bagger und Raupe wühlen in „Gemeinschaftsarbeit“ im Sennesand. Ein mechanisches Klärbecken für die Abwässer der Südstadt wird geschaffen, von dem das gereinigte Wasser in Richtung Bundesstraße 68 durch eine bereits verlegte Rohrleitung ablaufen kann.

Erhalten bleibt der Klärteich für Regenwasser als Regenwasser-Rückhaltebecken. Würde dieses Regenrückhaltebecken nicht bleiben, müßten die Kanalrohre fast unvorstellbare Dimensionen haben und das in Senne zu errichtende Gemeinschaftsklärwerk entsprechend größer gebaut werden!

Es ist nicht möglich, alle Baustellen der Bergstadt aufzuzeigen und sie ausführlich zu beschreiben. Doch dieses noch: Die Katzenköpfe der Hermannstraße hinter dem Stadthotel sind verschwunden. Der Straßenzug wird neu gebaut. Er führt hin zu den vorm Obernberg geplanten Bungalowbauten, für die das Gelände aus Privathand erworben werden kann. Indes ist das schon früher ausgewiesene Baugelände Vorm Obernberg vergeben. Der sogenannte zweite Ring trägt neue Häuser. Sie sind teils im Bau, teils fast fertig. Insgesamt: Auch Oerlinghausen ist eine Reise wert! Bleibt uns noch übrig, uns bei Stadtdirektor Witt und Bauingenieur Hartmann für gewährte Gastfreundschaft zu bedanken und darauf hinzuweisen, daß am Mittwoch der Rat tagen wird, doch darüber am Montag mehr!

p-t