Umgehungsstraße Oerlinghausen wird künftig überflüssig sein
Pro Grün versucht zu beweisen - Gegengutachten von Ing. Hundsdörfer aus Stuttgart vorgelegt
Oerlinghausen/Bielefeld (Pfeif.). Ein neues Gutachten von Pro Grün soll die Umgehungsstraße von Oerlinghausen - Kosten rund 20 Millionen DM, über die seit nahezu 20 Jahren diskutiert wird, in letzter Minute verhindern. Für den „Freundschaftspreis von 5000 Mark“ (Dietmar Stratenwerth) hat das Stuttgarter Ingenieurbüro Hundsdörfer im Auftrag von Pro Grün festgestellt, daß „die Straße überflüssig ist“. Pro Grün: „Wir müssen alles tun, um eine Verkehrsberuhigung an der Robert-Koch- und Holter Straße zu erreichen. Eine neue Straße schafft nur neue Probleme“.
Auf den plötzlichen Sinneswandel nach dem Neuland-Kompromiß (SPD und Pro-Grün-Leute verständigten sich damals auf eine Tunnellösung) angesprochen, meinen die Umgehungsstraßen-Gegner: „Es stimmt einfach nicht, daß wir in Neuland einer Umgehungsstraße zugestimmt haben, wenn die Tunnellösung favorisiert wird. Wir haben damals schon ein weiteres Gutachten gefordert. Wenn dann eine Umgehung nicht zu vermeiden sei, könne sich Pro Grün einer Tunnellösung anschließen“.
Dieses von Pro Grün geforderte Gutachten sei jedoch von der Ratsmehrheit in Oerlinghausen abgelehnt worden. Deshalb habe die Gruppe mit eigenen und Spendenmitteln ein Gutachten in Auftrag gegeben. Hundsdörfer habe sich dabei im wesentlichen auf die Zahlen aus dem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten Hinterleitner (Kosten 40.000 Mark) bezogen, in dem allerdings die Notwendigkeit einer Umgehungsstraße außer Zweifel steht. Hundsdörfer interpretiert Zahlen und Fakten jedoch ganz anders.
Er rechnet damit, daß die Umgehungsstraße eine Bauzeit von 8 bis 10 Jahren haben wird und daß „dann mit ziemlicher Sicherheit veränderte Autogewohnheiten“ herrschen. Die Landesstraße 751 sei schon heute Schleichweg über den Teutoburger Wald, insbesondere für Lkw-Fahrer. Bei einem vierspurigen Bau einer neuen Straße werde der Anreiz, diese Strecke zu nutzen, künftig nur noch erhöht. Das Gutachten Hinterleitner wird insofern kritisiert, da es angeblich keine Verkehrsuntersuchungen über die Belastung des überörtlichen Verkehrsnetzes enthalten soll.
Aufgrund des neuen Gutachtens ist Pro Grün der Meinung, daß die Landstraße 751, die zu 70 Prozent vom Durchgangsverkehr befahren wird, durch die neuen Straßen B 66, B 239, B 68 sowie A 2 und L 758 wirksam entlastet werde. Um den Anwohnern zu helfen, müsse man „passiven Lärmschutz“ schaffen. Befragt, was darunter zu verstehen sei, meinte Dr. Rohde-Jüchtern: „Doppel- oder Dreifachfenster in den Häusern zur Straßenseite hin.“ Darüber hinaus solle die vorhandene Straße für den Lkw-Verkehr gesperrt werden. Das sei nach dem Gesetz möglich, wenngleich der Leiter des Landesstraßenbauamtes, Schüssing, einmal etwas anderes erklärt hatte. Dietmar Stratenwerth: „Dabei kann allerdings passieren, daß das Landesstraßenbauamt die Straße der Gemeinde überträgt, die dann auch die Folgekosten zu zahlen hat.“ Der örtliche Pro-Grün-Vertreter Ober betonte noch einmal mit Nachdruck, daß es seiner Organisation in erster Linie darum gehe, den Anliegern der Straße zu helfen. Zu deren Schutz müßten „Sofortmaßnahmen ergriffen werden“.
Tunnel für 27 Millionen
Oerlinghausen (pwe). Die zuständigen Behörden beim Landschaftsverband in Münster haben dem Landesstraßenbauamt „grünes Licht“ für den Planungsauftrag der Umgehungsstraße gegeben. Diese Mitteilung machten Stadtdirektor Bellhorst und Bürgermeister Diekhof gestern abend in öffentlicher Ratssitzung. Die angestrebte Tunnellösung, die neuerdings - siehe obenstehenden Bericht - von „Pro Grün“ torpediert wird, sei dabei wesentlicher Bestandteil der Planung. Die Kosten für den 560 Meter langen Tunnel werden auf rund 27 Millionen Mark geschätzt. Bürgermeister Diekhof, der noch gestern Gespräche mit führenden Vertretern des Landesstraßenbauamtes führte, erklärte, daß die Bodenuntersuchungen sich als „sehr günstig“ erwiesen hätten. Der Boden sei so „verfestigt“, daß keine Zusatzkosten zu erwarten seien. Ein geologisches Gutachten werde in Kürze in Auftrag gegeben. Das Landesstraßenbauamt hat der Stadt darüber hinaus eine schriftliche Stellungnahme zum Bau der Umgehungsstraße angekündigt.
[Bild: Landschaftszerstörung durch Umgehungsstraße]