Fritz Soll sen. wird heute 75 Jahre alt

Kaum einer kennt die Heimatgeschichte wie er

 

Oerlinghausen (Pfeif.). Er ist ein wandelndes Geschichtslexikon. Was in der Bergstadt passiert ist in den letzten zwei Jahrhunderten, Fritz Soll weiß es, und wenn er es einmal wirklich nicht wissen sollte, dann weiß er zumindest, wo man es nachschlagen kann. Heute wird der Chronist 75 Jahre alt.

1920 wurde er im Steinbült geboren, nur wenige Meter vom Landerweg 6 entfernt, wo er heute lebt und arbeitet. Nach dem Besuch der Volksschule machte er zunächst eine Lehre als Nähmaschinen-Mechaniker, wurde dann jedoch als Jugendlicher eingezogen und nach Kiel verschlagen, wo er seine Frau Regine [Anmerkung FSj: Erna, Regina ist seine Schwiegertochter] kennenlernte und 1942 heiratete. Nach dem Krieg arbeitete er in seinem alten Beruf bei der Firma Weber in Oerlinghausen, war dort im Betriebsrat und war von 1961 bis 1975 auch als Ratsmitglied für die SPD im Stadtrat. Dieses Ehrenamt mußte er aufgeben, als er als Mitarbeiter in die städtische Druckerei ging, wo er bis zum Ruhestand beschäftigt war. Erst als Rentner konnte Fritz Soll seine historischen Forschungen, die er bis dahin nur nach Feierabend betrieben hatte, voll entfalten. Das Stadtarchiv ist ihm ebenso vertraut wie das Detmolder Staatsarchiv, wo ihn die Bibliothekare als „rastlosen und unermüdlichen Stöberer“ kennen, wie es NW-Redakteur Thomas Klingebiel anläßlich seines 70. Geburtstages formulierte.

1986 gründete Fritz Soll sogar eine Zeitung. Er taufte sie „Burgkurier“, und die Redakteure und Redakteurinnen waren Senioren und Seniorinnen der Müllerburg. Zusammen mit der VHS wurden in unregelmäßigen Abständen rund 200 Exemplare auf den Weg gebracht. Sie enthielten historische Themen, beschäftigten sich aber auch mit aktuellen Ereignissen und waren mit Zeichnungen von Ernst Meier illustriert. Leider mußte der „Burgkurier“ 1993 sein Erscheinen einstellen, weil sich nicht mehr genügend Mitarbeiter fanden.

In den letzten Jahren widmete sich Fritz Soll verstärkt mit seinem Sohn den Erinnerungen von August Reuter. Die erste Auflage dieses Buches, praktisch noch handgemacht, war bereits innerhalb weniger Monate vergriffen, und auch die zweite Auflage, die im Heka-Verlag Leopoldshöhe erschienen ist, verfügt nur noch über einige Restbestände.

Privat widmet sich Fritz Soll seiner Familie. Vier Töchter, ein Sohn, zwölf Enkel- und sechs Urenkelkinder gratulieren ihm heute zum Geburtstag. Die NW, für die Fritz Soll zahlreiche historische Artikel verfaßte, schließt sich an.

[Bild: Fritz Soll in seinem Oerlinghauser Heim.]