Schulfunksendung „Die Bauern von Rietberg verlangen ihr Recht“ floß aus seiner Feder
Franz Stratmann als Hörspiel-Autor- Dramatisches Stück Heimatgeschichte heute um 10.30 und 15 Uhr zu hören
Sennestadt / Sende / Oerlinghausen (pem). Die Bauern gingen auch in der Senne auf aIle Barrikaden, ab die mit der längst aufgehobenen Hörigkeit zusammenhängenden Lasten und Abgaben zu schwer wurden. Der Marsch der Rietberger Bauern nach Barkhausen (Lippe) ist das historische Beispiel aus unserem unmittelbaren Gebiet dafür. Dieser Marsch ist heute mit all seinen Hintergründen Inhalt einer zweimal ausgestrahlten Schulfunksendung. Sie baut auf die Ergebnisse der Forschungsarbeit des Sennestädter Hauptlehrers a. D. Franz Stratmann auf, der mit Daten und Fakten, in Wort und Bild der eigentliche Autor dieser Sendung ist.
Franz Stratmann, in der Senne und darüber hinaus als passionierter Heimatforscher bekannt und geschätzt, war überrascht, als ihn Anfang dieses Jahres ein Schreiben des Westdeutschen Rundfunks in den Briefkasten flatterte. Er erfuhr, daß in die Sendungen über die Märzunruhen 1848 in Westfalen auch die Rietberger Bauern mit einbezogen werden sollen. Kleine Hörspiele waren vorangegangen: Etwa die „Maschinenstürmer von Volmarstein!“ oder die „Revolutionäre von Bonn“.
Daß der Rundfunk die Mitarbeit Stratmanns wollte, freute den Sennestädter Heimatforscher. Er war in seinem Element und konnte zudem noch aus der Einsamkeit seiner „Studierstube“ heraustreten und mit seiner Forschungsarbeit einen wertvollen Beitrag für den Heimatunterricht an den Schulen leisten, Dokumentation, Bild und Kartenbeiträge, der Extrakt aus dem Studium von Urkunden und Überlieferungen bildeten die Unterlage für den Begleitaufsatz im Lehrerbeiheft.
Er ist in etwa - abgesehen von der Rundfunkbearbeitung - Grundlage der Sendung, die sich nicht nur auf den Marsch selbst beschränkt, sondern die den „Aufstand“ in das Geschehen In ganz Westfalen einbezieht. In Westfalen waren es nicht die Ideen der französischen Revolution, sondern handfeste wirtschaftliche Gründe, die am 24. März 1848 zur Revolte gegen den Lehrer Friedrich Ludwig Tenge führten. Tenge, dem die Papierfabrik Dalbke gehörte wie der Holter Wald mit dem Schloß, wie zahllose Gehöfte und Güter, die Holter Eisenhütte und die Glashütten in Rietberg, war kein Despot, sondern kümmerte sich um das Los der minderbemittelten Schichten. Dennoch waren die Abgaben, die er von den Bauern forderte, einfach nicht pünktlich zu bezahlen.
Er aber bestand auf der pünktlichen Zahlung der gutsherrlichen Abgaben - formal auch im Recht dazu. Als er aber auf der Umwandlung der Naturalabgaben in eine Geldrente bestand, stieg die Unzufriedenheit der Bauern. In Schwiensterts Kotten am südlichen Holter Wald in der Gemarkung Sende formierten sich die Bauern und zogen nach Barkhausen wo Tenge wohnte.
Sie zwangen Tenge, die Naturalablieferungen um die Hälfte herabzusetzen und die Geldrente zu ermäßigen. Tenge, der dabei einen Verlust von 60.000 Talern erlitten haben soll, wollte später die in Kaunitz notariell beglaubigte Unterschrift unter das erzwungene Abkommen nicht anerkennen. Weitere Auseinandersetzungen verhinderten jedoch das preußische Ablösungsgesetz.
Ein interessantes Kapitel, das in dem Raum von Kaunitz bis Oerlinghausen, von Schloß Holte bis Dalbke und Sende geschrieben wurde. Die Hörfunkbearbeitung sollte man sich nicht entgehen lassen!
[Bild: Franz Stratmann]