Fritz Soll sen. starb im Alter von 78 Jahren
Ein wandelndes Geschichts-Lexikon
Oerlinghausen. Er war ein wandelndes Geschichtslexikon, kannte Land und Leute, wußte, was in der Bergstadt passiert war in den letzten zwei Jahrhunderten. Fritz Soll ist im Alter von 78 Jahren gestorben, knapp einen Monat vor seinem 79. Geburtstag.
1920 wurde er im Steinbült geboren, nur wenige Meter vom Landerweg 6 entfernt, wo er zuletzt lebte und arbeitete. Nach der Volksschule machte er zunächst eine Lehre als Nähmaschinen-Mechaniker. Doch dann kam die Einberufung, und es verschlug ihn nach Kiel, was sich als Glücksfall erweisen sollte, denn dort lernte er Ehefrau Regine [Anmerkung FSj: Erna, Regina war seine Schwiegertochter] kennen, die er 1942 heiratete.
Nach Kriegsende arbeitete er zunächst in seinem alten Beruf bei der Firma Weber, war dort im Betriebsrat und gehörte von 1961 bis 1975 als Mitglied der SPD dem Stadtrat an. Dieses Ehrenamt mußte er zwangsläufig aufgeben, als er 1975 als Druckereimitarbeiter in die Dienste der Stadt eintrat.
Doch erst als Rentner konnte sich Fritz Soll ganz seinen historischen Forschungen widmen. Er durchforstete das Stadtarchiv ebenso wie das Detmolder Staatsarchiv nach allem, was irgendwie einen Bezug zu Oerlinghausen hatte.
1986 gründete Fritz Soll mit Seniorinnen und Senioren der Müllerburg in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule den „Burgkurier“, eine Zeitschrift, die im Eigendruck und in 200 Exemplaren auf den Markt gebracht wurde. Überwiegend konnte man historische Ereignisse nachlesen, aber auch viel Aktuelles aus dem Stadtgeschehen.
In den letzten Lebensjahren widmete sich Fritz Soll verstärkt mit seinem Sohn den Erinnerungen von August Reuter. Die erste Auflage war schnell vergriffen, so daß eine weitere Auflage folgen mußte, die ebenfalls reißenden Absatz fand.
Bis zuletzt nahm Fritz Soll am öffentlichen Leben teil. Er war ein echtes Oerlinghauser Urgestein, mit Humor und Mutterwitz. Schade, daß es ihn nicht mehr gibt. Wir werden ihn vermissen.
[Bild: Fritz Soll sen. verstarb im Alter von 78 Jahren.]
Dieter Burkamp