„Umdenken“ in den Reihen von CDU und FDP

SPD fordert die Umgehungsstraße - Sofortmaßnahmen für die Anlieger

 

Oerlinghausen. FDP und CDU fordern in der Frage der neuen Umgehungsstraße ein „Umdenken“ und wollen erst die Gutachten von Hinterleitner und Hundsdörfer gegeneinander abgewertet wissen. Gleichzeitig werden von beiden Parteien Sofortmaßnahmen für die lärmgeplagten Bürger in der Robert-Koch- und Holter Straße angestrebt. Die SPD besteht auf der neuen Umgehungsstraße, während sich die Bürgerinitiative Stadtsanierung „neutral“ verhalten will. Die „Vereinigten Umweltschützer“ sind gegen die Straße. Das ist, auf einen Nenner gebracht, das Ergebnis des Umweltschutz-Hearings zum Thema Umgehungsstraße, das verständlicherweise in der viereinhalbstündigen Diskussion den größten Raum einnahm.

Die Debatte begann kontrovers. Als Roland Tischbier feststellte, daß diese Straße „allenfalls in zehn Jahren fertig wird“, korrigierte ihn Bürgermeister Erich Diekhof: „Damit hier keine falschen Zahlen in Umlauf kommen: Die Straße wird früher fertig.“

Die Befürchtungen der Grünschützer gehen dahin, daß durch die neue Umgehungsstraße keine Entlastung, sondern eher eine zusätzliche Belastung entsteht. Roland Tischbier: „Die Straße wird eine Spange zwischen der A30 und der A33. Sie wird noch mehr Verkehr nach Oerlinghausen ziehen. Wir geben damit den Reiz dieser Landschaft auf für einen Verkehr, den wir nicht haben wollen und der uns nichts bringt.“ Günter Ober von „Pro Grün“, der „volles Verständnis“ für die Lage der lärmgeplagten Bürger zeigte, forderte nicht nur eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die innerstädtische Entlastungsstraße, sondern auch ein Lkw-Verbot und zwei Ampeln am Welschenweg und an der Bleiche, um diese „Straße langsam und damit unattraktiv zu machen“. Roland Tischbier kritisierte, daß die Kernfrage beim Hinterleitner-Gutachten „Weisen Sie die Notwendigkeit dieser Straße nach!“ gelautet habe. Tischbier: „Das wird Ihnen jeder Planer beweisen. Die Frage hätte richtiger lauten müssen: Zeigen Sie Alternativen auf, welche Entlastung es für die Robert-Koch- und Holter Straße gibt.“

Bürgermeister Erich Diekhof wies darauf hin, daß alle Fraktionen für den Bau des Schulzentrums (das von der neuen Straße auch betroffen wird) eingestellt hätten und daß man für den notwendigen Immissionsschutz sorgen werde. Am Landerweg würden unnötige Emotionen erzeugt. Diekhof: „Dort wird es keine Belästigung durch die neue Straße geben.“

Günter Welken (CDU) erklärte, daß die SPD immer wieder den Bürgern der Robert-Koch- und Holter Straße Versprechungen gemacht habe. Welken: „Zuletzt 1975, als der Bürgermeister erklärte, der Bau der Straße steht unmittelbar bevor. Was hat die SPD getan, um Sie vom Lärm zu befreien? Die CDU hat vor einem Jahr einen Antrag gestellt, um Lärmschutzverbesserungen für das betroffene Gebiet zu erreichen. Unser Antrag ist dann verwässert und auf das ganze Stadtgebiet ausgedehnt worden.“ Weiken forderte den Umdenkungsprozeß, der „uns bundesweit nachdenklich gemacht hat“, auch in Oerlinghausen zu vollziehen, „denn ein solches ‚Jahrhundertwerk‘ habe tiefe Einschnitte in die Natur zur Folge“. Weiken faßte zusammen: „Wir werden im neuen Rat beantragen, daß Hundsdörfer-Gutachten und Tunnellösung diskutiert werden. Gleichzeitig fordern wir Sofortmaßnahmen, um den Bürgern zu helfen, deren menschliche Not wir verstehen. Wir weigern uns aber, den Lärm auf andere Stadtteile abzuwälzen.“

 

Hans-Gerd Warneken (FDP), der offen bekannte, daß sich im Stadtverband seiner Partei eine „75prozentige Mehrheit“ gegen die Straße ausgesprochen habe, bekräftigte noch einmal, „daß wir eine Straße ohne Tunnel ohnehin ablehnen“. Wenn schon die Straße kommen müsse, was erst einmal durch das Abwägen der beiden Gutachten bewiesen werden müsse, dann auch mit Tunnel ab Hannegge. Warneken: „Die Umgebung von Oerlinghausen können wir nur einmal verhunzen.“ Gerhard Nass, Bürgerinitiative: „Wir bleiben neutral, wenngleich ich darauf hinweisen möchte, daß durch die Stadtkernverdichtung sicherlich noch mehr Verkehr über die Robert-Koch-Straße laufen wird.“

Hans Brinkmann (SPD) wies auf frühere Beschlüsse in dieser Frage hin, die „nahezu einmütig“ gefaßt worden seien. Brinkmann: „CDU-Ratsmitglied Blume hat 1975 einen Alternativvorschlag eingebracht, der auch massive Eingriffe in die Natur vorsah und der von Pro Grün sofort abgelehnt worden ist.“ Durch „20jähriges Nachdenken“ sei man jetzt zu einer Tunnellösung gekommen, die akzeptabel sei, erklärte Brinkmann, der „zwei bis drei Jahren“ einen Totalzusammenbruch des Verkehrs befürchtete. Der Zweckverbandsvorsitzende faßte zusammen: „Wir brauchen die Straße, um den Wohnwert der gesamten Altstadt nicht weiter absinken zu lassen.“ Es sei immer vom Ausweichen auf andere Straßen die Rede gewesen. Aber niemand könne sagen, wo der Verkehr herlaufen solle, zumal auch bei A33 und […..] keineswegs sicher sei, ob sie gebaut würden. Brinkmann: „Es bleibt uns keine Wahl. Wir müssen alle für umweltfreundliche Fahrzeuge kämpfen. Aber je mehr die Bevölkerung wächst, desto mehr Straßen brauchen wir.“

Der Sprecher der Anlieger in der Robert-Koch-Straße, Landermann, appellierte an alle Anwesenden: „Ein Weg von der Straße gibt es für uns nicht. Aber versuchen Sie doch wenigstens innerhalb eines halben Jahres den Schwerlastverkehr rauszubekommen.“