Verkehrslärm vom Band abgespielt - Vorgeschmack für die Anwohner?

Gegner der L751 erprobten am Freitagabend „den Ernstfall“ - Günter Ober enttäuscht über die Oerlinghauser Kommunalpolitiker

 

Oerlinghausen (Pfeif.). Der Lärm war ohrenbetäubend. Doch das, was sich nach Lkw-Geschnaufe, knatternden Motorrädern und Pkw mit defektem Auspuff anhörte, war nicht echt, sondern kam vom Tonband. Günter Ober vom Bund für Vogelschutz, assistiert und unterstützt von Roland Tischbier, wollte den Anwohnern am Landerweg einmal vorführen, „wie es sich anhören kann, wenn die L 751 neu in acht Metern Höhe in der Nähe ihrer Wohnbereiche gebaut wird“. Für rund 30 Anlieger, die sich am Ort des Geschehens einfanden, führte die Demonstration zu recht heftigen Diskussionen.

Günter Ober: „Wir haben die Bewohner aufgeschreckt. Aber viele resignieren bereits oder haben das Problem verdrängt. Eine ältere Frau sagte mir: ‚Wenn die Straße gebaut wird, lebe ich ja sowieso nicht mehr.‘“

Die Tonbandaufnahmen hatte Günter Ober von einer Schallplatte auf Kassettenrecorder überspielt. Er benutzte dabei drei „Verkehrsarten“, den Lärm von Bundesstraßen, Ausfallstraßen und von Autobahnen. Über phonstarke Verstärker wurde der „Verkehrslärm“ genau an jener Stelle simuliert, wo die Straße in acht Metern Höhe einmal verlaufen soll.

Ober, seit Jahren massiver Gegner dieser Straße, zeigte sich enttäuscht über die Mehrheit des Oerlinghauser Stadtrates. „Dort ist nie der ernsthafte Versuch unternommen worden, die Verkehrsströme über die Autobahn zu lenken.“ Bei einem Straßennetz von rund 400.000 Kilometern in der Bundesrepublik müsse man einfach umdenken, meinte Ober: „Wir können es uns nicht leisten, zwei Fernstraßen nebeneinander herlaufen zu lassen.“ Das aber ist nach Meinung des Umweltschützers der Fall, denn die L 751 neu sei keine Umgehungsstraße für Oerlinghausen, sondern eine zusätzliche überregionale Straße, die die Autobahnen A 33 und A 2 miteinander verbinden werde. Ober: „Unsere Landschaft wird für überregionale Interessen verraten. Wir werden durch diese Straße mehr Verkehr anziehen als abwenden.“ Um die Anwohner der Robert-Koch- und Holter Straße zu entlasten, sollte der Rat nach Meinung Obers alles daransetzen, die Verkehrsströme über die Autobahn zu lenken. Dort seien nur wenige belastet, in Oerlinghausen würde man künftig noch mehr als bisher den Schwerlastverkehr zu spüren bekommen.

[Bild: Das „Lärm-Auto“ am Landerweg.         Foto: Burkamp]